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Kindle Touch im Test: Verdammt nah dran am echten Tablet

25 Apr 2012 Ansgar Warner 2 Kommentare

Im Krieg gegen die Knöpfe zieht Amazon mit der Konkurrenz gleich – das neue Kindle Touch lässt sich (fast) ausschließlich per Fingertipp auf dem Display bedienen. Übrig geblieben sind nur noch ein Home-Button und der Einschaltknopf. Die WLAN-Version des Touch-Screen-Readers mit kontraststarken Pearl-E-Ink gibt’s ab sofort für 129 Euro, für die 3G-Version muss man noch mal sechzig Euro drauflegen. Neben der Bedienung per Fingerwisch glänzt das neue Kindle Touch mit einer Akku-Laufzeit von zwei Monaten, Speicherplatz für 3000 E-Books und über 75.000 lieferbaren deutschen Titel. Im deutschsprachigen Kindle-Store lassen sich ausführliche Leseproben herunterladen. Externe Lautsprecher, Kopfhörerbuchse und integrierter MP3-Player machen das Kindle Touch auch zum Hörbuch-Player. Englischsprachige E-Books kann man sich dank „Text-to-Speech“-Funktion sogar vorlesen lassen. Wer auf maximalen Komfort zum günstigen Preis setzt, liegt mit dem neuen Kindle Touch goldrichtig. Unser Testurteil: Sehr gut (“Five thumbs up”). Alles weitere verrät der Testbericht von E-Book-News…

Weniger Tasten, mehr Gewicht

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das neue Kindle Touch kaum vom Basismodell der vierten Kindle-Generation, das bereits seit 2011 in Deutschland erhältlich ist (siehe unseren Testbericht). Weggefallen sind allerdings die Umblättertasten am linken und rechten Gehäuserand, ebenso die Funktionstasten neben dem Home-Button. Nimmt man das Gerät in die Hand, fällt sofort ein weiterer Unterschied auf: das Kindle Touch bringt spürbar mehr Gewicht auf die Waage (genauer gesagt je nach Version dreißig bis vierzig Gramm), die Dicke des Gerätes hat ebenfalls merklich zugenommen. Das Display liegt zudem etwas tiefer eingebettet im Gehäuse, damit auch die Infrarot-Sensoren für das Touch-Screen Platz finden. Dreht man das Kindle Touch auf die Rückseite, bemerkt man ein weiteres Feature – nämlich zwei externe Lautsprecher. An der Unterkante findet man zudem den Mikro-USB-Port, den Einschaltknopf sowie die Kopfhörerbuchse.

Easy-Reach-Technik: Lektüre per Fingertipp

Wer vom klassischen Tasten-Kindle auf das Kindle Touch umsteigt, muss sich zunächst etwas umgewöhnen. Auf dem Homescreen gibt es eine neue Kopfleiste mit Back-Button, Direkt-Link zum Kindle-Store, Such-Maske sowie Menübutton. Über den Menü-Button lassen sich alle wichtigen Einstellungen erreichen, etwa die Amazon Account-Daten, Zugangsdaten für das drahtlose Netzwerk sowie Privacy-Optionen. Will man auf dem Homescreen durch die persönliche Bibliothek navigieren, blättert man per Fingerwisch weiter, entweder von links nach rechts oder von oben nach unten. Öffnet man ein E-Book, ändert sich die Bedienung: der Bildschirm ist in verschiedene „aktive“ Bereiche aufgeteilt (Amazon nennt das die „Easy-Reach“-Technik). Tippt man auf den Seitenkopf, werden verschiedene Menüschaltflächen eingeblendet. Die rechten drei Viertel des unteren Seitenbereichs sind für das Vorwärtsblättern reserviert, ein schmaler Streifen am linken Seitenrand für das Zurückblättern. Per Fingerwisch von oben nach unten springt man zum nächsten Kapitel vor, ein Fingerwisch von unten nach oben blättert zurück zum vorherigen Kapitel.

Vom Zweifinger-Zoom bis zu X-Ray

Wie gewohnt lässt sich auch auf dem Kindle Touch die Leseansicht komfortabel auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Neben acht Zoomstufen stehen drei Schriftarten sowie drei verschiedene Zeilenabstände bzw. Zeilenbreiten zur Verfügung. Der Schriftgrößen-Zoom lässt sich am einfachsten mit einer Zweifinger-Geste direkt auf der jeweiligen Seite einstellen, wie man es vom Smartphone oder Tablet her gewohnt ist. Da es keinen analogen Button mehr für die Leseansicht gibt, muss man für die übrigen Textfunktionen zunächst mit einem Fingertipp das Menü einblenden, um dann links unten die Schaltfläche „Aa“ zu aktivieren. Direkt daneben findet man die Schaltfläche „Gehe zu“, mit der sich einzelne Kapitel direkt ansteuern lassen. Bei manchen Titeln wird zudem die Funktion „X-Ray“ angeboten. Das X-Ray-Menü bietet eine grafische Darstellung der Häufigkeit bestimmter Namen und Begriffe, und führt per Fingertipp zu einer kompletten Liste der jeweiligen Fundstellen im Text. Wer sich an „Ghosting-Effekten“ auf dem Display stört, kann übrigens unter Einstellungen/Seite aktualisieren den Screen-Refresh bei jedem Umblättern aktualisieren.

