Lekker Kruidreporter: De Correspondent hat schon 40.000 zahlende Abonnenten

erfolgsmodell-de-correspondent-niederlaendische-krautjournalistenEs gibt Krautreporter, und es gibt Kruidreporter – vor zwei Jahren ging die Amsterdamer News-Plattform De Correspondent mit der Kraft der Crowd an den Start, damals mit 20.000 Unterstützern, die ein Vorab-Jahresabo zeichneten. Viele Leser sind auch im zweiten Jahr dabeigeblieben, noch mehr sind dazugekommen: In diesen Tagen haben die Gründer um Ernst-Jan Pfauth gerade die Marke von 40.000 zahlenden Abonnenten geknackt.

Was das für ein so kleines Land wie die Niederlande heißt, macht Pfauth in einem Blogpost deutlich: „40.000 Abonnenten für ein niederländischsprachiges Medium, in einem Land mit 17 Millionen Einwohnern, das würde umgerechnet auf die USA einer Zahl von 750.000 Abonnenten entsprechen, was unseres Wissens nur zwei Zeitungen erreicht haben: die New York Times mit mehr als 1 Million Digital-Only-Abonnenten, und das Wall Street Journal mit 900.000“.

Dabei ist das journalistische Crowdpublishing-Startup aus Amsterdam natürlich deutlich schlanker als die altehrwürdigen News-Riesen von jenseits des Ozeans: Für den komplett werbefreien Online-Content bei De Correspondent sorgt derzeit ein Team von 31 Vollzeit-Redakteuren. Dafür ist ein Abo aber auch sehr günstig, schon für 6 Euro pro Monat oder 60 Euro im Jahr ist man dabei.

Zum Geheimnis des Erfolgs gehört zudem eine sehr clevere Distributions-Politik: die zahlenden Nutzer können alle Artikel der Plattform kostenlos an Freunde weiterreichen, wodurch offenbar viele neue Abonnenten gewonnen werden konnten. Auch via Facebook sowie Newsletter kann man als Noch-Nicht-Abonnent ausgewählte Artikel gratis erhalten, die Konversionsrate via Mailing beträgt fast zwei Prozent.

Ganz besonders schätzen die Leser von De Correspondent offenbar das transparente Geschäftsmodell: sie wissen, das ein Großteil ihres Geldes bei den Autoren ankommt, genauer gesagt, 55 Prozent der Umsätze, rechnet man die Mehrwertsteuer heraus, sogar zwei Drittel. Sonst würde so ein Crowdpublishing-Ansatz wohl auch nicht so gut funktionieren.

Am wichtigsten sind natürlich die Inhalte selbst – ähnlich wie die schon seit sieben Jahren aktive Online-Abo-Zeitung Mediapart (mittlerweile 100.000 Abonnenten) in Frankreich und die letztes Jahr gestarteten Krautreporter aus Deutschland (18.000 Abonnenten) garantiert die Leserfinanzierung unabhängigen, hintergründigen Qualitätsjournalismus, ein Angebot, das die großen Medienhäuser in Zeiten der Zeitungs-, besser gesagt Anzeigenkrise leider immer weiter zurückgefahren haben.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".