Der Zorn des Korgh – Klaus Seibel, Die dunkle Seite des Erbes [Leseprobe]

dunkle-seite-des-erbesEs begann mit einer uralten Schraube auf dem Mond, zufällig entdeckt durch einen NASA-Rover. Die Spur führte zu gezielt platzierten Artefakten der ersten Menschheit, ausgestorben durch einen Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren. Die heutige Menschheit hat in Klaus Seibels Serie „Das Erbe der ersten Menschheit“von diesem künstlichen Baum der Erkenntnis ausgiebig gekostet, und mit der fortgeschrittenen Biotechnologie aus der Vergangenheit die „Lantis“ wiederauferstehen lassen. Neben Yra, die ebenso gutmütige wie grünhäutige Frau mit telepathischen Fähigkeiten trat in Teil 2 („Die erste Menschheit lebt“) ein zweiter Lanti namens Korgh. Yras böswilliger Gegenspieler nutzt die Differenzen zwischen den Supermächten, die das Erbe der Lantis verwalten, und verlässt mit chinesischer Hilfe Lantika, die neu entstandene Wissenschaftsstadt in der nordafrikanischen Wüste. Doch in Teil 3 („Die dunkle Seite des Erbes“) müssen die neuen Freunde, aber auch die Amerikaner bald erkennen: Korgh verfolgt ganz eigene Pläne. Will der wiederauferstandene Lanti mit Hilfe der Lanti-Technologie selbst eine neue Supermacht aus dem Boden stampfen? Unsere Leseprobe führt an den Beginn der Handlung – mehr über Korghs Pläne verrät die Blick-ins-Buch-Optionim Kindle Shop.

Klaus Seibel: Die dunkle Seite des Erbes

1. NSA-Hauptquartier in Lantika
Das Gebäude sah belanglos aus, ein Materialschuppen wie viele andere auf dem militärischen Bereich des Flughafens von Lantika. Die Planer kannten anscheinend nur die Form eines Schuhkartons, der sich von der gelbbraunen Umgebung auch durch die Farbe nicht abhob.
General Myers steuerte seinen Wagen direkt darauf zu, während er ununterbrochen Befehle in sein Headset sprach. Myers besaß wesentlich mehr Kompetenzen, als Anne vermutet hatte. Nur einmal hatte es eine kurze Diskussion gegeben, als er einen Flottenverband auf einer Fahrt zu einem geplanten Manöver mit Südkorea wenden lassen wollte. Sie sollten den Punkt im Indischen Ozean ansteuern, an dem das Flugzeug von General Haishan von den Radarschirmen verschwunden war. Haishan war Myers‘ chinesisches Gegenstück, aber nicht der Grund, warum Myers nicht nur den Flottenverband, sondern ein gutes Dutzend weiterer Schiffe in den Indischen Ozean beorderte. Der wirkliche Grund war Korgh.
Nach Yra war Korgh der zweite Lantis, den man aus einer Genschablone der Lantis erschaffen hatte. Myers hatte Yra gehen lassen müssen, umso wertvoller war Korgh für ihn. Außer einer kleinen Gruppe Eingeweihter wusste niemand davon. Und dann war der Lantis aus dem geheimen Labor entkommen und hatte sogar noch wichtiges Gerät mitgehen lassen.
Ob Myers jetzt von der Gefährlichkeit Korghs überzeugt war, wusste Anne nicht. Sie hatte Myers gewarnt, aber der hatte sie nicht ernstgenommen. Was sollte ein kleiner, nackter, grüner Lantis, der vollkommen allein und ohne Ressourcen war, schon gegen die mächtige NSA ausrichten? Und dann hatte er sie doch alle überlistet.

