Home » E-Book-Handel

„Kindle Unlimited“ ist da: Amazon startet E-Book-Flatrate für 10 Dollar pro Monat

17 Jul 2014

Für Aboangebote scheinen 10 Dollar (bzw. 10 Euro in Europa) der magische Preis zu sein – insofern kein Zufall, dass auch Amazons neue E-Book-Flatrate auf dieser Schwelle tritt. Wie? Was? Flatrate? Von Amazon? Genau. Erst gestern hatte GigaOM-Autorin Laura Hazard Owen berichtet, das Unternehmen teste unter dem Titel „Kindle Unlimited“ einen neuen Service, der für 9,99 Dollar den unbegrenzten Zugang zu mehr als 600.000 elektronischen Büchern und tausenden Audiobooks bieten soll (siehe das bei Youtube aufgetauchte Promotion-Video). Dann ging alles sehr schnell: Kaum einen Tag später verkündete Amazon offiziell den Start von Kindle Unlimited – US-Kunden können ab sofort ein 30-tägiges Probeabo abschließen.

Die Verhandlungen mit großen Verlagen liefen offenbar schon seit Monaten – verständlicherweise, denn Amazon ist diesmal nicht der „First Mover“: in den USA bieten Flatrate-Apps wie Oyster oder Scribd schon seit einiger Zeit eine große Auswahl kommerzieller Titel, gerade auch von großen Publishern aus der Riege der „Big Five“ wie Simon & Schuster oder HarperCollins. Amazon mag zwar die größte Kundenbasis besitzen, aber schon der Start des ersten Kindle-Readers hat schließlich gezeigt: auch das E-Book-Angebot muss die kritische Masse haben, um die kritischen Massen zu überzeugen.

Außerdem muss Amazon sich natürlich auch selbst übertreffen, denn für Premium-Kunden gibt’s ja in den USA wie auch Europa bereits eine Flatrate, die neben Musik und Video auch kostenlosen Zugang zur Kindle-Leihbücherei bietet, allerdings nur ein Buch pro Monat. Doch die Auswahl ist auch hier sehr groß: 600.000 Titel umfasst das Angebot in den USA bereits, darunter neben Self-Publishing-Büchern auch die ganze Palette von Amazons eigenen Imprints.

Und was ist für die Autoren drin? Verlage erhalten offenbar den normalen Verkaufspreis erstattet, wenn eine bestimmte Textmenge konsumiert wurde, KDP-Autoren dagegen bekommen über das „Select-Programm“ wie beim Check-Out aus der Kindle-Leihbibliothek einen Anteil aus dem von Amazon regelmäßig neu festgelegten, gedeckelten Autoren-Fonds („KOLL-Fund“), sobald ein Nutzer 10 Prozent ihres E-Books gelesen hat.

Bis auf weiteres gibt’s „KU“ nur für US-Kunden, der Termin für einen Europa-Launch steht noch nicht fest. Auch auf dem deutschen Markt gibt’s mit Skoobe und Readfy bereits zwei Platzhirsche für digitale Lach- und Sachbücher im Abo. Die hatten’s bisher jedoch schwer, genügend Verlage von ihrem Konzept zu überzeugen. Das könnte sich nun aber ändern. Handeln muss wohl auch der Buchhandel: Gerade die Tolino-Allianz, Amazons schärfster Konkurrent hierzulande, dürfte nun wohl in Zugzwang geraten.

[Hinweis: Artikel wurde nach dem Start von Kindle Unlimited am 18.07. aktualisiert]