Kindle-Book-Verleih als Umsatztreiber – auch Indie-Autoren profitieren

Amazons Kindle-Book-Verleih wirkt sich positiv auf die Verkaufszahlen aus – bestes Beispiel ist die „Hunger Games“-Serie von Suzanne Collins, in Deutschland unter dem Titel „Die Tribute von Panem“ bekannt. Eigentlich können Mitglieder des Premium-Programms („Amazon Prime“) die gesamte Trilogie via Kindle Owner’s Lending Library kostenlos lesen, allerdings nur ein Buch pro Monat. Was offenbar dazu führte, dass ein Viertel der Kunden, die den ersten Band ausgeliehen hatte, danach Band 2 („Catching Fire“) kaufte, ein weiteres Viertel Band drei („Mockingjay“).

Insgesamt haben nach Angaben von Amazon die Umsatzzahlen von Backlist-Titeln im Rahmen des Kindle-Book-Verleihs 229 Prozent mehr zugenommen als Bücher nicht teilnehmender Autoren. Mittlerweile sind mehr als 100.000 Kindle-Books für Premium-Mitglieder kostenlos ausleihbar, darunter 16 Titel aus den Kindle Top 100. Teilnehmende Autoren werden an monatlichen Ausschüttungen beteiligt, zuletzt gab es pro Ausleihe 2,18 Dollar. Davon profitieren auch viele Independent-Autoren, so etwa Martin Crosbie mit seinem Roman „My Temporary Life“. Alleine im Monat März brachten ihm knapp 20.000 Ausleihen eine Ausschüttung von 45.000 Dollar ein.

Um an Amazons lukrativem E-Book-Verleih teilzunehmen, müssen Self-Publishing-Autoren auf der Kindle Direkt-Publishing-Plattform (KDP) die Option „KDP Select“ auswählen. Damit erklären sie sich einverstanden, das jeweilige Kindle-Book für mindestens 90 Tage ausschließlich im Kindle-Store anzubieten. Neben der Aussicht auf Ausschüttungen für ausgeliehene Titel haben Autoren dadurch auch die Möglichkeit, ihr E-Book an fünf Tagen kostenlos anzubieten. Schaffen sie es damit in die Top 100 der kostenlosen Kindle-Books bzw. die thematischen Bestseller-Kategorien, sorgt das für besondere Aufmerksamkeit und im Anschluss für höhere Umsätze.

“Als Indie-Autorin zähle ich auf KDP Select, um mich auf den Radarschirm der Leser zu bringen“, zitiert Amazon etwa die Erfahrung der Herz-Schmerz-Autorin Kathy Dunnehoff, deren Umsätze fst um das 20-fache gewachsen sind. “Durch die kostenlose Promotion-Möglichkeit und die Aufnahme in die Kindle-Buch-Ausleihe finden meine Romane ein immer breiteres Publikum.“ Auch prominente deutsche Self-Publishing-Autoren wie etwa Emily Bold experimentieren inzwischen mit Amazons KDP-Select-Programm, allerdings hauptsächlich wegen der Möglichkeit zur Veranstaltung von Gratis-Aktionen. Kunden von Amazon.de können nämlich noch nicht an der kostenlosen Ausleihe teilnehmen, und deutsche Titel im US-Kindle-Store werden kaum ausgeliehen.

Abb.: Amazon

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

4 Gedanken zu „Kindle-Book-Verleih als Umsatztreiber – auch Indie-Autoren profitieren“

  1. Das Angebot von E-Books ist für den Kindle meiner Meinung nach noch viel zu gering.

    Da weiche ich doch lieber auf andere Portale aus

    Gruß Petra

  2. Ich habe auch einige Titel beim KDP Select Programm angemeldet und habe mit den Gratistagen gute Erfolge – allerdings nutze ich immer nur einen. Zwei Tage später sieht man dann wie die Abverkaufszahlen steigen. Flauen sie ab, schiebe ich den nächsten Tag ein.
    Für unbekannte Autoren, oder Autoren, die unter einem neuen Pseudonym schreiben, ist das ein tolles Marketinginstrument.

    Aber wie Rubrecht schon geschrieben hat: Für alle Titel passt das nicht, weil man sich selbst beschneidet, wenn man exklusiv bei Amazon anbietet.

    Und natürlich ist es schade, dass deutsche Prime Mitglieder nicht in den Genuß der kostenlosen Ausleihe kommen – das wäre sicher ein zusätzlicher Anreiz für einige Autoren am KDP Select Programm teilzunehmen, denn nicht alle wollen ihre Bücher verschenken.

  3. Der springende Punkt liegt im letzten Satz: Kunden in einem der europäischen Kindle-Stores können die Ausleihe nicht in Anspruch nehmen. Von meinen Büchern sind ein paar unter Amazon.com ausgeliehen worden, dafür gibt es dann ansehnliche Tantiemen, die aber um 30 % US-Steuern geschmälert werden.

    Tatsächlich wertig für uns Europäer sind lediglich die fünf Gratis-Aktionstage. Dafür muss jedoch das Verkaufsangebot auf Amazon beschränkt bleiben. Ob sich das unter dem berühmten Strich lohnt, kann nur jeder Autor individuell für sich und seine Situation abschätzen.

  4. Lieber Ansgar,

    vielen lieben Dank für die Blumen („prominente deutsche Self-Publishing-Autoren …“)!
    Zum Thema KDP-Select: tatsächlich ist Select für Indie-Autoren eine tolle Möglichkeit, ihr Werk zu „pushen“ – in Deutschland natürlich momentan ausschließlich durch die Gratistage. Mein Experiment mit „The Curse“ zielte allerdings auf den Markt in den USA sowie in UK – nach fünf aufeinanderfolgenden Gratistagen habe ich fast 4600 eBooks verschenkt – ein erster Schritt, um in dem riesigen Markt „wahrgenommen“ zu werden. Durch die Leih-Möglichkeit hoffe ich, neben den Verkäufen den einen oder anderen Leser gewinnen zu können, und dementsprechend ebenfalls in den Genuss der monatlichen Ausschüttungen kommen zu können ;)
    Schön wäre es natürlich, wenn Amazon auch deutschen Prime-Kunden die Ausleihe ermöglichen würde – profitieren würde davon nicht nur der Autor, sondern auch der Leser.

    In diesem Sinne frohe Ostern und liebe Grüße,
    Emily

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