Kommt nach dem Kindle-Tablet jetzt das Kindle-Smartphone?

Die Gerüchteküche rund um Amazon brodelt: Nicht nur neue Lese-Tablets hat Jeff Bezos offenbar in petto, sondern auch ein Smartphone. Realisiert wird das „Kindle-Phone“ angeblich in Kooperation mit dem taiwanesischen Zulieferer Foxconn, der auch für die Produktion von iPhone und iPad verantwortlich zeichnet. Das meldet das US-Wirtschaftsportal Bloomberg unter Berufung auf Branchen-Insider. Außerdem habe Amazon zahlreiche Patente eingekauft, um beim Einstieg in das Handy-Business juristisch auf der sicheren Seite zu stehen. Ein Smartphone würde die letzte Lücke in Amazons Ökosystem mobiler Geräte schließen – und zudem ein weitaus größeres Publikum erreichen können, als dies mit E-Readern oder Tablets möglich ist. Während knapp ein Drittel der US-Konsumenten Tablets nutzt, besitzt rein rechnerisch bereits jeder US-Bürger ein Mobiltelefon, wobei mehr als 50 Prozent davon Smartphones sind.

Analysten erwarten aggressives Pricing

Da Jeff Bezos sich das Ziel gesetzt hat, Amazon zu „Earth’s biggest anything store“ zu machen, kommt er um das Mobiltelefon als Shopping-Plattform nicht herum. Denn Web-Traffic wird in Zukunft vor allem mobil stattfinden, schon jetzt haben in den USA Smartphones und Tablets den drahtlosen Internet-Verkehr auf einen Anteil von 20 Prozent geboostet. Natürlich darf man sich fragen, wie ein „Kindle Phone“ auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt überhaupt punkten kann, selbst wenn es mit einer dem Kindle Fire vergleichbaren Android-Oberfläche daherkommt. Einen Hinweis gibt das Wired-Magazin: „Man sollte nicht Amazons Fähigkeit unterschätzen, ein Feature zu liefern, das andere nicht bieten können: einen hoch subventionierten Verkaufspreis.“ Ähnlich wie bei Kindle-Reader und Kindle-Tablet würde ein Kindle-Phone den Absatz von digitalem Content wie E-Books, Filmen oder Games fördern : „Amazons Strategie besteht darin, solche Geräte eher als Verschiebebahnhof für Content anzusehen, weniger als Standalone-Produkt. Deswegen dürfte das Pricing ziemlich aggressiv ausfallen“, zitiert Wired den ABI Research-Analysten Aapo Markkanen.

Vom Mobilfunk-Kindle zum Kindle-Mobiltelefon

Ob es sich beim Kindle-Phone noch um ein elektronisches Lesegerät im engeren Sinne handelt, ist eine ganz andere Frage. Selbst wenn man in Rechnung stellt, das Telefonieren bei einem Smartphone angesichts unzähliger Features und Apps längst nicht mehr die Hauptfunktion darstellt. Immerhin dürfte die Kindle-App aber an prominenter Stelle auf dem Desktop des Kindle Phones Platz finden. Umgekehrt darf man nicht vergessen: schon der 2007 gestartete Kindle-Reader der ersten Generation war letzlich eine Kombination von Lesegerät und integriertem Mobiltelefon (allerdings ohne Übertragung von Sprach-Daten). Denn um ein perfektes Kundenerlebnis zu schaffen, sollten Kindle-Nutzer sich nicht um die Konfiguration einer W-LAN-Verbindung kümmern müssen – die eingebaute Mobilfunk-Karte sorgte überall automatisch für den Netzzugang. Damals war das bei E-Readern ein absolutes Novum. Insofern kehrt Amazon mit dem Kindle-Phone natürlich doch zu den Wurzeln zurück, auch wenn E-Books nicht mehr im Vordergrund stehen.

Abb.: Fotomontage unter Nutzung von Flickr/bfishadow

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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