Kein Goldrausch in Sicht: Jeder zweite Self-Publishing-Autor verdient weniger als 500 Dollar

Self-Publishing sei eine „echte Bereicherung für die deutsche Kulturlandschaft“, befand vor kurzem die Stiftung Lesen. Doch die meisten Autoren persönlich bereichern sich durch selbstverlegte Bücher überhaupt nicht, sei es nun via Print-On-Demand oder in elektronischer Form. Das zeigt für den englischen Sprachraum der aktuelle Self-Publishing-Report von Taleist.com, einer australischen Autorenplattform. „Not a Goldrush“ wird die Umfrage unter mehr als 1000 autonomen AutorInnen zusammengefasst. Wohl zurecht, denn im Durchschnitt verdienen die wackeren Selbstverwerter lediglich 10.000 Dollar pro Jahr. Zwar gibt es große Namen wie Amanda Hocking oder EL James, die Millionenauflagen erreichen konnten und inzwischen bei großen Verlagen unter Vertrag sind. Doch bilden sie eher die Ausnahme. Selbst der Durchschnittswert täuscht. Denn drei Viertel der Erlöse fließen an nur zehn Prozent Edelfedern. Mehr als die Hälfte der Self-Publishing Autoren im englischsprachigen Raum kommt auf weniger als 500 Dollar pro Jahr, und ein Viertel der selbstverlegten Bücher deckt am Ende nicht mal die Kosten.

Herzschmerz-Romantik als Erfolgsgarantie?

Ist Self-Publishing also nicht viel mehr als ein Hype ohne Hinterland? Die öffentliche Wahrnehmung scheint zumindest verzerrt zu sein: „Die meisten Nachrichten erzählen von statistischen Ausreißern, deren Erfolg zwar inspirieren mag, aber wie wir feststellen mussten nicht mit der Alltagserfahrung der meisten Autoren übereinstimmt“, so Dave Cornford und Steven Lewis, die Macher des Taleist-Reports. Es kommt aber auch sehr darauf an, worüber man schreibt. Wer sich auf Herzschmerz-Romantik verlegt, verdient dem Report zufolge 170 Prozent mehr als die Kollegen. Sci-Fi- und Fantasy-Autoren dagegen liegen klar unter dem Durchschnitt, klassische Belletristik ebenfalls. Am besten ist es offenbar auch, man ist weiblich und etwa Mitte vierzig. Spitzenverdiener – also solche, die tatsächlich vom Schreiben leben können – sind jedenfalls zu mehr als zwei Dritteln Frauen. Hat man mehr Zeit zum Schreiben, ist man dann zugleich erfolgreicher. Wer mehr als 2000 Worte pro Tag schafft, bekommt mehr Tantiemen als jemand, der bis Mitternacht nur 1.500 Worte zu Papier bringt.

Gute Chancen für Self-Publisher in Deutschland

Größere Chancen haben interessanterweise Autoren, die bereits Titel bei einem klassischen Verlag herausgebracht haben, und erst dann auf den Self-Publishing-Zug aufspringen. Das könnte am Ende auch deutsche Autoren motivieren, es einmal mit E-Books oder zumindest Print-On-Demand zu versuchen. Die Bedingungen waren wohl noch nie so günstig wie 2012: Amazon etwa bietet nicht nur lukrative Self-Publishing-Konditionen für die Kindle-Plattform an, sondern seit kurzem mit „Create Space“ auch eine Print-On-Demand-Lösung, die bis zu 40 Prozent Tantiemen verspricht. Viel zu verlieren haben die deutschen Skribenten ohnehin nicht: Angaben der Künstlersozialkasse zufolge lag das Durchschnittseinkommen von Schriftstellern hierzulande im Jahr 2010 bei knapp 13.500 Euro, Autorinnen verdienten dabei sogar noch 2.800 Euro weniger. Bisher noch eher rar gesäte Self-Publishing-Stars made in Germany wie Emily Bold könnten da zumindest die Richtung vorgeben: es geht auch anders.

Den Report gibt’s unter dem Titel Not a Gold Rush – The Taleist Self-Publishing Survey im Kindle-Store, neben statistischen Infos enthält er wertvolle Tipps für Self-Publisher zu Themen wie Marketing, Lektorat, Cover-Design etc.

Abb.: Flickr/TheGiantVermin

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

8 Gedanken zu „Kein Goldrausch in Sicht: Jeder zweite Self-Publishing-Autor verdient weniger als 500 Dollar“

  1. Viel zu verlieren haben die deutschen Skribenten ohnehin nicht: Angaben der Künstlersozialkasse zufolge lag das Durchschnittseinkommen von Schriftstellern hierzulande im Jahr 2010 bei knapp 13.500 Euro, Autorinnen verdienten dabei sogar noch 2.800 Euro weniger.

    2.800 Euro weniger als wer? Als Schriftsteller? Oder 2.800 Euro weniger als Schriftstellerinnen und Schriftsteller im allgemeinen Durchschnitt?

    (Für die logische Anwendung des generischen Maskulinums braucht man mehr feministische Erfahrung als für simple feministische Schreibweisen.)

    1. Jaja, es geht natürlich um Schriftstellerinnen, hautberufliche zumal, als solche sind sie jedenfalls wie ihre männlichen Kollegen bei der VG Wort gemeldet, gendergebündelt mehr als dreitausend übrigens.

  2. Seltsam, dass immer nur von Belletristik die Rede ist. Mir erscheint es ja mit einem guten Ratgeberthema viel einfacher als mit Belletristik, schon weil es bei Belletristik schwer ist, überhaupt in die Top 100 der jeweiligen Kategorie zu kommen. Das gilt besonders, wenn man – wie bei Herzschmerz – die Groschenromane großer Verlage als Konkurrenz hat. (Mein E-Book ist im Moment bei Kindle auf Platz 7 in der Kategorie „Medizin“ und auf Platz 1 bei „Innere Medizin“. Und ich habe keine sensationellen Verkaufszahlen, sondern ganz passable.)

  3. Hui, die Hälfte der Selfpublishing-eBook-Autoren verdient 500 $ und mehr – das ist doch klasse. Ich erinnere mich an Zahlen aus den USA, dass es im Print ebenfalls eine 50%-Grenze gibt – allerdings sind es dort 50%, die unter 250 $ verdienen.

  4. Naja, wie ist es denn bei den Nicht-Selbstverlegern? Wie viele Autoren verdienen genau gar nichts, weil ihre Werke gar nicht erst verlegt werden?
    Jemand, der sein Buch nicht als Selbstverleger verkaufen kann, könnte dies auf dem normalen Weg sicherlich auch nicht, weil kein Verlag es herausgeben würde.
    Insofern ist der Selbstverlag doch auf jeden Fall eine Chance, überhaupt etwas zu verdienen.

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