„Kompliziert und zwecklos“: Verlagsgruppe Bonnier verzichtet auf harten Kopierschutz

bonnier-verzichtet-auf-hartes-drmGute Nachrichten für E-Book-Leser: die Bonnier Media Deutschland GmbH wird ab 1. Juli auf den Einsatz von hartem Kopierschutz verzichten. Für den Abschied der Branche von Adobe Digital Editions dürfte das ein zentraler Meilenstein sein, zählt doch die deutsche Sparte des schwedischen Bonnier-Konzerns neben Bertelsmann und Holtzbrinck zu den Top 3 der hiesigen Buchmacher. Statt Adobe Digital Editions setzen die zu Bonnier gehörenden Verlage wie Piper, Ullstein oder Carlsen nun auf das Digitale Wasserzeichen. Ähnlich machen es bereits die großen Publikumsverlage Dumont, dtv und Bastei Lübbe.

„Hartes DRM schützt nicht vor Piraterie“

Die von Bonnier-Chef Christian Schumacher-Gebler in der offiziellen Pressemitteling angeführten Gründe sind mal wieder aus der klassischen „WE TOLD YOU SO!“-Kiste gegriffen: hartes DRM sei für die Kunden lästig („Leser muss sich auf komplizierte Weise anmelden“, „kann E-Book nur auf registrierten Geräten lesen“), außerdem schütze es nicht vor E-Book-Piraterie („relativ einfach zu umgehen“, „Zahl illegaler Downloads richtet sich nicht nach Härte des Kopierschutzes“, „Bestseller tauchen in Tauschbörsen überproportional auf“).

Buchhändler gegen hartes DRM

Eine Rolle spielt für Bonnier auch die Anti-DRM-Haltung vieler Buchhändler, die immer wieder von frustrierten Kunden berichteten und durch die Selbsteinmauerung mit Adobe Digital Editions Wettbewerbsnachteile gegenüber Amazon befürchteten: „Mit dem Verzicht auf hartes DRM unterstützen wir alle Handelsteilnehmer gleichermaßen und schaffen etwaige Wettbewerbsbarrieren ab“, so Schumacher Gebler. Gerade der unabhängige Buchhandel werde davon besonders profitieren.

Watermarking als kundenfreundliche Lösung

Das digitale Wasserzeichen sei eine „kundenfreundliche“ Lösung, ergänzt werde die für den Nutzer nicht sichtbare Markierung der E-Book-Datei durch eine „prägnante Seite mit Warnhinweisen“ als „zusätzlicher psychologischer Effekt, der an die Sorgfaltspflicht der Leser appelliert“. Auch die „ohnehin intensiven Maßnahmen zur Entdeckung und Verfolgung von Urheberrechtsverstößen“ wolle man weiter ausbauen und vorantreiben.

Abb.: Paul Downey (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".