Social-Reading-Funktionen

Besonders bequem funktionieren auf dem Kindle Touch die erweiterten Textfunktionen wie etwa das Markieren von Passagen. Hat man mit dem Finger einen Abschnitt markiert, wird eine Menüauswahl eingeblendet – wahlweise kann man den Text über soziale Netzwerke weiterempfehlen, mit der virtuellen Tastatur eine Notiz hinzufügen oder den Text übersetzen lassen. Inwieweit der Kindle Reader Twitter, Facebook und Co. einbindet, kann man im Konfigurationsmenü unter „Leseoptionen“ einstellen. Zu den Social-Reading-Features gehört neben den „beliebten Markierungen“, also der Anzeige besonders häufig von Kindle-Nutzern markierter Textstellen auch das Hervorheben von Textstellen bzw. das Anzeigen von Notizen derjenigen Kindle-Anwender, denen man auf kindle.amazon.com folgt. Wer möchte, kann zudem sämtliche Anmerkungen, die zuletzt gelesene Seite wie auch thematische E-Book-Sammlungen auf dem Amazon-Server sichern.

Kindle Touch als Hörbuch-Player

Während die Basis-Version des Kindle 4 völlig ohne Sound-Funktionen daherkommt, steht beim Kindle Touch die volle Bandbreite zur Verfügung. Zunächst mal ist das neue Kindle ein Hörbuchplayer, sowohl über die externen Lautsprecher wie auch über Kopfhörer. Bei Audible heruntergeladene Hörbücher lassen sich Audiobooks in einer speziellen Menüansicht sogar kapitelweise abspielen. Die Lautstärke muss man mangels externer Buttons allerdings immer auf dem Touchscreen regeln. Lädt man Musikfiles im MP3-Format via USB-Verbindung zum Desktop-PC in den Kindle-Ordner „Music“, kann man die Tracks auch beim Lesen von E-Books im Hintergrund abspielen. Mit von der Partie ist natürlich auch die „Text-to-Speech“-Funktion, die aber wie bisher nur bei ausgewählten englischsprachigen Kindle-Books funktioniert.

Deutlicher Mehrwert gegenüber der Basisversion

Insgesamt bekommt man für 129 Euro – und damit für 30 Euro mehr als bei der Kindle-Basisversion – einen deutlichen Mehrwert, und das nicht nur, was die Audio-Features betrifft. Dank Touch-Screen ist auch die Nutzung des experimentellen Webbrowsers deutlich benutzerfreundlicher geworden. Die Akkulaufzeit hat sich mit nun zwei Monaten sogar verdoppelt. Beim E-Ink-Kontrast und der Reaktionsgeschwindigkeit des berührungsempfindlichen Displays liegt das Kindle Touch zudem gleichauf mit dem Kobo Touch und Sonys PR-T1. Ob sich der Umstieg für Nutzer des Kindle 3 („Kindle Keyboard“) bzw. dem „normalen“ Kindle 4 auf das Kindle Touch lohnt, ist allerdings fraglich. Wer vor allem mobil lesen möchte, ist mit der Basisversion für 99 Euro wohl genauso gut bedient. Eins ist jedoch klar: Solange das Kindle Fire in Deutschland noch nicht erhältlich ist, wird man mehr Tablet-Gefühl als mit dem Kindle Touch auf keinem anderen Amazon-Gerät bekommen. Unser Testurteil: jeweils ein “Sehr gut” für Display/Kontrast, Usability sowie Content, und somit auch insgesamt ein “Sehr gut” (“Five thumbs up”).

Kindle Touch (WLAN/3G) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen, 600x800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

213/220 Gramm (WiFi/3G-Version)

Schnittstellen

USB, WLAN bzw. WLAN plus 3G

Interner Speicher

4 Gigabyte, benutzbar: 3 Gigabyte

E-Book-Formate

Kindle-Book, PDF, etc. (kein epub!)

Audio-Features

3,5 mm Kopfhörerbuchse, Externe Lautsprecher,Text-to-Speech

Preis

129 Eurobzw. 189 Euro

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