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Kindergärtnerin, Krankenschwester, Krimiautorin – schlecht bezahlt, selbst schuld? Gender Pay Gap trifft Gender Book Pricing Gap

2 Mai 2018

sonderangebotGender Pay Gap, was war das noch mal? Ach ja, klar, Frauen werden schlechter bezahlt, weil sie … äh, genau, schlechter bezahlte Berufe wählen, wie Kindergärtnerin, Krankenschwester oder … Krimiautorin? Jein. Das stimmt bekanntlich nur zum Teil, denn auch in besser bezahlten Berufen werden Frauen „unerklärlicherweise“ vom meist männlichen Management schlechter bezahlt. Wie tief die Diskriminierung in unserer Kultur verankert ist, zeigt jetzt interessanterweise eine Studie zum Buchpricing.

Gender Pricing Gap liegt bei 45 Prozent

Soziologin Dana Beth Weinberg und Mathematiker Adam Kapelner vom New Yorker Queens College haben für ihre Studie „Comparing gender discrimination and inequality in indie and traditional publishing“ die Preisgestaltung von mehr als zwei Millionen lieferbaren Büchern nach Gender-bedingten Unterschieden analysiert, und siehe da: Bücher von Autorinnen, die bei Mainstream-Verlagen veröffentlicht werden, werden im Durchschnitt 45% günstiger angeboten (oder sollte man sagen: verramscht?) als die ihrer männlichen Kollegen.

Geringere Unterschiede innerhalb einzelner Genres

Nun ist es allerdings so, siehe ganz oben, dass Autorinnen sehr stark in schlechter bezahlten Belletristik-Genres wie etwa Romance vertreten sind, Autoren dagegen sehr stark in besser bezahlten Genres wie Sachbuch oder Wissenschaft. Was bleibt, wenn man das herausrechnet? Tja. Immer noch eine Lücke: “We expected that taking account of the first two discrimination patterns would knock out any remaining differences in prices within genre“, sagt Weinberg, “but we were wrong about that.“ Auch innerhalb einzelner Genres gab es einen Gender Pay Gap von neun Prozent. Der kam den Forschern nicht ganz unbekannt vor: „In retrospect, perhaps we should not have been surprised about this difference, since this pattern also mirrors the wage inequality within jobs that we see in the larger economy.”

Auch Self-Publishing-Titel sind betroffen…

Doch man kann jetzt auch nicht einfach männlich dominierte Verlage vollumfänglich für diese Ungerechtigkeit in Haftung nehmen, ja nicht einmal Verlage überhaupt. Denn auch bei Self-Publishing-Titeln ergab sich innerhalb einzelner Genres von vier Prozent, bei Indie-Titeln insgesamt von sieben Prozent. Was ja letztlich heißen könnte: die von Männern wie Frauen internalisierten sozialen Normen führen auch bei Selbstverlegerinnen dazu, sich unter Wert zu verkaufen.

Vielleicht müsste man aber ohnehin noch mal eine komplette Gegenrechnung aufmachen, was die tatsächlichen Erlöse betrifft. Denn niedriger bepreiste Bücher verkaufen sich ja auch besser — sollte am Ende der erzielte Durchschnitts-Gesamtumsatz von Autorinnen also ähnlich hoch oder sogar höher sein als der von Autoren? Hugh Howey & Data Guy vom Author Earnings Report, bitte übernehmen!

(via The Guardian)

Abb.: Taro the Shiba Inu (cc-by-2.0)