Libre Digital kündigt E-Book-Technologie „All Access“ an – neue Konkurrenz für epub?

„All Access“ – so etwas wie „Zugang für alle“ verspricht Libre Digital mit seiner neuen E-Book-Technologie. Der offene Ebook-Standard epub bekommt damit starke Konkurrenz – denn das amerikanische E-Publishing-Unternehmen plant offenbar eine plattformunabhängige E-Book-Lösung, die verschiedenste mobile Lesegeräte vom Kindle bis zum iPhone unterstützt, aber auch das Lesen am Desktop-PC.

„Wer E-Books kauft, möchte sie auf jedem Gerät lesen können“

Die neue „Content Delivery Plattform“ soll es ermöglichen, allen Marktteilnehmern – ob Verlagen, Buchhändlern oder den Autoren selbst – die gewünschte Lektüre als E-Book zugänglich zu machen – ob auf dem Desktop, einem Mobiltelefon oder einem E-Reader. „Wenn Kunden ein E-Book kaufen, dann wollen Sie die Möglichkeit haben, auf dem Geräte ihrer Wahl zu lesen“, so Russell P. Reeder, Vorstandschef von Libre Digital. Bekannt geworden ist das us-amerikanische Unternehmen durch Software-Lösungen wie dem BookBrowse-Widget, das E-Book-Stores von Verlagen wie Simon&Schuster oder Hachette eine virtuelle Buchvorschau zur Verfügung stellt. Zeitungen wie New York Times oder Washington Post nutzen dagegen das von Libre Digital entwickelte iBrowse-Feature, um ihre Printausgabe im Original-Layout online zugänglich zu machen. Auch bei „All Access“ soll die Lesequalität unabhängig vom jeweils gewählten Gerät und der verfügbaren Display-Größe möglichst hoch sein.

All Access zum ausprobieren – mit dabei sind iPhone & Kindle, aber auch der Sony Reader

Ein erster Großversuch mit „All Access“ läuft momentan im Rahmen des Texas Book Festival – Besucher der Festival-Website können Leseproben von Titeln der dort auf dem Programm stehenden Autoren herunterladen. Als Optionen können Sie wählen zwischen: „Send to my iPhone“, „Send to my Kindle“, „Download for Sony Reader“, „Download to Desktop“ sowie „View in Web-Browser“. Ähnliche Pläne wie Libre Digital verfolgt die Konkurrenz: mit Google Editions plant der gleichnamige Suchmaschinenriese ab 2010 den Einstieg ins E-Book-Geschäft – das gab Google-Managerin Amanda Edwards im Oktober auf der Konferenz „Tools of Change“ bekannt. Verlage können künftig ihre E-Books direkt via Google vertreiben. Die bibliographischen Daten sollen über die Google-Suche und auszugsweise in der Google Bücher-Suche auffindbar sein. Von dort ist eine Bestellung möglich – entweder direkt über Google, über die Verlagswebsite oder über ausgewählte Händler. Reagiert auf den neuen Trend „Alles für alle“ hat aber auch Amazon – denn die neue Kindle-Software für Microsoft PCs ist der erste Schritt in Richtung Plattformunabhängigkeit. Das zeigt vor allem schon mal eins: Für die Kunden ist die neue Marschrichtung auf jeden Fall von Vorteil – denn am Ende werden die Content-Lieferanten wirklich jedes Gerät bedienen müssen, wenn sie am Ball bleiben wollen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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