Home » Lesen & Schreiben, Self-Publishing

Kein Goldrausch: Deutsche Self-Publisher verdienen durchschnittlich 312 Euro pro Monat

26 Jun 2013 0 Kommentare

“Kann man denn davon leben”? Diese Frage müssen sich nicht nur Verlagsautoren gefallen lassen, sondern auch Self-Publisher. Natürlich kennen wir mittlerweile auch in Deutschland zahlreiche Indie-Erfolgsstories – doch was ist mit der breiten Masse? Matthias Matting (selfpublisherbibel.de) und Hilke-Gesa Bußmann (Uni Frankfurt) wollten es genauer wissen, und starteten im Mai eine ausführliche Online-Umfrage. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor: Von den mehr als 500 Teilnehmern gab fast die Hälfte an, monatlich nicht mehr als 50 Euro einzunehmen. Nur 20 Self-Publisher (=4 Prozent) gaben an, mehr als 2000 Euro zu erzielen. Als durchschnittliche Monatseinnahmen ergeben sich recht magere 312 Euro. “Für die Mehrheit scheint Self-Publishing noch nicht zu einer signifikanten Einnahmequelle geworden zu sein”, resümieren Matting und Bußmann.

Geld ist für die Self-Publisher nicht alles

Rechnet man die 4 Prozent Gutverdiener jedoch auf die ungefähre Gesamtzahl der Independent-Autoren in Deutschland hoch, wird es interessant – mittlerweile würden nämlich bis zu 70.000 Personen im Selbstverlag publizieren, schätzen Matting und Bußmann. Sind die Zahlen der Umfrage wirklich repräsentativ, gäbe es somit knapp 2.800 Indie-Autoren, die vom Schreiben leben können. Tatsächlich steht das liebe Geld bei der Motivation von Self-Publishern auch ganz oben – denn 47 Prozent nennen es als Grund für ihre Aktivitäten. Doch es gibt auch starke nicht-materielle Motive: “Selbstverwirklichung” bzw. “Bekannt werden” oder “Weil ich etwas zu sagen habe” kommen auf Werte zwischen 35 und 40 Prozent. Für ebenfalls 35 Prozent ist Self-Publishing ein Hobby.

International verdienen Indie-Autoren etwas mehr

International liegen die deutschen Self-Publisher zwar etwas zurück, müssen sich aber durchaus nicht verstecken – das zeigen die Zahlen des Self-Publishing-Reports der Autorenplattform taleist.com aus dem Jahr 2012 (“Not a Gold Rush – The Taleist Self-Publishing Survey”), an der knapp 1000 Personen teilnahmen. Demnach verdienen Self-Publisher im englischen Sprachraum im Schnitt 10.000 Dollar pro Jahr, das sind umgerechnet knapp 640 Euro pro Monat. Der “Long Tail” von Geringverdienern ist jedoch auch hier auffällig: mehr als die Hälfte kommt auf weniger als 500 Dollar pro Jahr, und ein Viertel der selbstverlegten Bücher deckt am Ende nicht mal die Kosten. Der Löwinnenanteil fließt an die oberen 10 Prozent – denn das sind zu zwei Drittel nicht Autoren, sondern Autorinnen. Ob das in Deutschland auch so ist?

Abb.: flickr/Giulia Bartra (cc)

Comments are closed.