Libreka macht einen Break: E-Book-Portal des deutschen Buchhandels gibt Endkundengeschäft auf

libreka-e-book-bestseller-b2bKurswechsel bei Libreka: die E-Book-Plattform des deutschen Buchhandels gibt das Endkundengeschäft auf. Der Konkurrenz großer Portale wie iBooks oder Amazon sieht sich der Libreka-Betreiber MVB offenbar nicht gewachsen. Wie im Vorfeld der Buchmesse bekannt wurde, will sich das Portal deswegen als Distributeur zwischen Verlagen und Online-Buchhandel neu aufstellen. Zur Zeit bietet Libreka etwa 30.000 E-Books an, die Volltextsuche funktioniert für mehr als 300.000 Titel.

Schon 2009 gab’s den ersten Libreka-Skandal

Schon auf der Frankfurter Buchmesse 2009 hatte Libreka für einen kleinen Skandal gesorgt. Nur 5000 Besucher habe das Portal täglich, monatliche E-Book-Verkäufe bewegten sich im niedrigen zweistelligen Bereich, kritisierte damals ein anonymer Branchen-Insider. Außerdem war von Missmanagement und technischen Unzulänglichkeiten die Rede. Irgendetwas muss an diesen Vorwürfen wohl dran gewesen sein, denn gegenüber großen Portalen wie etwa Libri.de oder neuerdings iBooks konnte sich Libreka auch in der Folgezeit nicht behaupten. Nun hat der Betreiber, der Marketing- und Vertriebsservice des Buchhandels, offenbar endgültig die Notbremse gezogen. „Die Mechanik hat sich verändert, der Markt wird immer heterogener, es herrscht eine wettbewerbsintensive Situation“, zitiert Buchreport.de Libreka-Chef Ronald Schild.

Für die meisten Leser blieb Libreka eine unbekannte Größe

Librekas eigentliche Mission scheint damit gescheitert zu sein – nämlich die Wunderwaffe des Buchhandels gegen Branchenriesen wie Google und Amazon zu sein. Mit viel Tamtam war Libreka Anfang 2009 online gegangen. Der Verkauf von E-Books stand allerdings zunächst gar nicht im Vordergrund. Zunächst nur war die Plattform lediglich als Recherche-Instrument nutzbar, mit der Möglichkeit, seitenweise in Online-Versionen lieferbarer Bücher hineinzuschnuppern. Die Angst vor großen Playern wie Amazon führte dann recht schnell zur Neuaufstellung als vollwertiges E-Book-Portal. Für die meisten Leser blieb Libreka aber eine eher unbekannte Größe, das E-Book-Angebot war eher schmal, besonders benutzerfreundlich sah die Seite auch nicht aus. So werden viele E-Leser das Ende von Libreka, wie wir es kannten, wohl kaum bedauern, denn eingekauft haben sie meist woanders.

Unabhängiges deutsches „iTunes für Bücher“ ist nicht in Sicht

Schade ist es allerdings um die Idee, die da vertan wurde. Denn ein unabhängiges deutsches „iTunes für Bücher“ würde dringend gebraucht. Natürlich eins, das massentauglich ist und wirklich funktioniert. Die großen Player wie Apple, Amazon oder Google könnten sonst auch in Deutschland zu den wichtigsten Gatekeepern des elektronischen Buchhandels werden, und sich einen gehörigen Teil am Umsatz sichern. Wie gut unabhängige Vermarktungsstrategien sind, beweist nicht zuletzt die Entwicklung in Frankreich: dort haben die großen Verlage mit 1001libraires.com ihre eigene E-Book-Plattform gegründet – Ende Oktober soll sie an den Start gehen. Das deutsche Vorbild Libreka dagegen gibt sich in Zukunft mit einer Zuliefererfunktion zufrieden – und sorgt für Content auf iBooks oder im E-Store von Barnes&Noble. Auch auf diesem Sektor gibt es jedoch immer mehr Konkurrenz. So gab etwa pünktlich zur Buchmesse MediaControl mit Ceebo den Start einer „neutralen“ E-Book-Download-Plattform bekannt, die sich an Buchhändler ebenso wie Verlage richtet.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".