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Lektorat im Self-Publishing: Teurer Luxus oder Qualitätssicherung?

16 Feb 2016 0 Kommentare

lektorat-lohnt-sich-auch-fuer-selfpublisherBis vor wenigen Jahren hatten Autoren genau zwei Möglichkeiten: Sie schickten ihr Manuskript an möglichst viele Verlage und hofften auf einen Verlagsvertrag oder sie nahmen das Schicksal (und noch dazu eine Menge Geld) in die eigene Hand und vertrauten sich einem Bezahlverlag an. Manche gaben Bücher oft ungeprüft in Druck und vermarkteten sie mehr oder weniger halbherzig. Heute müssen Autoren keine Bittsteller mehr sein, sondern können selbst Verleger werden. Selbstverleger. Self-Publisher. Allerdings sind sie nun auch für die klassischen Aufgaben des Verlegers selbst verantwortlich.

Self-Publishing heißt Qualitätssicherung in Eigenregie

Buchverlage lehnen 99 Prozent der eingereichten Manuskripte ab. Wieso? Ein Verlag ist (auch) ein Wirtschaftsunternehmen, das sich um Qualität und Marktpräsenz seiner Produkte kümmert. Er finanziert für seine Autoren u. a. Lektorat und Korrektorat, Layout und Covergestaltung, Vertrieb und Marketing – in der Hoffnung, dass sich die Investition über den Verkauf der Bücher rentiert. Allzu viele Fehlentscheidungen darf ein Verlag sich nicht erlauben.

Auch die meisten Self-Publisher bemühen sich um gute Qualität. Sie holen sich z. B. für ein Lektorat Unterstützung bei ihrer SP-Plattform wie BoD, epubli, tredition, neobooks, Ruckzuckbuch oder suchen sich in der Datenbank des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) den passenden Lektor.

Denn wer möchte schon gern bei Amazon lesen: „Klasse Story, aber die vielen Fehler verleiden einem das Lesen.“ – Wie schade um das Manuskript, in das so viel Zeit und Herzblut gesteckt wurden! Und an dem die Leser durchaus ihre Freude hätten haben können. Klar, nicht alle Leser sind sprach- und fehlersensibel. Aber die meisten schon. Und ein Lektorat hilft, den Text in Bestform zu bringen.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2015 kam ich in der SP-Area mit einem empörten Ehepaar ins Gespräch: „Die haben ja Mondpreise hier!“ Ich sah mir das Angebot des renommierten Anbieters an: pro Normseite Lektorat sechs Euro. „Wir haben es dann selbst gemacht, mein Mann hat mehr als eine Woche intensiv daran gesessen!“ („Da sehen Sie, wie viel Zeit man aufwenden muss – und stellen Sie sich vor, Ihr Mann würde damit sein Geld verdienen!“, habe ich nicht gesagt.) Die Dame, stolze Autorin, gab mir eine Werbepostkarte mit. Schon auf dieser fanden sich drei Fehler.

Was kann ein Lektorat für das Manuskript tun?

Es gibt verschiedene Lektoratsstufen und -bausteine:

  • Ein Korrektorat beseitigt Orthografie-, Interpunktions- und Grammatikfehler.
  • Ein Lektorat hat darüber hinaus Stil, Aufbau, Inhalt, Protagonisten, schiefe Sprachbilder usw. im Blick.
  • Merkt die Lektorin, dass etwas grundsätzlich „nicht stimmt“, kann sie ein Plot-Lektorat durchführen, das noch tiefer, nämlich an der Konzeption der Geschichte ansetzt.
  • Ein Coaching begleitet den Autor während des gesamten Schreibprozesses.
  • Soll das Manuskript einer Agentur angeboten werden, bietet sich ein Exposé-Lektorat an.
  • Layout/Formatvorlagenzuweisung bereitet das Hochladen bei einer SP-Plattform vor.

Wo finde ich den passenden Lektor?

Man kann googeln („Suche Lektor“), den Pool der SP-Plattform in Anspruch nehmen oder in der Datenbank des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren gezielt nach dem passenden Lektor suchen (www.lektoren.de). Am besten nimmt man mit einigen Lektoren Kontakt auf, bittet sie evtl. um ein Probelektorat.

Lektoren – bestens informiert und vernetzt

Der Berufsverband der freien Lektorinnen und Lektoren VFLL bietet seinen Mitgliedern neben der Möglichkeit zum beruflichen Austausch regelmäßig Seminare und Themenabende an; gerade letzte Woche gab es in Frankfurt ein spannendes Seminar zur Romandramaturgie sowie ein Treffen zu Methoden der Qualitätssicherung. Durch die Fortbildungen und den kontinuierlichen beruflichen Austausch erweitern Lektoren immer wieder ihre Kompetenzen und können Autoren deshalb die optimale Strategie für ihren Text anbieten.

Und wenn man als beauftragte Lektorin vor einer Frage steht wie „Stimmt das denn? Röhren die Hirsche im Juni? Das tun sie doch nur im Herbst während der Brunft?“, dann zeigt ein solches Netzwerk auch praktisch, was es kann – immer findet sich jemand, der die Antwort weiß: Sie sind ansonsten still.

Friederike M. Schmitz, www.prolitera.de

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die im Vorfeld des Self Publishing Day 2016 erscheint. Der diesjährige SPDay findet am 9.April 2016 in München statt.

Abb.: Anton Vakulenko (cc-by-sa-2.0)

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