Gerade sprach Myers mit dem Kommandeur des amerikanischen Stützpunkts auf Guam. Alle verfügbaren Flugzeuge sollten das Gebiet um die Absturzstelle absuchen, unterstützt durch mehrere Spionagesatelliten.
Anne saß neben Yra im Fond des Wagens. Sie hielten sich an der Hand und Anne versuchte so gut wie möglich, Yra zu erklären, was Myers in die Wege leitete. Sie tat es auf ihre spezielle Weise über einen direkten körperlichen Kontakt zu Yras Nervensystem. Das ging einfach schneller und war vor allem unauffälliger. Myers musste nicht wissen, dass sie auf diese Art kommunizieren konnten. Auf dem Beifahrersitz saß Walter Bullrider. Er schwieg, aber Anne wusste, dass auch er auf jedes Wort von Myers achtete. Die beiden kannten sich von früher, waren aber unterschiedliche Wege gegangen. Seit dem Walter herausgefunden hatte, wie sehr Myers ihn und seine Umgebung manipulierte, war das Verhältnis alles andere als freundschaftlich. Charlotte Fuller, Myers‘ rechte Hand, war im Labor geblieben, überwachte die Spurensicherung und wartete darauf, dass die kurzzeitig gelähmt herumliegenden Wissenschaftler aufwachten.
Vor dem Gebäude standen vier Soldaten lässig in einer der wenigen schattigen Stellen herum, als ob sie gerade Pause hätten, wie man es vor einem bedeutungslosen Lager öfter sah. Als sie Myers‘ Wagen erkannten, verschwand die Lässigkeit. Sie passte auch gar nicht zu der schweren Bewaffnung, die Anne jetzt aus der Nähe erkennen konnte.
Myers parkte seinen Wagen unmittelbar vor dem Eingang, die Soldaten salutierten.
Myers sagte nur: „Alle durchlassen. Sie gehören zu mir.“

Anne, Yra und Walter folgten ihm ins Gebäude. Anne konnte die Verwunderung der Soldaten förmlich spüren. Zivilisten wurden hier selten gesehen, und dann auch noch eine solche Gruppe wie die Drei. Walter besaß zwar die Statur eines Elitesoldaten, aber mit seinem Hawaii-Hemd, der Baseballkappe und den Shorts wirkte er wie ein harmloser Tourist. Anne hatte sich dieser Verkleidung angepasst und spielte die Ehefrau, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter einen Urlaub in Lantika verbrachten. Allerdings war der vermeintliche Teenager grün. Yra hatte auf die Tarnung durch dick aufgetragene Theaterschminke verzichtet und zeigte sich in der Farbe, die ihre Haut nach der Behandlung mit Chlorophyllgenen angenommen hatte.
Damit musste auch dem letzten Soldaten klar sein, dass es sich bei den Dreien keinesfalls um eine gewöhnliche Touristenfamilie handelte. Eine Lantis war nicht normal, auch in Lantika nicht. Am Ausdruck in ihren Gesichtern sah Anne, dass die Soldaten jetzt auch sie und Walter erkannten. Ihre Fotos waren unzählige Male in allen wichtigen Medien der Welt erschienen. Jeder wusste, dass sie die entscheidenden Personen waren, denen die Menschheit das Erbe der Lantis verdankte.
Die Blicke der Soldaten folgten ihnen, bis sie die Tür durchschritten.
Auch von innen wirkte das Gebäude wie ein gewöhnliches Materiallager. Fenster gab es keine, an den Wänden und mitten im Raum standen deckenhohe Regale, voll mit Kisten und Fässern. Die Beschriftung bestand ausschließlich aus Zahlen-Buchstaben-Kombinationen, aus denen Anne nicht auf den Inhalt schließen konnte. Wenn überhaupt etwas darin war und die Kisten nicht nur zur Tarnung hier herumstanden.

Myers ging zielstrebig den zweiten Gang bis nach hinten durch. Er zog eine Karte durch einen Schlitz und öffnete die Tür. Der Raum, den sie dann betraten, hätte auch im Keller einer Bank sein können, die rechte und die linke Seite bestanden nur aus Schließfächern.
Myers öffnete eines der Fächer. „Legen Sie alle elektronischen Geräte und metallischen Gegenstände hier hinein!“
Walter und Anne besaßen eine Smartwatch, Yra hatte keine Uhr. Als Myers das Fach zurückschob, hörte Anne ein leises Klicken. Ohne Myers würden sie ihre Geräte wohl nie wieder sehen.
Anne spürte einen Luftzug.
Sie prüfen die Luft auf Sprengstoffpartikel und Spuren von Giftstoffen.
„Kann man von Misstrauen eigentlich krank werden?“, fragte Walter.
Myers ignorierte ihn. Er beschäftigte sich mit Iris-Scanner, Handflächen-Scanner und Stimmerkennung. Erfolgreich, denn die Rückwand des kleinen Raums glitt zur Seite.
Myers drehte sich zu den Dreien um. „Was Sie gleich sehen werden, ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht.“
Er trat vor Anne und fixierte sie mit seinem Blick. „Damit meine ich ganz besonders Sie, die die Öffentlichkeit so lieben. Ich kann es nicht leiden, damit erpresst zu werden.“
Anne hielt seinem Blick stand. „Ich tue nur, was nötig ist, und für hier habe ich Ihnen zugesagt zu schweigen. Dann werde ich mich auch daran halten. Im Übrigen sollten wir uns beeilen, Korgh wird nicht in der Sonne liegen und faulenzen.“
Myers nickte und sagte laut: „Abwärts!“
Die Wand schloss sich, die Kabine, in der sie sich offensichtlich befanden, bewegte sich nach unten.
Wie weit es in den Untergrund ging, konnte Anne nicht feststellen. Vom Gefühl her waren es zehn Meter, aber es konnten auch mehr sein.
Unten wurden sie von neuen Wachen empfangen. Als sie Myers erkannten, nahmen sie Haltung an.
„Willkommen, Sir!“
„Danke. Besondere Vorkommnisse?“
„Nein, Sir.“
„Folgen Sie mir!“, sagte er zu Anne, Yra und Walter.

