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“Lesen ohne Limit” – Auswertung der Blogparade zu “E-Publishing jenseits von DRM”

14 Mai 2013 3 Kommentare

Jedes Buch, an jedem Ort, auf jedem Gerät? Von wegen: Durch den flächendeckenden Einsatz von DRM bleibt das große Potential von E-Books bisher oft ungenutzt. Viele Verlage sagen: Tut uns leid, geht nicht anders. Doch es gibt auch immer mehr Gegenbeispiele, die zeigen: es geht sehr wohl auch ohne! Für uns ein Grund, rund um den “internationalen Tag gegen DRM” eine Blogparade zum Thema “Lesen ohne Limit” zu starten, Untertitel: “E-Publishing jenseits von DRM”. Wie zahlreiche Blogposts, Interview-Angebote, Retweets und Facebook-Empfehlungen zeigen, kam das Thema sehr gut an – allen TeilnehmerInnen und UnterstützerInnen sei an dieser Stelle schon mal herzlich gedankt! Die GewinnerInnen der ausgelobten Preise (darunter ein Büchergutschein des E-Book-News-Sponsors epubbuy.com) findet ihr am Artikelende – hier kommt erstmal ein Blogparaden-Überblick:

DRM bestraft die ehrlichen Kunden

Warum DRM von vorneherein eine schlechte Idee ist, schilderte Dennis Schmolk auf alles-fliesst.com: “DRM bestraft die Kunden, die Geld für Buchhandelsprodukte ausgeben, und hilft keinen Deut gegen die Praktiken von unehrlichen ‘Kunden’. Denn DRM-Maßnahmen, egal, ob im Kindle- oder iTunes-System verankert oder durch ADE aufgesetzt, lassen sich umgehen. “

Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Schmolk zudem von zahlreichen Problemen, die DRM den Kunden bereiten kann: “Die Software ist nicht komfortabel, sorgt für Supportbedarf und Frustrationen, behindert also sowohl die Verbreitung von eReading unter Lesern wie auch von Inhalten in sozialen Kanälen.”

Geld ausgeben für Inhalte sei durchaus okay, doch dann müssten es auch vollwertige Inhalte sein: “mindestens der Nutzungsumfang, den mir auch ein Printbuch bietet”. Deswegen laute die Devise: “Kein DRM! Nirgends!”

DRM schränkt Marktdynamik ein

Doch das ist leichter gesagt als getan. Ein Problem bei der Debatte pro und kontra DRM, so Fabian Kern auf dpc-consulting.org, sei die Überlagerung durch das Thema Urheberrechtsschutz – “mit entsprechender ideologischer und juristischer Aufladung des Diskurses”. Dabei werde jedoch übersehen, dass die Auswirkungen von DRM gar nicht im Interesse der Content-Anbieter liegen.

Denn DRM behindere die Marktentwicklung: “Wie sich am Beispiel der Musikindustrie deutlich gezeigt hat, ist erst seit der Abkehr von DRM-Mechanismen ein Markt mit einer Dynamik entstanden, der allen Beteiligten echte Entwicklungsmöglichkeiten von Angebotsformen und Vertriebsmodellen bietet.”

Oft hätten Piraten-Websites nicht nur ein breiteres Angebot an Titeln, sondern böten auch bessere Usability. Statt Zeit und Geld in DRM-Mechanismen zu investieren, sollten die Verlage deswegen lieber versuchen, “ein attraktives und preiswertes Angebot von Inhalten zu entwickeln.” Wer Kundenorientierung ernst nehme, solle sich bemühen, “das Produkt für den Kunden besser zu machen – und nicht schlechter”.

DRM & Bibliothken: Leser müssen draußen bleiben?

Am Ende geht es aber um weit mehr als nur Benutzerfreundlichkeit – DRM gefährdet auch die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Wissenschaft, schreibt Dörthe Böhner auf bibliothekarisch.de. Wenn nämlich “Inhalteanbieter (…) eine Nutzung nur noch zu ihren Bedingungen” zulassen würden, bestehe “auf Dauer (…) die Gefahr, dass unliebsame Kundengruppen ausgeschlossen werden, z.B. Bibliotheken, die gerne Ihren Nutzern einen Zugang zu den Inhalten gewähren wollen”.

Letzlich hätten Bibliotheken eben auch eine andere Zielrichtung als der Buchhandel, hier gehe es um mehr als nur ein Geschäftsmodell: “Öffentliche Bibliotheken sollen u.a. auch all jenen Zugang zu Informationen gewähren, die aus eigenen finanziellen Mitteln diesen nicht aufrecht erhalten können”. Eine weitere Aufgabe der Bibliotheken sei die dauerhafte Aufbewahrung von Büchern – doch gerade hier würden die durch DRM aufgebauten technischen Hürden genau das Gegenteil bewirken: “Langzeitarchivierung ade!”

