Kindle Paperwhite 3, oder: in der Möbius-Schleife der Gadget-Gerüchte

Die Gerüchteküche rund um die dritte Generation des Kindle Paperwhite erinnert an eine absurde Möbius-Schleife – letztlich kann man überhaupt nicht entscheiden, ob die gerade vorgebrachten Argumente auf der richtigen oder der falschen Seite liegen. Alles, was dabei herauskommt, ist ein PR-Hype rund um eine Black Box. Interessant ist die Diskussion aber trotzdem, denn dahinter steckt die Frage: wohin werden sich E-Ink-Reader entwickeln? Weiter in Richtung Tablet, oder weiter in Richtung High-Tech-Papier-Imitat?

Aber der Reihe nach: Michael Kozlowski von Good e-Reader will von einem Amazon-Insider erfahren haben, dass das kommende Paperwhite Nummero 3 mit einem hochauflösenden, flexiblen Display ausgestattet wird – und zwar auf Grundlage der von Sony und E-Ink entwickelten Mobius-Technologie. Tatsächlich gibt’s ja auch schon ein Beispiel für solch ein Gerät, nämlich den von Sony im letzten Jahr vorgestellten Prototypen im sehr großzügigen 13,3-Zoll-Format. Hochauflösend, leicht und flexibel – und in diesem Format vor allem zur Lektüre von PDF-Dokumenten geeignet.

Dazu kommt: Auch kleinere Mobius-Displays im üblichen 6-Zoll-Format sollen bereits kurz vor der Marktreife stehen. Für Amazon könnte der Umstieg auf Mobius also den großen Sprung nach vorn ermöglichen – nachdem Glowlight und XGA-Auflösung mittlerweile zum Branchenstandard geworden sind, den neben Kobo oder Barnes&Noble längst auch viele Dritthersteller von Low-Price-Geräten erreichen. Da Amazon neben den Kindle Fire Tablets wohl auch schon an einem Smartphone werkelt, stellt sich also die Frage, was zukünftig die USP der Reader-Sparte darstellen soll. Mobius würde ja ein solches Alleinstellungsmerkmal bieten…

Aber auch den Argumenten von Nate Hoffelder von The Digital Reader kann man sich wohl kaum verschließen – all diejenigen, die über das neue Paperwhite Display schwadronieren, haben in letzter Zeit nicht gerade eine hohe Trefferquote bei der Vorhersage von solchen Innovationen gehabt, Kozlowski inklusive. Was auch daran liegt, dass Amazon sehr konservativ vorgeht, bis auf die Einführung des Glimmerlicht-Features gab es bisher immer nur graduelle Verbesserungen von Kontrast und Auflösung des E-Ink-Displays. Ansonsten blieb es schwarz-weiß und hart wie eh und je.

Abb.: Wikimedia Commons (cc-by-sa 3.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".