Sie kamen an weiteren Aufzügen entlang, die in tiefergelegene Abschnitte führten, rechts und links zweigten Seitengänge ab.
„Hat die NSA ganz Lantika unterkellert?“, fragte Anne, aber Myers reagierte nicht darauf.
Am Ende des Hauptgangs glitt eine Tür zur Seite. Vor ihnen lag ein Raum, groß wie eine Turnhalle, er erinnerte Anne an die Steuerzentrale der ESA. Die Front war komplett mit Bildschirmen ausgefüllt, davor standen Arbeitsgruppen mit weiteren Monitoren. Myers steuerte auf eine Art Leitstand zu, der etwas erhöht lag und von dem aus man alles überblicken konnte.
„Das Allerheiligste der NSA“, flüsterte Walter. „Myers muss verstanden haben, dass die Sache mit Korgh ernst zu nehmen ist.“
„Briggs, zeigen Sie mir die letzten zwanzig Minuten des Fluges von Haishans Flugzeug. Die ersten zehn Minuten im Zeitraffer.“
Der Mann am Hauptbildschirm des Leitstands machte einige Eingaben. Ein schwarzer Bildschirm erschien, auf dem mit dünnen, weißen Linien die Umrisse des Festlands eingezeichnet waren. Anne erkannte die Arabische Halbinsel mit dem Horn von Afrika darunter. Auf der anderen Seite war die Küste des indischen Subkontinents zu sehen. Überall verstreut gab es kleine Punkte, die, wenn man genau hinsah, sich langsam bewegten.
„Blenden Sie alle anderen Flugzeuge aus und zoomen Sie so nah ran wie möglich.“
Ein Klick, und die Punkte verschwanden. Die Küstenlinien Afrikas und Arabiens wanderten nach links, die Indiens nach rechts. Übrig blieben ein schwarzes Nichts und zwei verwaschene Punkte. Sie näherten sich, bis sie zu einem einzigen Punkt verschmolzen.
„Keine optische Erfassung?“, fragte Walter.
„Eine geschlossene Decke aus Cirruswolken“, sagte Briggs. „Wir hatten keine Veranlassung, einen tieffliegenden Satelliten einzusetzen. Deshalb gibt es auch keine Infrarotbilder. Das Einzige, das wir haben, sind diese Radaraufnahmen, und die sind schon aufbereitet.“
Die verschmolzenen Punkte trennten sich wieder. Der etwas größere Fleck entfernte sich Richtung Nordosten, der kleinere bewegte sich nur wenig. Schließlich stand er still und wurde schwächer.
Briggs blendete Zahlen ein, die schnell kleiner wurden. Bei fünfhundertsechsundsiebzig blieben sie stehen.
„Was bedeutet das?“, fragte Anne.
„Das sind die Höhenmeter, die unser Satellit gemessen hat. Die Anzeige ist stehengeblieben, als der Satellit kein Signal mehr erfassen konnte.“
„Weil es zu schwach war, oder weil das Flugzeug explodiert ist?“
Briggs drehte sich um und sah sie an. „Wahrscheinlich, weil es zu schwach war, aber das andere kann man nicht ausschließen.“
„Kann man aus der Fallgeschwindigkeit und den Eigenschaften von Haishans Flugzeug schließen, ob es abgestürzt ist, oder ob sie uns nur ausgetrickst haben?“
Briggs rieb sich mit einem Finger an der Nase. „Schwer zu sagen. Falls sie uns austricksen wollten, können sie den Flieger nicht schon bei fünfhundert Metern abgefangen haben. Sie wissen ja nicht, wann wir kein Radarsignal mehr auffangen. Aber darunter …? Ein normaler Flieger hätte die Kurve nicht mehr gekriegt, aber Haishan hat keinen normalen Flieger. Er verfügt über das Beste, was die Chinesen zu bieten haben. Emissionsarme Triebwerke, Antiradarbeschichtung, weshalb wir gerade mal schwache Flecken sehen, keinerlei automatisiert abgesetzte Positionsdaten. Einfach nichts, was uns helfen würde. Eine gut getarnte Militärmaschine eben. Über die tatsächlichen Flugeigenschaften in Extremsituationen wissen wir nichts.“
„Aber Sie wissen, dass es Haishans Flugzeug war?“
Briggs drehte sich wieder zu seiner Konsole. Das Bild zoomte zu einem größeren Ausschnitt. Eine unterbrochene Linie erschien, die von Lantika bis zu dem Punkt über dem Indischen Ozean führte, an dem sie die Maschine zum letzten Mal geortet hatten.
„Über der Sahara gibt es deutliche Lücken“, sagte er. „Auf den Luftverkehrsstraßen ist die Überwachung okay, aber daneben …“
„Verstehe“, sagte Anne. „Haishan ist nicht auf den allgemeinen Strecken geflogen, und wegen der Tarnung seiner Maschine hat man ihn nur gelegentlich auf dem Schirm gehabt. Theoretisch könnte er also auch schon über der Sahara abgebogen sein, während ein anderes Flugzeug eine falsche Spur gelegt hat.“

