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Kostenlose Cloud-Kopie: AutoRip für CDs jetzt auch bei Amazon.de – Vorbild für Buchbranche?

25 Jun 2013

Bei Büchern mag es noch Zukunftsmusik sein – bei CDs, Schallplatten und Kassetten ist es seit heute Realität: AutoRip, die automatische digitale Kopie in der Rechnerwolke. Kunden von Amazon.de erhalten beim Kauf der Silberscheiben bzw. Vinylplatten ab jetzt kostenlos eine MP3-Version in hoher Audioqualität dazu, die über Amazons Cloud-Player abgerufen werden kann. Besonders vielversprechend klingt die rückwirkende Geltung von AutoRip: Das Unternehmen wertet die Kundendaten von vergangenen Einkäufen bis zurück ins Jahr 1999 aus, um die Musikbox mit MP3-Kopien aufzufüllen. Amazon hat zu diesem Zweck die entsprechenden Lizenzen für knapp 500.000 Tonträger erworben, weitere sollen folgen.

In den USA haben MP3 & Streaming die CD überholt

In den USA bietet Amazon das Auto-Rip-Feature bereits seit Anfang 2013 an – und versucht damit eine Antwort auf den überwältigenden Trend in Richtung MP3 zu finden. Vor dem Siegeszug von iTunes gehörten Compact Disks neben gedruckten Büchern zu Amazons wichtigsten Versandartikeln. Doch dann krempelte Apple mit iTunes die Musik-Branche mindestens so stark um wie Amazon später die Buchbranche mit dem Kindle-Reader. In den USA wurden 2011 erstmals physische Datenträger von MP3-Downloads und Streaming überholt, mittlerweile sank der Marktanteil von CDs, Vinyl & Co. bereits in die Nähe von 40 Prozent. In Deutschland dagegen halten sich traditionelle Tonträger noch wacker an der Spitze der Medienformen – 2012 wurden mit ihnen noch 78 Prozent der Umsätze erzielt. Bis 2016 erwarten Branchenbeobachter aber eine 50/50-Aufteilung des deutschen Marktes.

Kulturschock für DRM-gläubige Gutenberg-Galaxis

Aus Sicht der DRM-gläubigen Gutenberg-Galaxis dürfte Amazons Auto-Rip-Feature eine Art ideologische Götterdämmerung darstellen. Statt das Kopieren zu verhindern, wird es nun sogar noch forciert. WTF!? Tja, die Unterhaltungsindustrie hat ganz einfach dazugelernt: wenn ohnehin CDs im Handumdrehen ausgelesen werden können, sollte man den Kunden dort abholen, wo er ist. Deutschland mag zwar auch in der Musikbranche gegenüber den USA um Jahre zurückliegen, doch im Vergleich zur Buchbranche ist der Abstand weitaus geringer. Höchste Zeit also für neue Strategien. Trotzdem würde konsequentes Bundling von Print & Digital bei Büchern schon jetzt genauso Sinn machen – vor allem, wenn man nicht Amazon die Initiative überlässt. Mit entsprechenden Angeboten, z.B. Download-Gutscheinen für E-Book-Versionen, könnte man die Kunden sogar wieder in die Buchhandlungen locken. Aber natürlich nur, wenn der Preis stimmt. Das Pricing-Modell bei AutoRip zeigt schließlich: doppelt abkassieren ist passé.

Abb.: Screenshot