Konkurrenz für E-Ink: Neue E-Paper-Lösungen ab 2010 verfügbar

E-Ink bekommt Konkurrenz-neue E-Paper-Lösungen ab 2010.gifDie Formel elektronisches Papier gleich E-Ink geht bald nicht mehr auf. Ob Amazon Kindle, Sony Reader oder Bookeen CyBook: Bisher sind die meisten E-Reader mit einem Display der US-Firma E-Ink Corp ausgestattet. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Fujitsu liefert bereits farbiges E-Paper, Bridgestone Corp und SiPix Imaging haben ebenfalls E-Ink-ähnliche Techniken entwickelt. Das Startup Pixel Qi setzt dagegen auf High-Res-LCD. Das Ende des E-Ink-Monopols erlaubt mehr Variationsmöglichkeiten, vor allem beim Preis.

Bisher gab E-Ink den Preis für Displays vor: 6 Zoll für 60 Euro

E-Ink-Displays sind nicht nur der teuerste Bestandteil eines E-Readers – sie sind bisher auch für alle Wettbewerber gleich teuer. „Der E-Paper-Preis vom Vorreiter E-Ink war für uns tatsächlich die Richtmarke“, bestätigt Itsuo Tanuma von der Bridgestone-Enwicklungsabteilung. Zur Zeit kostet ein 6-Zoll-Display mit E-Ink 60 Dollar. Beim Kindle 2 etwa macht es ein Drittel der Gesamtkosten aus. Die Preise dürften in Zukunft deutlich fallen – alleine schon wegen rasant steigender Produktionszahlen. Wurden 2008 noch ca. 1 Million Displays gefertigt, so sollen es bis 2014 bereits 30 Millionen pro Jahr sein. Für Bridgestone (Taiwan) sind die E-Ink-Zeiten auf jeden Fall vorbei. Im Spätsommer will man eigene Displays vermarkten, die mit der „Electronic Liquid Powder“-Technologie arbeiten. Konkurrent SiPix Imaging aus Japan bringt in Kürze Displays mit einer vergleichbaren „Microcup Electrophoretic Technology“ heraus. Für die Farbdarstellung nutzt man dieselbe RGBW-Filterung wie E-Ink. Doch die Displays der Konkurrenten sind erheblich schneller. Immerhin gelingt bei Bridgestone etwa der Seitenwechsel bei einem Display in DIN A 4 -Größe jetzt in nur 0,8 Sekunden. „Es gibt keine störende Verzögerung mehr, auch nicht bei der Kombination mit Touch-Screen-Technik“, so Itsuo Tanuma.

Europa, Asien, USA: überall arbeitet man an flexiblen E-Reader-Displays

Ein weiterer Nachteil war bisher die gläserne Einfassung von E-Ink-Displays: das machte die Lesegeräte nicht nur unnötig schwer: das Rollen oder Falten des Readers konnte man natürlich knicken. Die Zukunft ist dagegen äußerst biegsam: Neben PlasticLogic arbeiten auch Prime View International (Japan), LG Display (Korea) und Polymer Vision (Niederlande) an flexiblen E-Paper-Lösungen. Einen Haken haben natürlich Farb- wie Flexi-Screen doch: sie sind noch ziemlich teuer. Early Adopters müssen also erstmal noch tief in die Tasche greifen. Erfolgversprechender scheint deswegen die Strategie von Pixel Qi: dort setzt man nämlich auf Flüssigkeits-Kristall. Die Lesbarkeit ist zwar nicht ganz so gut, und LCD verbraucht etwas mehr Strom. Dafür hat LCD aber neben geringeren Kosten noch andere Vorteile – nämlich brilliante Farbdarstellung und maximale Bildwechsel-Frequenzen. So können E-Reader mit dieser Technik auch als Internet-Tablet und Video-Bildschirm genutzt werden.

Flüssigkeitskristall!? LCD als E-Paper-Lösung für E-Reader und Netbooks

LCD gibt’s schon eine ganze Weile, doch die 3Qi-Konzept stellt bisherige Standards in den Schatten. Der Clou ist die Möglichkeit, zwischen transparenten Farb-Modi und einem reflexiven ePaper-Modus. Mit anderen Worten: einmal mit einer Lichtquelle unter dem Display, einmal mit Nutzung des einfallenden Tageslichtes. Sales&Marketing-Vize John Ryan: „Wir haben uns überlegt, wie man mit LCD einen bessere Lesekomfort erreichen kann, und heraus kam schließlich ein reflektiver Modus mit niedrigem Stromverbrauch und hoher Auflösung“. Der ePaper-Modus erlaubt die dreifache Auflösung des Farb-Modus. Auf dem Prototyp mit zehn Zoll-Fläche heißt das: 1024×1800 Pixel statt 1024×600. Die Multifunktions-Displays können in verschiedenen Geräten Verwendung finden, so Ryan: „Die ersten zehn Zoll-Displays werden nicht nur in E-Readern, sondern auch in Netbooks und ähnlichen Geräten eingebaut.“ Die Serienfertigung startet Ende 2009. Eine vergleichbare LCD-Technik hat PixelQi bereits für das „Hundert-Dollar-Laptop“-Projekt produziert: die neueste Version der „XO-Notebooks“ hat keine Tastatur, dafür aber zwei Bildschirme mit Touch-Screen-Funktion, hochkant aufgeklappt kann man es wie ein richtiges Buch benutzen.

(via Tech-On!)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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