Briggs schien dieser Gedanke nicht zu gefallen. Er sah zu Myers hinüber, der mit ausdruckslosem Gesicht der Diskussion folgte.
„Die Wahrscheinlichkeit dafür ist äußerst gering“, sagte Briggs. „Die tatsächliche Flugzeit stimmt exakt mit der rechnerischen Flugzeit überein. Außerdem wäre das Flugzeug dann irgendwo nördlich oder südlich der Sahara aufgefallen. Da wird die Überwachung wieder dichter.“
„Dass die Flugzeit übereinstimmt, ist kein Argument“, sagte Anne. „Sowas gehört zu einem vernünftigen Plan. Und über Wahrscheinlichkeiten können wir gerne diskutieren. Wenn Sie auf der Flucht sind und Feinden entkommen wollen, würden Sie dann immer den wahrscheinlichsten Weg nehmen?“
„Nein“, gab Briggs zu.
„Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, spielt kaum eine Rolle. Es gibt sie jedenfalls, und sie scheint mir größer als die Wahrscheinlichkeit, dass ein einsamer, kleiner Lantis aus einem militärisch gesicherten Labor ausbricht.“
Myers verstand diese Andeutung als Wink, sich einzumischen. „Was wissen wir über Haishans Flugzeug? Wie weit kann es mit vollem Tank fliegen?“
Briggs holte ein Datenblatt auf den Schirm. Myers und die anderen überflogen die Angaben.
„Zu weit“, sagte Myers. „Auch wenn wir keine genauen Daten haben, wissen wir, dass Haishan beim Hinflug nach Lantika nonstop von Beijing aus geflogen ist.“
Walter deutete auf einen Bildschirm, auf dem sich ein Globus langsam drehte. „Mit anderen Worten: Er könnte jeden Fleck auf diesem verdammten Planeten erreichen, außer vielleicht Hawaii und Australien.“
Für einen Moment war es still.
„Er ist dir entwischt“, sagte Yra zu Myers. „Etwas anderes hätte ich von Korgh auch nicht erwartet.“
Myers sah sie missbilligend an.
Yra zuckte mit den Schultern, drehte sich um und ging auf die Stufen zu, die vom Leitstand herunter führten.
„Wo wollen Sie hin?“, fragte Myers.
„Mich umsehen, mir ist langweilig.“
Myers schwieg verblüfft, solche Antworten war er nicht gewohnt. Sein Gesicht wurde eine Nuance dunkler.
Bevor er etwas sagen konnte, griff Walter ein. „Lass sie! Sie wird sich niemals einem Befehl unterordnen. Du kannst nur verlieren. Sie braucht dich nicht, aber du brauchst sie.“
Myers‘ Kiefer mahlten. „Mir gefällt es nicht, dass sie hier einfach so herumläuft.“
„Was sollte sie anrichten? Das Wesentliche hat sie schon gesehen, und den Rest …“ Walter deutete auf den Monitor mit Korghs möglicher Fluchtroute. „Yra wird dir bestimmt nicht entwischen und zu den Chinesen überlaufen. Wir haben wichtigere Probleme als eine gelangweilte Lantis.“
Myers sah Yra hinterher und dann Anne und Walter an. „Ich würde euch am liebsten alle rauswerfen lassen.“
„Du hast uns nicht hierhin mitgenommen, weil wir dir sympathisch sind, sondern weil du unsere Unterstützung willst.“
„Bei der nächstbesten Gelegenheit werde ich das Rauswerfen nachholen.“
Walter zuckte lässig mit den Schultern. „So viel Mühe musst du dir gar nicht machen, wir würden sogar freiwillig gehen. Aber bis es so weit ist, lass uns den ausgebüxten Lantis einfangen.“
Myers sog hörbar die Luft ein.
„BRIGGS!“
Briggs hatte so getan, als würde er irgendetwas an seinen Kontrollen arbeiten, aber es war ziemlich offensichtlich, dass er die Diskussion aufmerksam verfolgte.
Er zuckte zusammen.
„Ja, Sir?“
„Sie werden alles vergessen, was Sie gehört haben. Haben Sie das verstanden?“
„Jawohl, Sir!“

