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Kindle über alles: E-Books bei Amazon.com überholen Paperback plus Hardcover

19 Mai 2011 Ansgar Warner 2 Kommentare

Amazon hat im April 2011 in den USA mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft – und zwar in allen Kategorien. Die Downloads elektronischer Lektüre via Kindle Reader und Kindle App übertrafen erstmals die gesamte verkaufte Auflage an Paperback und Hardcover-Ausgaben. Der Erfolg des preislich vergünstigten „Special Offer“-Kindles hat das Erreichen dieser Rekordmarke offenbar zusätzlich beschleunigt. Innerhalb weniger Wochen avancierte das durch Werbeeinblendungen quersubventionierte Lesegerät zum Bestseller im Kindle-Fuhrpark.

Peak Print bleibt aus: Wachstum auch bei Papierversionen

Es wird nicht der letzte Rekord aus dem Hause Amazon bleiben – doch prinzipiell ist die aktuelle Meldung nicht mehr zu übertreffen: die Gutenberg-Galaxis wurde endgültig abgehängt, zumindest bei Amerikas größtem Online-Buchhändler. In gewisser Regelmäßigkeit hatte Amazon zwar schon öfter ganz ähnlich klingende Verlautbarungen produziert. Bei bisherigen Rekordnachrichten wurden aber Titel herausgerechnet, die nicht als E-Book lieferbar waren. Interessanterweise geht der finale Kindle Boom dieser Tage nicht mit „Peak Print“ einher. Denn auch die Verkaufszahlen bei gedruckten Büchern wachsen weiter. Passend dazu erreichte die Amazon-Aktie in diesen Wochen mit 200 Dollar ihren historischen Höchststand.

Kindle-Reader bleibt wichtigste Plattform

Wichtigstes Standbein für den E-Book-Boom bleibt der Kindle-Reader – alleine 2010 sollen bis zu 8 Millionen Geräte ausgeliefert worden sein. Amazon selbst gibt natürlich auch weiterhin keine genauen Zahlen heraus. Völlig im Trüben fischen muss man aber nicht. So könnte nach Schätzungen von Analysten bis 2012 die Gerätebasis auf bis zu 20 Millionen Kindles anwachsen. Zwar wächst durch die Kindle-App auch die Zahl der potentiellen Alternativ-Plattformen vom Netbook bis zu Tablets und Smartphones. Am meisten gelesen wird aber immer noch auf dem E-Ink-Display. Während pro Jahr jeder Nutzer durchschnittlich etwa 15 E-Books auf den Kindle-Reader herunterlädt, sollen es bei Kindle Apps nur etwa 2 E-Books sein. Neue Dynamik in dieses Verhältnis zwischen E-Ink und LCD-Screen dürfte dabei das für Ende 2011 erwartet Amazon-Tablet bringen.

Wo bleiben die Rekordmeldungen bei Amazon.de?

Eine wachsende Rolle spielen neben E-Book-Downloads auf dem Kindle übrigens auch die Abos von elektronischen Zeitungen und Zeitschriften. Während Amazon.com mit Kindle-Books nach Analysten-Schätzung in diesem Jahr 2,6 Milliarden Dollar umsetzen wird, sind es bei den „subscriptions“ immerhin schon 730 Millionen Dollar. Die Erfolgsgeschichte des US-Kindle-Stores beginnt sich derweil in Europa zu wiederholen. Nachdem im April 2010 der britische Kindle-Store die Pforten öffnete, werden bei Amazon.co.uk mittlerweile doppelt so viele E-Books wie Hardcover verkauft. Ob es bald auch solche Rekordmeldungen aus Deutschland geben wird? Das dürfte neben den Buchpreisen wohl vor allem von der Zahl der lieferbaren E-Books abhängen. Während bei Amazon.com mittlerweile mehr als 900.000 Titel elektronisch lieferbar sind, bekommt man im deutschen Kindle-Store erst knapp 30.000 Kindle-Books.

2 Kommentare »

  • Werner schrieb:

    Hallo Ansgar,
    leider habe ich gerade genau über dieses Thema auch einen Beitrag geschrieben, der nicht annähernd die Qualität deines Beitrages hat. Daher werde ich deinen Artikel wieder einmal übernehmen müssen. Sollte dich mein nachhaltiges Epigonentum stören, dann sag es mir bitte. Aber ansonsten werde ich mich hemmungslos an deinen Beiträge bedienen und auch entsprechend “flattr’n”.
    lg
    Werner

  • Joseph schrieb:

    der Kindle war von Anfang an das hässlichste elektronische Lesegerät – und das beste und mein favorite!
    Gruss,
    Joseph