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Klein, leicht, leuchtend: Kobo Glo im Reader-Test

30 Jan 2013 Marc Günther 5 Kommentare

Bereits mit dem „Touch“-Reader hat Kobo bewiesen, wie man technisch mit Amazon Schritt halten kann. Dann definierte das Kindle Paperwhite einen neuen Branchenstandard: XGA-Auflösung, besserer Kontrast, und natürlich „Glowlight“, also eine integrierte Beleuchtung. Während Amazons Glimmerlicht-Reader hierzulande noch mit Lieferschwierigkeiten kämpfte, folgte mit dem Kobo Glo der nächste Streich der Kanadier: Ebenfalls XGA- Auflösung, ebenfalls ein Glimmerlicht. Preislich liegen Kindle Paperwhite (Basisversion WLAN) und Kobo Glo mit 129 Euro gleichauf. Auch auf dem Datenblatt sind sich beide Produkte sehr ähhnlich. Also alles nur eine Glaubensfrage? Wie sich der Kobo Glo in der Praxis schlägt, erfahren Sie in unserem Test!

Kleiner & leichter als das Kindle Paperwhite

Der Tester besaß vor dem Glo einen Kindle Touch. Dieser ist mit seinen ca. 215 Gramm kein Leichtgewicht, aber auch nicht unangenehm schwer. Der Paperwhite spielt mit ca. 220 Gramm und auch sonst nur geringfügig veränderten Abmessungen in der selben Liga wie sein Vorgänger. Die erste faustdicke Überraschung erfolgt deswegen beim Auspacken: der Kobo Glo ist satte 12mm kürzer und mehr als 30 Gramm leichter als der Kindle Paperwhite! Obwohl ein wenig dicker, liegt er sogar noch angenehmer in der Hand und passt dazu in so ziemlich jede Tasche. All das bei gleicher Bildschirmdiagonale von 6 Zoll. Beim Display handelt es sich um klassisches Pearl E-Ink mit 16 Graustufen. Die Bedienung erfolgt über ein Infrarot-Touchscreen. Hier folgt Kobo nicht dem Paperwhite, der einen kapazitiven Touchscreen verwendet. Das ändert am Komfort allerdings nichts – der Glo bedient sich ebenfalls sehr gut und flott. Nur bei sehr schnellen Eingaben auf der Tastatur „schluckt“ der Touchscreen den einen oder anderen Befehl. Aber auch das lässt sich mit ein wenig Geduld in den Griff bekommen.

Wie lange hält der Akku durch?

Das interessanteste Feature des Bildschirms ist selbstredend die Beleuchtung. Hier übertrumpft Kobo den amerikanischen Kontrahenten: Die Ausleuchtung ist beim Glo sogar noch einen Tick gleichmäßiger als beim Paperwhite. Auch die Helligkeit lässt sich beim Glo noch etwas höher als beim Paperwhite einstellen, doch die hellste Stufe ist für den täglichen Gebrauch eher unpraktisch. Nach ein wenig herumprobieren wird man sich etwa in der Mitte des frei verschiebbaren Reglers wiederfinden. Diese Einstellung erzeugt den besten Kontrast, ist ausreichend hell für alle Umgebungen und zu dem relativ energiesparend. Die Akkulauftzeit wird von Kobo mit einem Monat ohne Glowlight und Wi-Fi angegeben. Andere Quellen sprechen von ca. 30.000 Seitenwechseln. Damit liegt der Glo auf dem Papier hinter dem Paperwhite. In der Praxis berichten einige Nutzer bei eingeschalteter Beleuchtung von sehr ähnlichen Werten der beiden Reader. Die Batterie des Paperwhite ist de facto leistungsfähiger, dafür scheint die Beleuchtung des Glo sparsamer zu sein. So oder so wird man mit dem Glo aber definitiv nicht jeden Tag an die Steckdose müssen, ein einwöchiger Urlaub dürfte auch mit aktivierter Beleuchtung kein Problem darstellen.

Ein weiteres Highlight ist der Slot für microSD Karten. Den der Kobo Glo lässt sich, anders als der Kindle Paperwhite, mit bis zu 32GB aufrüsten. Das wäre zwar für Bücher alleine übertrieben viel Speicherplatz, aber ein paar Gigabyte mehr können nicht schaden, wenn man mit einer sehr großen Bibliothek bereits an die Grenzen von 2GB stößt. Die Technik des Kobo Glo überzeugt also auf ganzer Linie. Er ist klein, leicht, handlich, ausdauernd (genug) und leuchtet sehr ausgewogen. An der Hardware gibt es also nichts auszusetzen, wie sieht es also bei der Software und dem eigentlichen Lesen aus?

