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Keine Feier ohne Thalimayer: Was die Mini-Megafusion für den deutschen Buchhandel bedeutet

6 Feb 2019

thalimayerDie wohl wichtigste Meldung des Jahres 2019 kam kurz nach Neujahr: „Megafusion“ zwischen Thalia und der Mayerschen Buchhandlung – Deutschlands größte verbliebene Kette und der größte regionale Filialist schließen sich zusammen. Die Rechnung lautet: 300 Filialen plus 55 Filialen gleich 355 Filialen. Entfallen soll durch den Zusammenschluss nämlich vorerst kein Standort – hieß es jedenfalls von beiden Seiten. Ob am Ende an allen Standorten das Firmenschild Thalia prangen wird, ist dagegen zumindest fraglich. Noch steht natürlich auch noch die Genehmigung durch das Bundeskartellamt aus, doch angesichts des immer noch breit aufgestellen Markts mit großen Playern wie Hugendubel und Weltbild sowie kleineren Regionalketten wie Osiander sollte nichts dagegen sprechen.

Die Angst vor Amazon geht weiter um

Hinter der Fusion steht selbstverständlich, wie bei vielen Buchhandels-Entwicklungen der letzten zehn Jahre, niemand anderes als Amazon, für das Deutschland der zweitwichtigste Auslandsmarkt ist. Das Unternehmen betreibt zwar bisher keine eigenen Buchhandlungen auf deutschem Boden, bewegt sich aber umsatzmäßig — soweit man das überhaupt vergleichen kann — als Online-Buchhändler auf Augenhöhe mit dem neuen „Thalimayer“-Konstrukt. Da beide Fusionspartner auch Mitglied der Tolino-Allianz sind, haben sie wiederum ein starkes Bein im deutschen E-Book-Markt und können gemeinsam dem Kindle-Universum Paroli bieten.

Druck im Buchhandel erhöht sich

Ohnehin hatte sich Thalia nach der Übernahme durch Herder als „Botschafter für geistige Nahrung“ bereits neu aufgestellt und kräftige in neue Marketingkonzepte investiert – was viele als ein branchenweites Signal verstanden. Ob die nun verkündete Fusion allerdings dem traditionellen Buchhandel guttut, ist wiederum eine ganz andere Frage — denn Thalimayer konkurriert vor Ort natürlich auch mit den sonstigen Filialisten und unabhängigen Buchhandlungen, wenn auch nicht über den Buchpreis. Und so titelte die Wirtschaftwoche wohl zu recht: „Die Fusion von Thalia und Mayersche wird den Druck im Buchhandel weiter erhöhen“. Fortsetzung folgt. Schnappt sich Hugendubel jetzt Osiander? Oder kauft Amazon doch noch Weltbild? Selbst wenn sich manche Befürchtungen in punkto disruptiver Buch(handels-)Apokalypse nicht bewahrheitet haben: Die nächsten zehn Jahre dürften wohl für die Branche genauso spannend werden wie die letzten zehn Jahre.