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Kladde Buchverlag setzt auf Krautpublishing – & kooperiert mit Visionbakery & Buylocal

20 Mai 2014 0 Kommentare

Die Publishing-Crowd hat entschieden – Ulrich Pätzolds erzählerischer Stadtführer „Berlin – Geschichte in Geschichten“ wird erscheinen. Möglich machten das 35 Unterstützer auf der Crowdfunding-Plattform „Visionbakery“, die insgesamt 2.300 Euro vorstreckten. Nicht nur für eine E-Book-Version, sondern für den Druck einer aufwändig gestalteten Print-Auflage von 1000 Stück. Das Besondere bei dieser Aktion: Der Journalist & Publizistik-Prof veröffentlicht seine Hommage an den 20er-Jahre-Flaneur Franz Hessel (Vater des „Empört-euch“-Autors Stéphane Hessel) nicht als Self-Publisher, sondern über das Freiburger Start-Up Kladde Buchverlag. Die im Sommer 2013 gegründete „Manufaktur für Satz und Wort“ setzt bei der Realisierung von Buchprojekten auf Pre-Order-Kampagnen in enger Kooperation mit der Leipziger Crowdfunding-Plattform Visionbakery. „Wir wollen, dass Crowdfunding nicht nur vereinzelt Buchprojekte möglich macht, sondern auch als Weg für die Literatur aller Genres interessant wird“, so Verlagsgründer Jonas Al-Nemri.

Lifestyle-Publishing: Hochwertig statt Quick & dirty

Bewusst umgeht Kladdebuch den „Quick-and-Dirty“-Workflow vieler POD-Projekte – von der Gestaltung durch die Berliner Buchdesignerin Katharina Pätzold über ein sorgfältiges Lektorat bis hin zum Druck in den „freiburger graphischen betrieben“ auf hochwertigem Papier der Manufakturen Gmund und Geese. „Wir möchten damit einen neuen literarischen Lifestyle prägen“, so Al-Nemri. Neben Lifestyle-Publishing gibt es noch einen weiteren Eckpfeiler: fair publishing. Abgesehen von fairen Honoraren oberhalb üblicher Gepflogenheiten bei Publikumsverlagen bedeutet das für die Kladdebuch-Macher den Verzicht auf Amazon als Vertriebsplattform. „Gemeinsam mit Buylocal fokussieren wir den Verkauf unserer Bücher über den unabhängigen, inhabergeführten und regionalen Buchhandel, on- und offline“, heißt es dazu im Verlags-Blog. Was durchaus Sinn machen dürfte – schließlich lauert genau dort das bibliophile, an inhaltlicher Qualität, Haptik und Optik orientierte Lesepublikum.

Auf dem Weg zum deutschen Unbound

Auch bei der Visionbakery freut man sich über den neugewonnenen Partner – in Zukunft sollen in Kooperation mit Kladdebuch die Krautpublishing-Aktivitäten der Leipziger sogar auf einer eigenen Plattform gebündelt werden, ähnlich wie bei den internationalen Vorbildern Unbound oder Pubslush. Ob das tatsächlich funktioniert, bleibt jedoch abzuwarten. Die Community rund um die Visionbakery ist schließlich deutlich kleiner als bei Startnext, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform. Dort haben auch selbständige Krautpublishing-Projekte schon mehrmals fünfstellige Summen erreicht, zuletzt etwa die „Drachenväter“. Von den insgesamt drei Kladdebuch-Kampagnen dagegen hat mit Ulrich Pätzolds Erzählband nur die kleinste ihr Ziel erreicht, während eine etwas ambitioniertere Aktion klar scheiterte. Auch die aktuell laufende Kampagne (Matthias Engels‘ biographischer Roman „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“) wird wohl ganz schön kämpfen müssen. Doch trotz alledem – eins steht fest: mit Kladdebuch gibt’s den ersten echten Krautpublishing-Verlag made in Germany.

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