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Kontrollverlust als Chance – Krautpublishing trifft „What The Fuck You Want“ – Lizenz

20 Dez 2013 0 Kommentare

Eigentlich bin ich ja schon in den Weihnachtsferien – aber ein Tweet von Leander Wattig hat mich doch noch mal aus der einstweiligen Winterstarre gerissen: „Kennst Du schon das Buchprojekt von @mspro inkl. Rekord-Funding und neuer UrhG-Lizenz?“. Und darum ging’s dabei: Michael Seemann alias @mspro sammelt auf Startnext gerade Vorbestellungen für sein Buch „Das neue Spiel. Nach dem Kontrollverlust“, und hat in zwei, drei Tagen schon mehr als 10.000 Euro eingeworben. Was wohl auch am Thema liegt: Schon seit einiger Zeit bloggt der Journalist & studierte Kulturwissenschaftler auf crtl+verlust über den „Kontrollverlust, der sowohl tradierte Vertriebskanäle von Inhalteproduzenten, als auch unser Verständnis von ‚informationeller Selbstbestimmung‘ erschüttert“.

Wo man früher vielleicht erstmal an Amazon gedacht hätte, drängt sich jetzt natürlich auch gleich der nachrichtendienstlich-industrielle Komplex auf, erst recht, wenn man den zentralen Claim des Buchprojektes liest: „Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren und sagen Dinge aus, auf die wir nie gekommen wären“. Einen Vorgeschmack auf das, was den Leser im Buch erwartet, findet man in einem SPEX-Artikel von Michael Seemann („Das neue Spiel – Prism vs. Kontrollverlust“), außerdem gibt’s auf ctrl-verlust.net auch schon 10 Thesen zum „Neuen Spiel“.

Besonders konsequent: mit dem via Startnext gesammelten Geld wird vor allem eine halbjährige Schreibphase und die Print-Produktion finanziert, die E-Book-Version dagegen wird frei zugänglich sein, und zwar unter einer „extra entwickelten, sehr freien Lizenz, die es den Lesern erlaubt, fast alles damit zu tun.“ Deswegen heißt sie auch WTFPDL-Lizenz, ausgeschrieben „Do WHAT THE FUCK You Want to PUBLIC DIGITAL LICENSE“. Mit der digitalen Version kann man also machen, was man will, alle analogen (Print-)Rechte dagegen bleiben beim Autor. „Ich glaube, dass das Digitale und das Analoge in Hinsicht auf Informationen zwei komplett unterschiedliche Welten sind. Die WTFPDL berücksichtigt diese Unterschiede und teilt die Rechte für jede der Welten optimal zu“, so Seemann.

Für die Print-Version sind dabei zwei Alternativen vorgesehen- entweder erscheint sie als Self-Publishing-Version, oder via Verlag. Interessierten Verlegern macht Seemann es denkbar einfach: Via Startnext können sie mit einer Spende von 5.000 Euro die exklusiven Printrechte an „Neues Spiel erwerben“. Das dürfte sich wohl lohnen – schließlich ist eine frei verfügbare E-Book-Version die perfekteste Marketing-Methode, die man sich vorstellen kann. Man muss nur lernen, die Daten endlich mal loszulassen…

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