„Libraries are screwed“: E-Books & das Ende der Bibliotheken, wie wir sie kennen

ebooks-libraries-are-screwedDen Begriff „Tipping Point“ bzw. „Kipppunkte“ kennt man ja vor allem aus den Katastrophen-Szenarien der Klimaforscher. Aber auch für das Schicksal der Gutenberg-Galaxis bürgert sich der Begriff langsam ein, speziell: für die Bibliotheken. In den USA scheint dieser Kipp-Punkt mittlerweile schon greifbar zu sein, in wenigen Jahren schon könnte ein Viertel oder sogar die Hälfte aller Titel als E-Book unterwegs sein. Auf der virtuellen Konferenz „ebooks: Libraries at the Tipping Point“ im Herbst 2010 wurden teilweise düstere Zukunftsszenarien gehandelt. Zu Wort kamen dort digitale Apostel à la Ray Kurzweil („The Singularity is near“) oder Kevin Kelly („What technology wants“), aber auch gestandene Bibliothekare wie Eli Neiburger -- dessen sehenswerter Vortrag unter dem Titel „Libraries are screwed“ mittlerweile einige Berühmtheit erlangt hat (siehe die zweiteilige Youtube-Version weiter unten).

„Wenn es keine Bibliotheken gäbe, würde man ihre Einrichtung nicht mehr erlauben“

„The brand of the library is books“, so Neiburger, doch gedruckte Bücher werde es in naher Zukunft nicht mehr geben, wie überhaupt die Zirkulation von „physischen“ Informationsträgern den Kipppunkt erreicht hätte -- ab jetzt geht’s bergab. Doch wenn Bücher so obsolet werden wie Kerzen, Vinylschallplatten oder Schreibmaschinen (immerhin Produkte, für die es noch einen bescheidenen Markt gibt), wie soll dann das Geschäftsmodell von Bibliotheken in Zukunft aussehen? Die ortsgebundene analoge Lektüre ist ein Auslaufmodell, der universellen elektronischen Zugänglichkeit stehen die Interessen der Rechteverwerter entgegen. „Wenn es Bibliotheken nicht bereits gäbe, würde man ihre Einrichtung heutzutage nicht mehr erlauben“, ist sich Neiburger sicher. Die öffentlichen Bibliotheken müssen also andere Wege finden, ihre Existenz zu rechtfertigen -- etwa den Wert, den sie für das kulturelle Leben & die kulturelle Identität ihrer Kommune haben. Wie wär’s z.B. als „host for unique content“? Den muss man natürlich erstmal (er)finden…

(via teleread.org & go-to-hellman)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".