Herr, lass Updates vom Himmel fallen

Wer viel arbeitet mit seinem Reader, sollte sich beim Glo auf die ein oder andere Schikane einstellen. Den die Software ist leider nicht so ausgereift wie z.B. die des Sony PRS-T2. Den Glo plagen auch in der neuesten Version noch einige Softwarefehler und generelle Designprobleme in der Firmware. So ist die Darstellung von PDFs nicht wirklich gut gelungen, die Bedienung ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Auch der Browser ist nicht mehr als eine Notlösung, falls mal kein Handy, Tablet oder Computer zur Hand ist. Der Glo beherrscht nämlich keinen „Pinch-to-zoom“, man muss also alle Inhalte mit einer Leiste heranzoomen. Auch in Büchern gibt es einige Ungereimtheiten. So ist das Markieren von einzelnen Textstellen hakelig, hinzugefügte Notizen lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines zusätzlichen Programms oder eben gar nicht auf den heimischen Rechner übertragen. Und manchmal erlaubt sich der Reader, das Buch nicht auf der zuletzt gelesenen Seite, sondern am Anfang des Kapitels zu öffnen. Das passiert jedoch nur dann, wenn das Gerät vorher völlig ausgeschaltet war und nicht nur im Ruhemodus. Doch zum Glück ist bei der Firmware des Glo Hopfen und Malz noch nicht verloren, die Entwickler bei Kobo veröffentlichen regelmäßig neue Updates, mit denen auch die Fehler behoben werden.

Am besten liest es sich mit “Kobo Nickel”

Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall das sehr individuell gestaltbare Schriftbild. Es gibt sieben vorinstallierte Schriftarten, und man kann theoretisch sogar noch weitere installieren. Uns gefiel besonders die Schriftart „Kobo Nickel“. Zusätzlich zur Schriftart lassen sich noch die Größe, das Gewicht und die Schärfe der Lettern einstellen. Dadurch sind der Kontrast und die Lesbarkeit bis ins kleinste Detail zu bestimmen. Ränder und Zeilenabstand lassen sich ebenfalls personalisieren. Kleiner Haken: Bei manchen ePubs sind Schriftgröße, Schriftart und andere Eigenschaften fest vorgegeben, sodass man sie erst mit Programmen wie Calibre bearbeiten muss, bevor sich die Leseansicht auf dem Glo verändern lässt. Hier tritt zum Vorschein, was den Glo vom Paperwhite unterscheidet: Der Nutzer muss/darf an vielen Schrauben des Systems drehen. Wem es Spaß macht die Kontrolle über so viele Parameter wie möglich zu haben, der wird mit dem Glo glücklich. Wer allerdings großen Wert auf ein einfaches System legt, könnte mit dem Kobo so seine Schwierigkeiten bekommen.

Export von Markierungen & Notizen

Lesen lässt es sich auf dem Kobo nach all den entsprechenden Vorkehrungen dann ähnlich gut wie auf dem Konkurrenzprodukt von Amazon: Der Kontrast ist angenehm, die Schrift gut zu lesen und der Seitenwechsel geht angenehm flott vonstatten. Das Glimmerlicht sorgt für Lesbarkeit in allen Lebenslagen, Markierungen und Notizen sind möglich, problematisch bleibt jedoch der Export. Die installierten Wörterbücher machen einen soliden Eindruck, es lassen sich weitere hinzufügen. Die Zusatzfunktionen bieten bei der Lektüre nichts außergewöhnliches, für wissenschaftliches Arbeiten sind sie nur bedingt geeignet. Der Kobo Glo ist ein Reader für Liebhaber der Literatur und Bewunderer der Belletristik, nicht so sehr für büffelnde Studenten oder lehrende Professoren.

Die Menüs wiederum sind logisch und übersichtlich aufgebaut und lassen sich von jedermann problemlos bedienen. Der Heimbildschirm beherbergt die fünf zuletzt gelesenen Bücher in einer Cover-Ansicht und Verlinkungen zum Kobo-Shop, der eigenen Bibliothek, dem Reading Life und der Sync-funktion. Ein Button oben links auf dem Bildschirm führt jederzeit auf den Heimbildschirm zurück, oben rechts geht es in die Einstellungen. Auch das Scrollen und Suchen in der Bibliothek läuft ohne Probleme. Insgesamt verfügt der Glo also über ein sehr intuitives und einfaches Interface, das dem des Paperwhite in nichts nachsteht.

