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Kindle unterstützt bald auch epub – was haben die Leser davon?

25 Mai 2011 Ansgar Warner 8 Kommentare

Amazon akzeptiert jetzt E-Books im epub-Format – vier große US-Verlage sollen eine entsprechende Mitteilung vom Online-Buchhändler erhalten haben. Neben dem hauseigenen Kindle-E-Book-Format wird Amazons E-Reader zukünftig also auch den längst etablierten Branchenstandard unterstützen. Branchenbeobachter führen diesen Schritt auf Amazons Kooperation mit OverDrive zurück, mit der erstmals die Ausleihe von Kindle-E-Books in öffentlichen Bibliotheken möglich wird. Auch bei der Onleihe ist epub das Standardformat. Die kommende epub-Version 3.0 soll zudem die Einbindung von Multimedia-Elementen erleichtern – auch das kann Amazon im Hinblick auf den Trend zum „enhanced E-Book“ nur recht sein.

Format-Sonderweg hat Amazon nicht geschadet

Jeff Bezos gleicht in mancherlei Hinsicht Käptn Ahab – während Melvilles mythischer Jäger nur Moby Dick im Kopf hatte, verfolgte der Amazon-Lenker lange Jahre vor allem eins: Mobipocket. Von Anfang an wurden Kindle-E-Books nur in diesem Format verkauft, kombiniert mit einem eigenen Digital Rights Management (DRM). Was 2007 beim Start des Kindle 1 noch verständlich war, denn der Standard bei Content für PDAs und Handys hieß damals tatsächlich Mobipocket. Nach und nach einigte sich die restliche E-Book-Branche allerdings auf den offenen Standard epub. Offen heißt dabei vor allem: nicht im Besitz eines bestimmten Unternehmens. Mobipocket.com gehört nämlich niemand anderem als Jeff Bezos. Amazons Aufstieg zum E-Book-Händler Nummer 1 hat der Alleingang nicht verhindert: Kindle-E-Books haben in den USA einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Viele Kunden scheint das „closed shop“-System nicht zu stören, zumal über die Kindle-App sich die E-Books auch auf Smartphones und Tablets lesen lassen.

Verlage sparen sich doppelte Konvertierung

In Europa sieht es allerdings ganz anders aus, der alte Kontinent ist eine epub-Zone. Buchhändler und Verlage waren hier von Anfang an bestrebt, sich alle Wege zum Kunden offen zu halten. Selbst ein großer Player wie Thalia hat mit dem Oyo zwar einen eigenen Reader auf den Markt gebracht, sich jedoch nicht durch eigene Standards abgeschottet. Amazons Versuch, mit nationalen Kindle-Stores (wie zuletzt in Deutschland) auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, könnte mit der epub-Unterstützung erleichtert werden. Klar scheint auf jeden Fall: Verlage müssen nun nicht mehr so viel Arbeit in die (doppelte) Konvertierung ihrer Titel stecken, und auch für Freelance-Autoren wird das Direkt-Publishing erleichtert. Was sich aus Kundensicht ändern wird, ist wiederum eine ganz andere Frage.

Was sich für die Kunden ändert, ist ungewiss

DRM-freie epubs wird man zukünftig wohl problemlos auf den Kindle übertragen und lesen können, ohne dass man sie vorher mit Calibre oder anderen Tools umformatieren muss. Doch was mit kopiergeschützten E-Books passiert, die bei Libri, Thalia oder anderswo geshoppt wurden, ist noch völlig unklar. Gleiches gilt für die Übertragbarkeit von kopiergeschützten Kindle-E-Books im epub-Format auf andere Lesegeräte. Bisher jedenfalls ist Amazons hauseigenes DRM-System nicht mit dem ansonsten genutzten Standard von Adobe kompatibel. Die Koexistenz beider DRM-Standards auf einem Gerät wurde bisher sogar aktiv verhindert. Als etwa die Bookeen-Reader per Firmware-Update von Mobipocket auf epub umgestellt wurden, waren kopiergeschützte Mobipocket-Titel nicht mehr lesbar. Wirklich lösen lässt sich das Problem der „zwei Welten“ wohl nur durch den flächendeckenden Verzicht auf DRM.

8 Kommentare »

  • Julia schrieb:

    na das ist doch immerhin schon mal ein Anfang. Es wäre wirklich toll, wenn ich mit meinem Sony trotzdem auch bei amazon shoppen könnte. Wenn man mal bedenkt, wie viele potentielle Kunden amazon mit ihrem closed shop system durch die Lappen gehen… Fehlt nur noch dass die verlagswelt einsieht, dass DRM alles andere als gut ist. DRM fördert die piraterie denke ich mehr, als das es sie verhindert.

  • Werner schrieb:

    Super Nachricht und super Beitrag. Das wird die Kindle-Plattform wohl zu noch schnellerem Wachstum bringen. lg Werner

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Tja, mal abwarten: Möglich ist ja z.B. auch, das Amazon erstmal grundsätzlich erstmal bei Mobipocket & DRM bleibt, epub-Titel dagegen vorerst nur ohne DRM akzeptiert. Also ein One-Way-System etabliert, dem sich die Verlage anschließen können oder auch nicht…

  • Kindle unterstützt bald auch epub – was haben die Leser davon? – E-Book-News.de | MEDIA.AG - Die Agentur für neue Medien schrieb:

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  • Jürgen Schulze schrieb:

    Auch ePub lässt sich mit DRM versehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Epub
    Und im Grunde sind die Formate ähnlich. Das Konvertieren von EPUB zu Mobipocket geht dank kindlegen problemlos.
    Das dürfte für amazon keine Herausforderungen sein, wenn sie sich einmal dazu entscheiden sollten.
    Mir soll es recht sein.
    Je mehr Formate, desto besser.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Ja, die Frage ist eben: welches DRM-Konzept wird Amazon in Zukunft nutzen? Werden die epubs mit einem Amazon-eigenen System verschlüsselt, oder stellt Amazon im Rahmen der epub-Einführung irgendwann komplett auf Adobes DRM um? Und was passiert in der Zwischenzeit? Es wird ja sogar spekuliert, dass epub-E-Books nur ohne DRM in den Kindle Store aufgenommen werden…

  • Dirks Logbuch schrieb:

    epub für Kindle?…

    Wenn das wahr ist, was ich bei den e-book-News gelesen habe, dann dürfen wir mit epub-Unterstützung auf dem Kindle rechnen. Wenn die Digitale Rechte Minderung (DRM) der anderen Anbieter dann auch noch funktioniert, wäre das grossartig. Ich bin von dem …

  • Oliver schrieb:

    Es bleibt abzuwarten, ob der Leser etwas davon hat. Meines Erachtens wäre es (für den Leser) relativ sinnlos, das epub-Format, aber nicht den gebräuchlichen drm-Standard einzuhalten. Das dürfte auch Amazon klar sein: Kosten für Entwicklung und Vertrieb des Updates würden sich nicht rechnen. Ein Amazon eigener drm-epub-Kopierschutz wäre insofern nicht rentabel und auch nicht werbewirksam: “Hey Leute, wir unterstützen jetzt auch epub, aber nur wenn ihr bei uns kauft”. Das kann dem Verbraucher ja egal sein.
    Aber auch mir kann es ja egal sein. Hab sofort nach Erscheinen auf Sonys PRS 650 gesetzt – und wechselte von Amazon zu Libri.