Home » E-Book-Reader

Konichiwa, Librié: Vor zehn Jahren launchte Sony den ersten E-Ink-Reader

28 Apr 2014 2 Kommentare

Am Anfang war nicht das Kindle – die Geschichte des E-Ink-Readers beginnt mit Sony, und zwar genau vor zehn Jahren: Im April 2004 brachte der japanische Unterhaltungsriese mit dem “Librié EBR-1000EP” das erste Lesegerät mit elektronischem Papier auf den Markt, und setzte mit dem 6-Zoll-Display einen Standard, der bis heute gültig ist. Damals hatte der Format-Faktor viel mit dem Buchmarkt in Japan zu tun, denn eine 6-Zoll-Diagonale entspricht dem Standard-Format japanischer Taschenbücher. Beim Gewicht des Readers war das ganz ähnlich: mit 300 Gramm entsprach es dem, was ein durchschnittliches Print-Buch auf die Waage brachte. Am meisten Aufsehen erregte aber natürlich der papierähnliche Kontrast des Displays: “Die Display-Qualität dürfte viele Nutzer von Mobilgeräten schockieren: es sieht eher nach Papier aus als nach dem Computer-Bildschirm, den man tatsächlich vor sich hat”, schrieb etwa Tech-Autor J. Mark Lytle im britischen Guardian. “Am ehesten lässt sich die Qualität noch mit altmodischer Druckerschwärze auf genau dem Zeitungspapier vergleichen, das Sie gerade in der Hand halten. Es sei denn, Sie lesen diesen Text online – in diesem Fall macht der Librié einen deutlich besseren Eindruck”.

Der zunächst nur in Japan verkaufte Librié EBR-1000EP ähnelte vom Äußeren her bereits späteren “Tasten-Readern”. Unter dem 6 Zoll-Display (Auflösung: 600×800 Pixel, 4 Graustufen) war ein QWERTY-Keyboard angeordnet, außerdem gab am Rand des Librié noch spezielle Umblättertasten. Mehr als ein Achtungserfolg war für Sony zu diesem Zeitpunkt aber nicht drin. Das lag nicht nur an dem mit 41.000 Yen (damals knapp 325 Euro) recht hohen Preis, sondern vor allem an den medialen Gewohnheiten der Handy-Nation Japan – ein schwarz-weißes Display konnte gegenüber der Lektüre auf farbigen LCD-Screens von Mobiltelefonen einfach nicht mithalten. Auf ihrem „Keitei“ luden die Japaner zudem längst per Tastendruck E-Books oder Mangas direkt aus den Netz herunter, Sonys E-Reader dagegen besaß nur einen USB-Port. Die Lektüre in dem von Sony entwickelten BroadBand-E-Book(BBeB)-Format musste also erstmal via PC aus dem Internet geladen und dann per Kabel übertragen werden.

Da half es nur wenig, dass Sony mehr als ein Dutzend Buch- und Zeitungsverlage mit ins Boot geholt hatte, um genügend Content für den weltweit ersten E-Reader mit elektronischem Papier anbieten zu können. „Eines Tages werden Millionen Menschen all das, was Sie publizieren, auf einem solchen Gerät lesen. So sieht die Zukunft aus!“, soll Sonys Chefdesigner bei der Vorführung eines Prototypen den versammelten Buchmachern prophezeit haben. Die Verlage dachten aber wohl eher an die unmittelbare Zukunft der eigenen Zunft, und so stellte jeder erst einmal nur 1000 Titel zur Verfügung. Ob nun Kalkül oder nicht, das blieb nicht ohne Folgen. Selbst der von Sony anvisierte Verkauf von 5000 Lesegeräten pro Monat erwies sich als zu optimistisch, denn die brandneue Technik wurde vom Publikum mehr oder weniger ignoriert. Nach drei Jahren musste Sony das Reader-Experiment im Land der aufgehenden Sonne sang- und klanglos beenden. Für das Nachfolgemodell PRS-500 zielte der Unterhaltungsriese nun auf einen vielversprechenderen Markt, nämlich die USA. Dort kündigte sich zu diesem Zeitpunkt aber schon ein neuer Stern am Reader-Himmel an: Amazon.

Zu den ersten Käufern des Librié gehörte nicht ganz zufällig ein amerikanischer Geschäftsmann namens Jeff Bezos. Der Legende nach soll der Amazon-Chef 2004 gleich dreißig Stück bestellt haben, um sie von seinen Mitarbeitern ausgiebig testen zu lassen. Ein am Markt erfolgreicher E-Reader der Konkurrenz, das war dem gewieften Geschäftsmann sofort klar, würde auch die bisherige Geschäftsgrundlage des Online-Handels mit gedruckten Büchern gefährden. Zugleich bot eine bei Millionen Kunden beliebte Plattform wie Amazon beste Voraussetzungen, um im E-Book-Business mitmischen zu können. Winkte hier nicht auch die einmalige Chance, den Schritt vom Online-Shopping am PC zum mobilen Shopping zu wagen, auf den Sony mit seinem Ansatz verzichtet hatte? Bezos startete kurz darauf ein eigenes E-Reader-Projekt – die Folgen sind bekannt…

(Mehr zur Geschichte von E-Books & E-Readern gibt’s via vom-buch-zum-byte.de)

Abb.: Wikipedia

2 Kommentare »