Yra hatte den laut gewordenen Myers gehört. Sie sah zum Leitstand herauf – und winkte.
Anne kannte Yra sehr gut, trotzdem wusste sie nicht, ob Yra einfach so war, oder ob sie ab und zu ganz bewusst etwas anstellte, was aus dem Rahmen fiel.
„Lantis-Pack“, schimpfte Myers leise.
Aber Walter hatte es gehört. „Du konntest es nicht erwarten, dir einen eigenen zu erschaffen.“
„Du bist auch nicht besser. Ich hätte dich doch ruinieren sollen, anstatt dir durch meine beste Agentin eine Karriere zu verschaffen.“
„Zu spät“, sagte Walter.
„Mir wird was Neues einfallen.“ Myers sah auf den virtuellen Globus. „Briggs, geben Sie alle Infos an unsere Jungs in Fort Meade. Die sollen die Air Force, die Navy und alles, was wir haben, dransetzen, um einen Hinweis auf Haishans Flugzeug zu finden. Sie sollen auch die Daten von Eurocontrol anzapfen. Dann leiten Sie die Namen von allen Personen weiter, die wir in Haishans Flugzeug vermuten. Wenn einer davon irgendwo auf der Welt auftaucht, will ich das sofort wissen. Starten Sie das volle Programm. Gesichtserkennung, Stimmerkennung, Bewegungsmuster. Über alle sozialen Medien, Webcams und Überwachungskameras.“
„Ich bin dafür, die Sache öffentlich zu machen“, sagte Anne. „Die Gefahr ist zu groß, als dass wir irgendetwas unversucht lassen sollten.“
Myers sah Anne an, als zweifelte er an ihrem Verstand. „Öffentlich? Definitiv nein! Soll ich im Fernsehen verbreiten lassen, dass ein wildgewordener Lantis durchgebrannt ist? Einer, der vielleicht ein Massenmörder ist? Und der die Weltherrschaft an sich reißen will?“
„Man könnte es geschickter formulieren …“
„Nein! Wenn Sie auf Öffentlichkeit bestehen, ist unsere Zusammenarbeit sofort beendet.“ Er sah Anne herausfordernd an.
„Okay. Wir werden sehen, wie weit Sie kommen.“ Anne war zwar anderer Meinung als Myers, aber sie konnte ihn nicht zwingen. Und zusammenarbeiten mussten sie, wenn sie Korgh stoppen wollten. Anne hatte einen Sekundenbruchteil in Korghs Innerstes sehen können, als sie Yras Gedächtnis nach ihm durchforscht hatte. Was sie dort gesehen hatte, jagte ihr jedes Mal Schauder über den Rücken, wenn sie daran dachte. Und sie dachte oft daran. Myers ahnte nicht, welches Monster er in seinem Labor erschaffen hatte.

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Copyright Cover & Leseprobe: Klaus Seibel
Publikation mit frdl. Genehmigung des Autors.

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Klaus Seibel, Die dunkle Seite des Erbes
E-Book (Kindle Shop) 2,99 Euro
Taschenbuch (Createspace) 8,99 Euro

Hinweis: Klaus Seibel ist Mitglied unserer Redaktion, Gastgeber der Indie-Lounge und mit seinem Label “Seibel Digital” Medienpartner von E-Book-News.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".