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Lese-Studie der Uni Mainz: Senioren lesen mit Tablets besser als mit Print

7 Feb 2013

E-Books haben es immer noch schwer in Deutschland – denn viele Leser halten sie gegenüber gedruckten Büchern für minderwertig. Doch der subjektive Eindruck täuscht, ergab eine empirische Lesestudie der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz: Texte auf E-Ink- oder LCD-Displays lassen sich genauso gut lesen wie solche auf Papier. Senioren fällt das Lesen auf hintergrundbeleuchteten LCD-Displays sogar leichter als die Lektüre von Print-Büchern. Zurückgeführt wird diese zunächst mal verblüffende Tatsache auf die im Alter wachsende Bedeutung von Helligkeit und Kontrast.

„Mit der Studie können wir die verbreitete Meinung, das Lesen am Bildschirm habe nachteilige Effekte, wissenschaftlich fundiert entkräften. Es gibt keinen Clash der (Lese-Kulturen)“, so der Mainzer Medienwissenshaftler Stephan Füssel. Zusammen mit dem Neurolinguisten Matthias Schlesewsky hat er die Untersuchung konzipiert. Erste Ergebnisse waren bereits 2011 veröffentlicht worden, nun folgte eine ausführliche Auswertung aller Messreihen in der renommierten Online-Fachzeitschrift PLOSone (Titel der Open-Access-Publikation: „Subjective Impressions Do Not Mirror Online Reading Effort“).

Insgesamt knapp 60 Probanden unterschiedlicher Altersstufen wurden identische Textsegemente in verschiedener medialer Form vorgelegt. Um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, hatten die Texte dieselbe Fontart, Fontgröße sowie den selben Zeilenabstand. Die Forscher ermittelten während des Lesens sowohl die Gehirnaktivität via EEG wie auch mit Hilfe eines Eyetrackers die Intensität der Augenbewegungen. Dabei zeigte sich: Unabhängig von der subjektiven Einschätzung blieben die kognitiven Anstrengungen in den meisten Fällen gleich, egal ob man den Probanden nun E-Reader, Tablets oder Bücher vorlegte.

Abweichungen gab jedoch bei den Senioren: hier war bei der Lektüre auf dem LCD-Display nicht nur die Gehirnaktivität niedriger, ihre Augen brauchten auch deutlich weniger Zeit, die Buchstaben zu fixieren. Bei gedruckten Büchern wie auch E-Ink-Readern mussten sich Hirn und Auge der älteren Probanden dagegen im Vergleich deutlich mehr anstrengen. Im Alter sei das Auge eben empfindlicher in punkto Helligkeit und Kontrast, erklären die Mainzer Forscher dieses Phänomen. Finanziert wurde die Lesestudie u.a. von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH. Das Unternehmen versorgt über die E-Book-Plattform Libreka den deutschen Buchhandel mit elektronischer Lektüre, und bietet selbst auch Lese-Tablets wie das Liro Color an.

[Update: Über die Lesestudie hat mich am 9.2. das DLF-Magazin Computer & Kommunikation interviewt, siehe den Podcast der Sendung]

Abb.: Fotomontage auf Grundlage von flickr/zigazou76