Kodak Picture Kiosk trifft Espresso Book Machine: Print-on-Demand bald an jeder Ecke?

Jedes Buch an jedem Ort, in weniger als einer Minute? Das geht nicht nur mit E-Books. Denn dank Print-on-Demand lassen sich auch Bücher aus Papier überall vor Ort herstellen. Der beste Beweis dafür ist die legendäre „Espresso Book Machine“, produziert von der US-Firma On Demand Books. Die Sache hat nur einen Haken: bisher wurden innerhalb der letzten drei Jahre weltweilt erst knapp 60 dieser Express-Buchautomaten aufgestellt, zum Teil in Buchläden, zum Teil auch in Bibliotheken. Doch nun könnte ein Print-on-Demand-Boom bevorstehen – denn On Demand Books kooperiert zukünftig mit Kodak. Der Foto-Riese betreibt mehr an mehr als 100.000 Orten seinen „Kodak Picture Kiosk“, mit dem sich Digitalfotos ausdrucken lassen. In Zukunft sollen Farbfoto-Druck und Sofort-Buchdruck kombiniert werden – was zudem Print-on-Demand in hoher Farbqualität ermöglichen würde. Vor allem aber macht dieser Coup dank elektronischer Druckvorlagen mehr als 7 Millionen Titel landauf, landab direkt verfügbar.

Nächster Clou: Neben dem Schnelldruck von Bestsellern und Backlist-Titeln der großen Verlage ist natürlich auch die Herstellung von Self-Publishing-Titeln möglich. Independent-Autoren können schon jetzt ihre Druckdateien in den Online-Katalog von On Demand Books einspeisen. Das dürfte wiederum Amazon nervös machen, denn mit CreateSpace hat der Branchen-Primus gerade sein eigenes Print-on-Demand-Programm gestartet, bei dem kräftig quersubventioniert wird – genau wie bei Büchern, die auf Lager sind, entfallen nämlich die Versandkosten. Wenn man demächst nicht mal mehr ein bis zwei Tage auf ein frisch gedrucktes Buch warten muss, sondern nur noch ein bis zwei Minuten, nützt zumindest im städtischen Umfeld auch Amazons Logistik nicht mehr viel. Zumal Kodak einige Erfahrung darin hat, die Druckkosten für den Endkunden dramatisch zu senken.

Die erweiterte Version des Kodak Kiosks wird bis Ende 2012 zunächst innerhalb der USA eingeführt, danach ist die internationale Expansion des neuen Modells geplant. Wenn das tatsächlich klappen sollte, würde es natürlich nicht einer gewissen Ironie entbehren. Denn damit würde die Gutenberg-Galaxis mit Kodak ausgerechnet von einem Unternehmen in ihren Grundfesten erschüttert, das selbst vor kurzem in die Insolvenz gehen musste. Pikanterweise gerade deshalb, weil es allzu lange die Zeichen der Zeit (=Digitalfotografie) nicht erkennen wollte. Ob der Picture-Kiosk mit Buchoption also wirklich bald dem Buchhändler an der Ecke Konkurrenz macht, hängt auch davon ab, an welchen Investor/Konkurrenten die betreffende Kodak-Sparte verkauft wird.

Abb.: Neuestes Modell der Espresso-Book-Machine (On Demand Books)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".