Fazit: Kobo gleichauf mit Amazon

Zum Schluss bleibt eigentlich nur eine Glaubensfrage übrig: Kindle oder Kobo, einfach aber eingeschränkt oder kompliziert aber frei? Technisch hält der Glo mehr als nur Schritt. Es ist die Software, über die er sich definiert. Wer sich an den kleinen Ecken und Kanten des Glo nicht stört und ein wenig Vertrauen für die Entwickler übrig hat, findet hier einen ausgezeichneten Reader, der in einigen Punkten sogar besser abschneidet als der Paperwhite. Wenn man der Community glauben darf, werden die zukünftigen Updates noch einige positive Änderungen bereithalten, die den Glo noch weiter in Richtung der E-Reader-Avantgarde katapultieren werden. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit meinem Kauf und würde den Kobo Glo auch meinem besten Freund empfehlen. Vorausgesetzt, dass dieser mit Computern umgehen kann. Und keine Diplomarbeit mithilfe eines E-Books schreiben möchte.

Kobo Glo Specs


Display

6 Zoll Touch-Screen E-Ink Display,
1024×768 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

185 Gramm

Schnittstellen

Mikro-USB, SD-Slot, WLAN

Speicher

2 GB intern

E-Book-Formate

epub, PDF, etc.

Zus. Features

Glowlight-Funktion, Reading Life

Preis

129 Euro

Autor (Text/Bilder) & Copyright: Marc Günther

5 Kommentare »

  • Martina Schein schrieb:

    Hallo Ansgar Marc,

    mit meinem mittlerweile 3. »Kobo Glo« bin ich rundum zufrieden. Zwei Mal musste ich ihn umtauschen, da sich das Gerät jeweils komplett aufgehängt hatte. Es ging gar nichts mehr.

    Bei diesem neuen Reader jedoch habe ich keine Hänger und Aussetzer mehr und ich musste bisher auch noch nie die Büroklammer bemühen.

    Okay, er behält bei der Firmware 2.3.1 die Leseposition nicht, wenn ich aus dem Buch rausgehe, doch da ich das weiß, kann ich ja jeweils ein Lesezeichen setzen.

    Ich hoffe, dass Kobo das Problem mit der Firmware – ständig neue Bugs – bald in den Griff bekommt, denn ich denke, auf etliche Lesefreudige hat dies doch eher eine abschreckende Wirkung.

    Die Beleuchtung ist wirklich klasse und ich möchte sie absolut nicht mehr missen. Es ist einfach nur toll für eine Leseratte wie mich, die an allen möglichen und auch unmöglichen Orten liest, dies nun immer problemlos zu können.
    Ich habe übrigens »Stufe 3« eingeschaltet. Sie gefällt mir von allen am besten.

    Meine liebste Schriftart ist allerdings nicht »Kobo Nickel« sondern »Georgia«.

    Der Akku ist nach 2 Wochen Lesen – ca. 30 bis gut 60 Minuten pro Tag immer noch zu 61% gefüllt.

    Nachdem ich meinem »Kleenen« nach den Umtauschaktionen ein neues Cover – die »Lederschutzhülle von Noreve« spendiert habe, fühlt er sich gleich noch viel wohler bei mir. :-)

    Liebe Grüße
    Martina

  • Martina Schein schrieb:

    Sorry, habe eben erst gesehen, dass der Autor »Marc« heißt … dann natürlich … Hallo Marc :-)

    Kann auch in dem obigen Artikel geändert werden.

  • letthesunshine schrieb:

    Der Kobo Glo wurde einen Tag bevor “Amazon einen neuen Branchen-Standard definierte” vorgestellt. Aber das nur nebenbei.

    iRiver StoryHD gib’s übrigens schon seit einem Jahr mit dieser Auflösung.

  • Ansgar Warner schrieb:

    Ja, Kobo war ein bisschen schneller. Aber als Standard wird sich wohl trotzdem Amazon durchsetzen – also die Kombination von XGA-Auflösung, Glimmerlicht und kapazitiver Touch-Funktion. Die Infrarot-Lösung beim Touchscreen wie bei Kobo ist einfach zu störanfällig…

  • Marc (author) schrieb:

    Dass der Kobo Glo sogar noch vor dem Paperwhite vorgestellt wurde ist mir zwar neu, ändert allerdings nichts an dem Fakt, dass Amazon nun mal der Marktführer ist und damit die Trends setzt. Und die Gerüchteküche brodelte ja bereits lange vor den beiden Veröffentlichungen und sprach ebenfalls von höherer Auflösung und eben Glimmerlicht.