Konsum in Echtzeit: Print toppt E-Book, Aldi Süd toppt Amazon [Infografik]

„So konsumiert Deutschland in Echtzeit“ – unter diesem Titel zählt eine dynamische Infografik von KaufDA Sekunde für Sekunde eindrucksvoll vor, was Verbraucher hierzulande für bestimmte Produkte ausgeben, und auch was namhafte Unternehmen umsetzen. Öffnet man die Seite, steht der Zähler auf Null, und dann geht’s los. [Die Momentaufnahme links zeigt übrigens die 73. Sekunde].

Sehr schnell rennt der Dönerkonsum der Currywurst voraus, der Heimtierbedarf hängt die Babyartikel ab, Ausgaben für das Glücksspiel übertrumpfen locker das Spendenkaufkommen, Bier toppt Milch, und gedruckte Bücher verweisen das E-Book auf die hinteren Plätze: 26 Millionen Euro werden angeblich jeden Tag mit Print umgesetzt, 394.000 Euro mit E-Books.

Natürlich wird nicht wirklich in „Echtzeit“ gezählt, sondern nur clever mit statistischen Jahresumsätzen hantiert – geteilt durch die 31 Millionen und 536 Tausend Sekunden, die ein Jahr nun einmal hat, und dann wieder hochgezählt. Vorbild dieser Echtzeit-Grafik ist die us-amerikanische Variante „Retail in Real Time“. Dort ist allerdings der Vorsprung gedruckter Bücher nicht mehr ganz so groß – genauer gesagt stehen 41 Millionen Dollar gegenüber 8 Millionen Dollar pro Tag. Was hochgerechnet 3 Milliarden Dollar pro Jahr entspricht, dem offiziellen E-Book-Umsatzwert für 2013.

In Deutschland wurden 2013 allerdings auch schon knapp 300 Millionen Euro mit E-Books umgesetzt – was einem Tagesumsatz von mindestens 800.000 Euro entspricht, nicht den 394.000 Euro, die in der „Echtzeit“-Grafik von KaufDa zu Grunde gelegt wurden. Die niedrigere Zahl entspricht dagegen ziemlich exakt den Zahlen des Jahres 2012 – so viel also zum Thema „Echtzeit“. Inzwischen haben E-Books schon deutlich aufgeholt, der Marktanteil ist zwischen 2012 und 2013 rasant gewachsen.

Durchaus exakt tickt dagegen die Umsatzuhr von Amazon Deutschland: 21 Millionen Euro pro Tag fließen in die virtuelle Kasse (entspricht 7 Mrd. Euro jährlich), ungefähr die Hälfte des Umsatzes von Aldi Süd, und – supergeil! – nicht mal ein Fünftel der Tagesumsätze der Edeka-Gruppe. Was übrigens in der deutschen Grafik fehlt, sind die Ausgaben für Schusswaffen. Bei „Retail in Real Time“ habe ich dagegen gelernt: Tag für Tag geben die Amerikaner jede Sekunde genau soviel Geld für Gewehre und Pistolen aus wie für gedruckte Bücher. Schmöker und Knarre – zwei Killer-Apps auf Augenhöhe.

Abb.: KaufDA.de

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".