“Armes kleines DRM – alle hacken auf dir rum”

Nach soviel DRM-Bashing darf man natürlich auch mal fragen: hat denn hier niemand Mitleid mit ihm? Immer nur feste druff? Ist das nicht total unfair? Zumindest Robert Goldschmidt auf Quo-vadis-Buch erbarmte sich: “Armes kleines DRM. Alle hacken auf Dir herum und kritisieren Dich. Dabei hast Du doch nur davon geträumt, mal ein richtiger Polizist zu werden.” Schon die Lehrer haben es mit der Pausenaufsicht beauftragt. Doch die bösen Buben wollen einfach nicht auf das kleine DRM hören: “Voll doof, dass Dich keiner mag und dabei gibst du Dir total viel Mühe”.

Was Self-Publisherinnen und VerlegerInnen sagen

Im Verlauf der Blogparade fand nicht nur der “International Day against DRM” statt, sondern auch ein ganz besonderes Jubiläum – der populäre Sci-Fi-Verlag Tor Books feierte die ersten 12 Monate ohne DRM, und zog eine positive Bilanz, nicht nur was das Image betrifft: “So wie es bisher aussieht, konnten wir bei unseren DRM-freien Titeln keinen Anstieg in Sachen Piraterie erkennen”.

Amerika, du hast es besser? Nicht nur: denn auch in Deutschland gibt es erste Verlage, die bewusst auf DRM verzichten, so etwa das Münchner Startup Dotbooks: “Harter Kopierschutz ist nicht nur teuer und ineffizient, er ist in meinen Augen auch ein gewaltiger Hemmschuh bei der Marktentwicklung in Richtung Digitalisierung”, so die Verlagsgründerin Beate Kuckertz im Interview mit E-Book-News.

Dass der Trend eindeutig weggeht von DRM, bestätigte uns im Rahmen der Blogparade auch Ralf Biesemeier, Geschäftsführer des Verlagsdienstleisters Readbox: “Man kann da eine typische Entwicklung beobachten: erst trauen sich wenige, die Early Adopter probieren es aus, berichten über ihre Erfahrungen auf Konferenzen und Branchentreffen, und dann springen immer mehr auf den Zug auf. ”

Für die meisten Self-Publisher ist DRM ohnehin kein Thema – sie lassen den lästigen Kopieschutz ganz bewusst weg. So auch Emily Bold: “Der Verzicht auf DRM liegt bei den meisten Self-Publishern darin begründet, dass diese sich mit der technischen Seite von eBooks und eReadern beschäftigen und daher auch um die Fallstricke der Technik wissen”, so die erfolgreiche Indie-Autorin im Interview mit E-Book-News, das den Schlusspunkt zur Blogparade bildete.

GewinnerInnen der Blogparade:

Platz 1: Fabian Kern (dpc-consulting.org)

— Gutschein für ein DRM-freies E-Book von epubbuy.com —

Platz 2 & 3: Dennis Schmolk (alles-fliesst), Dörte Böhner (bibliothekarisch.de)

— “Vom Buch zum Byte” – Print&E-Book-Bundle —

Außerdem hat uns aber auch Robert Goldschmidts Glosse “Armes DRM” so gut gefallen, dass wir als Sonderpreis nochmal “Vom Buch zum Byte” verschenken ;-)

Die GewinnerInnen wurden per E-Mail benachrichtigt.

Abb.: Flickr/Rachel Sian

3 Kommentare »

  • Alena Dausacker schrieb:

    Zu bedenken ist auch, dass DRM-Software nicht auf jeder Plattform funktioniert. Als Linux-Nutzer hat man da das Nachsehen und ist auf eine Parallelinstallation von Windows oder Virtuelle Maschinen angewiesen. Was schon bei Spielen kaum nachzuvollziehen ist, wirkt bei E-Books richtig absurd:
    Es muss möglich sein, E-Books auch auf jedem Betriebssystem zu lesen und zu verwalten.

  • Auswertung der Blogparade zum Thema DRM | Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW schrieb:

    […] Jetzt wurde das Ergebnis präsentiert. Alle Beiträge und auch die Gewinner der Parade finden Sie hier Teilen Sie dies mit:FacebookTwitterGefällt mir:Gefällt mir Lade… Dieser Eintrag wurde […]

  • Gelesen in Biblioblogs (20.KW’13) | Lesewolke schrieb:

    […] startete (dort auch der Hinweis, dass wir uns eigentlich über DRE ärgern), wurde nun ausgewertet (via NRW-Blog). Einen Sonderpreis erhielt die Glosse “Armes, kleines DRM” von Robert […]