Kopierschutz aus der Wolke: „Ultraviolet“ bringt DRM & Cloudcomputing zusammen

ultraviolet-drm-dece-cloud-computingDer Kopierschutz des 21. Jahrhunderts schwebt in einer virtuellen Datenwolke – glaubt ein Konsortium namens Digital Entertainment Content Ecosystem (DECE). Vermarktet werden soll das DRM-Konzept unter dem Namen „Ultraviolet“. Filme, Musik oder E-Books könnten dann auf verschiedenen Geräten genutzt werden – sofern der Konsument ein Ultraviolet-Account besitzt und die Nutzungsrechte dort hinterlegt sind. Zum DECE-Konsortium gehören IT-Giganten wie Adobe, Sony und Microsoft, aber mit Paramount Pictures oder Warner Bros. ebenso Major Labels der Unterhaltungsbranche. Doch es gibt prominente Ausnahmen: Apple ist nicht mit dabei.

Kommt mit Ultraviolet ein branchenübergreifender Kopierschutz-Standard?

Immer mehr Anwendungen wandern in die Datenwolke. Nach Musik-Files dürfte uns in Zukunft auch Film & Fernsehen in hoher Auflösung als Datenstrom aus dem Netz erreichen. Ähnliches gilt für E-Books, E-Comics und elektronische Zeitungen. Es gibt aber nicht nur immer mehr Content aus der Cloud, sondern auch immer mehr und immer mobilere Wiedergabegeräte. Wie mobil der Content tatsächlich ist, entscheidet letztlich jedoch das jeweilige Digital Rights Management (DRM). In vielen Fällen heißt das, es gibt nur einen autorisierten Nutzer, und nur eine begrenzte Zahl von Geräten. So sind etwa bei Adobe Digital Editions maximal fünf Endgeräte erlaubt, die zudem auch diesen Standard unterstützen müssen. Bei den Konsumenten stoßen solche Beschränkungen zunehmend auf Unverständnis, der komfortable Gebrauch von Filmen oder E-Books ist ohne Umgehung des Kopierschutzes oft gar nicht möglich. Für Unmut sorgt zudem die Tatsache, dass ein branchenübergreifender DRM-Standard bisher fehlt.

Bobs Smartphone, Sallys Laptop, Muttis Fernseher: Ultraviolet verspricht mehr Komfort

Mit „Ultraviolet“ soll sich das nun offenbar ändern – insgesamt 60 Unternehmen wollen ein globales „digitales Ökosystem“ schaffen. Für die Verbraucher bringe das „greater choice, confidence and freedom in how, when and where they enjoy digital movies, TV shows and other entertainment“, so die aktuelle Pressemitteilung des Konsortiums. Im Zentrum steht dabei ein „cloud-basiertes UltraViolet Account“, in dessen „Digital Rights-Schublade“ die jeweiligen Nutzungsrechte hinterlegt sind. Die neue Lösung soll den Content nicht nur auf möglichst viele mobile Geräte bringen, sondern auch besonders familenfreundlich sein: „Multiple UltraViolet devices can share a single UltraViolet Account, which means that Bobby’s smart phone, Sally’s laptop, Jimmy’s game console and Mom & Dad’s TV can all access the same UltraViolet content.“ Manche Filme werden aber auch mit Ultraviolet nur auf Mom&Dad’s TV laufen – denn zu den geplanten Account Management-Funktionen gehört auch die „Parental Control“.

Was machen die Besitzer von Geräten, die nicht von Ultraviolet zertifiziert sind?

„Watch for these capabilities to begin appearing in the market“, rät Ultraviolet den Konsumenten. Das neue Logo wird nicht nur bei Content-Anbietern auftauchen, sondern auch auf Geräten wie DVD- & Blue-Ray-Disc-Playern. Zukünftig könnte das DECE-Konsortium damit also auch kontrollieren, welche Inhalte PC-Anwender wo und wie oft speichern oder auf Silberscheiben kopieren bzw. brennen. Je stärker sich Ultraviolet als Branchenstandard verbreitet, desto schwieriger wäre es möglicherweise, bestimmte Inhalte überhaupt noch ohne zertifizierte Geräte zu nutzen. Um den neuesten Blockbuster anzuschauen, müssten Besitzer älterer Hardware dann von einem gewissen Zeitpunkt an wahrscheinlich technisch aufrüsten. Bei Organisationen wie der Free Software Foundation stößt die DECE-Inititative nicht nur deshalb auf geballte Ablehnung. „We view this as a major threat to the right of people to have control of their digital media“, heißt es dazu auf der Kampagnen-Seite defectivebydesign.

Datenschutz in der Rechnerwolke: Wird das gesamte Nutzerverhalten von ultravioletten Strahlen durchleuchtet?

Ein weiteres Problem dürfte der Datenschutz sein. Schon jetzt werden durch die Kombination von DRM und vernetzten Geräten – z.B. E-Readern – sehr private Informationen über das Nutzerverhalten an zentraler Stelle gesammelt. Gerade den USA ist es längst gängige Praxis, dass diese Informationen auf Anfrage auch an Strafverfolgungsbehörden und andere staatliche Instanzen weitergegeben werden. Wird DECEs DRM-Konzept ein Erfolg, wären in der ultravioletten Datenwolke Nutzungsprofile abgespeichert, die alle nur denkbaren Medienarten umfassen. Insofern hätte DECE dann tatsächlich ein globales Ökosystem im digitalen Format geschaffen – schließlich heißt ja das berühmte „First Law of Ecology“: „Everything is connected with everything else.“ In diesem Fall würde das allerdings nur für die Rechteinhaber und die Nachrichtendienste gelten. Für Mediennutzer gälte auch weiterhin das oberste Gesetz der Ökonomie – nur knappe (bzw. künstlich verknappte) Güter haben einen Wert. Doch damit das so kommt, muss Ultraviolet natürlich erst mal Erfolg haben. Momentan spricht einiges dafür, dass der Globus eine Menge weiße Flecken behalten wird. Denn mit Apple und Disney gehen mindestens zwei Global Player in Sachen DRM vorerst noch eigene Wege.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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