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Comeback nach 65 Millionen Jahren – Klaus Seibel, Das Erbe der ersten Menschheit [Leseprobe]

4 Feb 2015

erbe-der-ersten-menschheitErst war es nur eine uralte Schraube auf dem Mond, zufällig entdeckt von einem NASA-Rover. In einem globalen Wettlauf bemühen sich die Supermächte, das Artefakt zu bergen, mitten drin ist Anne Winkler, eine junge Astrophysikerin bei der ESA. Als Teil eines internationalen Teams fliegt sie zum Erdtrabanten, und macht eine unglaubliche Entdeckung. Klingt wie der Plot eines Sci-Fi-Thriller aus den USA, stammt aber aus der Feder des deutschen Bestseller-Autors Klaus Seibel. Sein Roman „Krieg um den Mond“ war der Auftakt zu einer neuen Sci-Fi-Serie. In Teil zwei – “Das Erbe der ersten Menschheit” – kehrt Anne Winkler auf den Mond zurück. Dort wartet weitaus mehr als nur eine Schraube. Die prähistorische Zivilisation der “Lantis”, vor 65 Millionen Jahren durch einen Meteoriten ausgerottet, hat in einem Mondkrater Zeitkapseln versteckt, die zahlreiche technische Apparaturen enthalten. Doch die Bergung gerät in Gefahr, als eine der Maschinen ungewollt aktiviert wird… Unsere Leseprobe führt direkt an den Beginn der zweiten Mondmission, noch etwas mehr verrät die „Blick ins Buch“-Option im Kindle-Shop.

Klaus Seibel: Das Erbe der ersten Menschheit

1. Kapitel

„Wenn Sie sich in eine fremde Umwelt begeben, müssen Sie sich in Ihrem Verhalten und vor allem in Ihrem Denken darauf einlassen.“
Dr. Anne Winkler drückte auf einen Knopf und die nächste Folie ihrer Präsentation erschien. Die Studenten sahen an der Stirnwand des Vorlesungsraums ein riesiges Foto. Es zeigte einen vermummten Mann, der neben einem umgebauten Geländewagen mit riesigen Reifen stand. Dahinter breitete sich eine endlos scheinende Eisfläche aus mit Bergen im Hintergrund.
„Nehmen wir an, Sie planen eine Expedition in die Antarktis. Dort ist es kalt. Also sagen Sie sich, dass Sie vor allem warme Kleidung einpacken müssen, um sich gegen die extreme Kälte zu schützen.“
Während Anne redete, ging sie vor den Studenten auf und ab. Die Blicke folgten ihr, vor allem die Blicke der jungen Männer. Anne schmunzelte. Es hatte sich nichts geändert. Vor etwas mehr als zehn Jahren hatte sie selbst noch mitten unter Studenten gesessen und auch einen Dozenten angehimmelt. Jetzt stand sie vorne und unterrichtete angehende Astronauten. Es waren vorwiegend Männer, um so mehr stach sie als weibliches Wesen heraus. Anne war zwar mehr als zehn Jahre älter als der Durchschnitt, was aber kaum auffiel. Sie hatte sich angewöhnt, am Fitnesstraining der Astronauten teilzunehmen und war entsprechend gut in Form.
Anne musste nicht mehr nachdenken, was sie sagen sollte, denn sie hatte diese Vorlesung schon oft gehalten. „Wenn Sie nun losziehen, schön warm eingepackt und mit ihrer gewohnten Ration an Essen und Trinken, was wird dann passieren? Sie werden nie wiederkommen. Jeder Atemzug, den Sie hier kaum spüren, bedeutet in der Umwelt der Antarktis eine Höchstleistung für Ihren Körper. Er muss die Luft von minus dreißig Grad auf plus 37 Grad bringen, und zwar in Sekunden und mehr als tausend Mal in jeder Stunde. Das ist eine enorme Heizleistung, die Ihre Energievorräte sehr schnell schrumpfen lässt. Dazu kommt, dass die Luft, die Sie einatmen, keinerlei Feuchtigkeit enthält, die Luft die Sie ausatmen aber jede Menge. Diese Feuchtigkeit kommt nicht aus dem Nichts. Sie müssen jeden Tropfen vorher trinken. Wenn Sie nicht viel mehr essen und trinken, als Sie es gewohnt sind, können Sie so warm angezogen sein, wie Sie wollen – Sie werden verhungern oder vertrocknen. Robert F. Scott trug bei seiner Antarktis-Expedition in sein Tagebuch ein: Großer Gott! Dies ist ein schrecklicher Ort.“
Anne blieb stehen, drehte sich zu den Studenten und wartete, bis ihr alle in die Augen sahen. „Sie wollen nicht in die Antarktis, Sie wollen auf den Mond. Ich kann Ihnen versichern, gegenüber dem Mond ist die Antarktis eine gemütliche Kuschelecke.“
Stille breitete sich aus.
„Wenn Sie nicht schaffen, das in Ihrem Denken zu realisieren, werden Sie erst gar nicht fliegen, oder, falls doch, werden Sie nicht zurückkommen.“
Fagott meldete sich. Er hieß eigentlich Jochen Schweitzer, aber alle nannten ihn nur Fagott, weil er so dünn war und tatsächlich Fagott spielte. Er wirkte immer etwas geistesabwesend, außer wenn Anne vor ihm stand, wie gerade jetzt.
„Ja bitte?“
Fagott räusperte sich. „Frau Dr. Winkler, wie sind Sie überhaupt auf das Konzept des „mondisch Denkens“ gekommen?“
Ein Raunen ging durch die Reihen. Die Antwort konnte man doch überall im Internet nachlesen und erst recht stand es in Annes Buch, das zur Standardvorbereitung des Kurses gehörte.
Anne beugte sich zu Fagott herunter und stützte sich mit den Händen auf der Tischplatte ab.
„Herr Schweitzer, wenn Sie wissen, dass Sie ohne eine gute Idee nur noch zwanzig Minuten Leben werden, dann glauben Sie gar nicht, wie schnell und kreativ selbst Sie dann denken werden.“
Die anderen Studenten lachten, aber dann wurde ihnen bewusst, dass das nicht nur einfach so dahergesagt war. Ihre Dozentin hatte es genau so erlebt.
Anne richtete sich wieder auf und klatschte zweimal in die Hände. „Fertig für heute. Bis zur nächsten Vorlesung stellt jeder fünf Punkte zusammen, was er bei einem Einsatz auf dem Mond an besonderen Umweltbedingungen zu beachten hat.“
Fagott sah sie zweifelnd an.
„Und wenn einer nur vier Punkte hat, lasse ich ihn den Kurs einer Sonde zum Pluto berechnen.“
Als Anne hinter ihren Studenten den Seminarraum verlassen wollte, stellte sich ihr ein Mann in den Weg.

