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Kein Heureka bei Libreka? Insider kritisieren E-Book-Store des deutschen Buchhandels

19 Okt 2009

Libreka im Kreuzfeuer: die E-Book-Plattform des deutschen Buchhandels musste während der Frankfurter Buchmesse harsche Kritik einstecken. Ein ebenso offener wie anonymer Brief eines Branchenkenners spricht von Missmanagement, technischen Unzulänglichkeiten und niedrigem Besucherzahlen. Auch einige große Verlage sehen das Projekt skeptisch. Der Börsenverein stellte sich demonstrativ hinter Libreka-Chef Ronald Schild.

Drei Dutzend Downloads pro Monat: hat Libreka eine Chance gegen Amazon?

Er soll die Wunderwaffe des Buchhandels im Kampf gegen Branchenriesen wie Google und Amazon sein: mit viel Tamtam war Libreka, der E-Book-Store des deutschen Buchhandels, Anfang dieses Jahres online gegangen. Zunächst nur als Recherche-Instrument nutzbar, mit der Möglichkeit, in E-Books seitenweise hineinzuschnuppern, sind mittlerweile auch mehr als 14.000 E-Books käuflich zu erwerben. Doch wenn die aktuellen Vorwürfe stimmen, ist die Wunderwaffe eher stumpf. 5000 Besucher täglich und monatliche E-Book-Verkäufe im niedrigen zweistelligen Bereich – das wäre tatsächlich ein mageres Ergebnis. Laut Buchreport war es offenbar ein Mitarbeiter des Libreka-Betreibers MVB selbst, dem Vorzeigeprojekt des Buchhandels jetzt ein äußerst miserables Zeugnis ausstellte. Doch nicht nur quantitativ, auch qualitativ legte der Brandbrief den Finger in die digitale Wunde: Libreka habe keine klar umrissene Hauptaufgabe. Gestartet als Volltextsuche, sei man inzwischen ein mehr schlecht als recht programmierter Online-Shop für E-Books und plane außerdem eine Buchcommunity – es fehle also ein erkennbares Kernprofil. O-Ton: „Es gab und gibt keinerlei nachhaltige Strategie, Planung und Umsetzung. (…) Getrieben wird Libreka von einer Mischung aus Utopien über das Internet und Techniknutzung in der Zukunft sowie kurzfristigem Handlungsdruck.“ Nicht einmal die Originaldaten der E-Books würden sicher gelagert, die interne Suchmaschine liefere wenig relevante Treffer, und Projekte wie „Libreka auf dem iphone“ drohten an mangelndem Know-How zu scheitern.

Libreka-Chef Schild: „Noch haben wir in Deutschland bei E-Books einen Promillemarkt“

Libreka-Chef Roland Schild gab sich gegenüber Buchreport zum Thema E-Book-Handel und seinem Online-Projekt jedoch entspannt: „Ich sehe eine Entwicklung wie in den USA, nur um zwei Jahre verzögert. Noch haben wir hier einen Promillemarkt, den wir uns mit anderen Marktteilnehmern teilen.“ Laut Handelsblatt gibt es allerding deutlich Kritik vor allem von größeren Verlagen an dem bisherigen Libreka-Modell, da man auf andere Vertriebspartner setzt. Kleinere Marktteilnehmer sehen das jedoch anders: „Wir wollen uns doch nicht komplett von Amazon abhängig machen“, begründete ein bayerischer Verleger gegenüber dem Handelsblatt, warum er seine elektronischen Bücher über Libreka vertreibe. An mangelnder PR kann der Mißerfolg jedenfalls nicht gelegen haben: Während der Buchmesse wurde etwa über die „Download-Days“ von Libreka regelmäßig vielerorts berichtet, während denen jeweils für 24 Stunden ein E-Book im epub-Format kostenlos heruntergeladen werden. Download-Zahlen gibt Libreka zwar auch weiterhin nicht bekannt. Doch immerhin: als der aktuelle Roman der frischgebackenen Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller an der Reihe war, brach Heise Online zufolge der Libreka-Server zusammen. Die Aktion wurde deshalb um einen Tag verlängert. Demnächst dürfte der Libreka-Server noch mehr zu tun bekommen: denn im November soll nach Informationen des Handelsblatts nämlich der E-Book-Verkauf via iPhone und Apples App-Store beginnen.