Kennzeichnungspflicht für Robo-Journalismus? Journalisten meinen ja, Zeitungsverleger: nein

robo-journalismus-kennzeichnungspflichtBisher müssen ja eher die (Online-)Leser dann und wann versichern: „Ich bin kein Roboter!“, und zum Beweis mal zwei plus zwei zusammenzählen, mal ein alphanumerisches Captcha lösen. In Zukunft dürfte sich eher die umgekehrte Frage stellen: Wer hat das geschrieben, Mensch oder Maschinen? Denn aus den Randspalten von Sportteilen, Börsentabellen und Wetter-Rubriken marschieren die Robo-Journalisten Schritt für Schritt und Seite für Seite voran in Richtung Aufmacher. Bisher eher unbemerkt, denn gekennzeichnet werden viele dieser automatisch erstellten „Robotertexte“ nicht.

„Quellentransparenz ist unabdingbar“

Das Medienmagazin Journalist (herausgegeben vom Deutschen Journalisten-Verband, DJV) hat sich jetzt mal in der Branche umgehört (siehe die August-Ausgabe des Magazins), und siehe da: in der Zunft scheint sich eine qualitative Mehrheit für die Kennzeichnung all jener Inhalte abzuzeichnen, die von Algorithmen zusammengedengelt wurden. Für die stellvertretende DJV-Vorsitzende Kathrin Konyen ist diese Form von „Quellentransparenz“ für die vierte Gewalt der Demokratie namens Journalismus „unabdingbar“, sie plädiert für spezielle Robojourni-Kürzel entsprechend den bisherigen Agenturkürzeln. Auch Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, ist aus „presseethischen“ Gründen für die Kennzeichnung.

„Kennzeichnung ist Sache der Verlage“

Zurückhaltend gibt sich lediglich der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger – man solle die Entscheidung den einzelnen Verlagen überlassen, so die BDZV-Pressesprecherin Anja Pasquay. Was ja irgendwie verständlich ist: diejenigen, die teure Journalisten aus Fleisch und Blut möglichst mit preiswerten Robo-Skribenten ersetzen wollen, sehen es locker, die Redakteure, Journalisten und deren Standesvertreter, um deren Kragen es letztlich geht, sind für klare Regeln.
Noch spannender wäre jetzt natürlich die Frage: Was denken eigentlich die Leser?

(via Presseportal.de)

Abb.: k rupp (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".