2. Kapitel

Eine Zehntelsekunde, und Anne wusste, dass ihr dieser Mann unsympathisch war. Er war etwa in ihrem Alter, also Mitte dreißig, trug einen dunkelblauen Anzug mit korrekt sitzender Krawatte und dazu ein falsches Lächeln im Gesicht. Am meisten störte Anne der kaum sichtbare Ohrhörer.
Ein Agent, dachte Anne sofort und trat einen Schritt zurück. Ihre Erfahrungen mit Agenten hatten ihr gereicht, mehr brauchte sie nicht.
„Frau Doktor Anne Winkler?“
„Was wollen Sie?“
„Ich soll Sie abholen. Bitte folgen Sie mir.“
„Ich folge Ihnen keinen Schritt, wenn Sie mir nicht sagen, wohin ich gehen soll und warum.“
Anne blickte ihn kühl an und der Mann schien zu spüren, dass er so nicht weiterkam. Sie ließ sich weder überrumpeln noch einschüchtern. Sein Gesichtsausdruck wurde eine Spur verbindlicher.
„Ich soll Sie zu einem Meeting abholen. Ihr Chef, Dr. Bardouin, wird auch dabei sein.“
Das sollte Anne eigentlich beruhigen, tat es aber nicht.
„Wenn Dr. Bardouin mich sprechen wollte, könnte er mich einfach anrufen.“
„Das kann er Ihnen selbst erklären. Ich habe nur meine Anweisung, dass ich Sie holen soll, und zwar so schnell wie möglich. Wir werden das Gebäude nicht verlassen, falls Sie das beruhigt.“
Das tat es tatsächlich.
„Gehen Sie vor.“
Im Gebäude der ESA fühlte Anne sich sicher, aber diese Behandlung war sehr ungewöhnlich. Dieser Mann war nicht vom Sicherheitsdienst der ESA, die kannte Anne alle. Warum ließ Dr. Bardouin sie von einem Fremden abholen?
Es ging in einen Gebäudetrakt, den Anne nicht kannte. Er gehörte zu dem Komplex, der wegen der starken Ausweitung der Raumfahrtaktivitäten nach ihrem Fund auf dem Mond neu gebaut worden war. Zu Beginn eines neuen Gangs blieb der Mann stehen.
„Geradeaus bis zum Ende, dann die letzte Tür rechts.“
Anne ging allein weiter. An den Wänden hingen noch keine der sonst allgegenwärtigen Bilder von Weltraummissionen. Alles war jungfräulich weiß, die Namensschilder neben den Bürotüren waren leer.
Die letzte Tür rechts befand sich in einer etwa zwei Meter tiefen Nische. Davor stand ein Mann, der der Zwilling dessen hätten sein können, der Anne abgeholt hatte. Sie war offensichtlich per Funk angemeldet worden, denn er war weder überrascht, noch fragte er nach ihrem Namen. Er zeigte nur auf eine Ablage, auf der Handys lagen.
Damit man uns nicht abhören kann. Anne wusste um die Manipulationsmöglichkeiten und Gefahren von Handys. Trotzdem – sowas hatte es bei der ESA noch nie gegeben. Was ging hier vor? Die Antwort lag hinter dieser Tür, die der Mann jetzt für sie öffnete.

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Copyright Cover & Leseprobe: Klaus Seibel
Publikation mit frdl. Genehmigung des Autors.

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Klaus Seibel, Das Erbe der ersten Menschheit
E-Book (Kindle Shop) 2,99 Euro
Taschenbuch (Createspace) 8,99 Euro

Hinweis: Klaus Seibel ist Mitglied unserer Redaktion, Gastgeber der Indie-Lounge und mit seinem Label “Seibel Digital” Medienpartner von E-Book-News.