Preis-Kartell bei E-Books? US-Behörden ermitteln gegen Amazon und Apple

amazon-apple-anti-trust-e-book-pricingBlaue Briefe für Apple und Amazon: US-Behörden werfen den Branchenriesen Kartellbildung beim E-Book-Pricing vor. Der Generalstaatsanwalt des US-Bundestaates Connecticut hat jetzt Ermittlungen aufgenommen. Apple und Amazon arbeiten mit einer „Meistbegünstigtenklausel“. Die Folge für Verlage: sie dürfen E-Books an andere Kunden nicht zu niedrigeren Preisen abgeben. Da Amazon alleine bereits 70 bis 80 Prozent des elektronischen Buchmarkts in den USA beherrscht, gibt es für selbst für große Player wie Hachette Book Group, Macmillan oder Penguin keine echte Alternative.

“Amazon und Apple bestimmen das Preisniveau der wichtigsten Bestseller“

Niedrigpreis-Politik bei E-Book-Bestsellern freut die Kunden, kann für den Verkäufer am Ende aber teuer werden. Diese Erfahrung müssen möglicherweise nun Jeff Bezos und Steve Jobs machen, die Chefs von Amazon und Apple. Der Generalstaatsanwalt des US-Bundestaates Connecticut hat die beiden im Verdacht, mit ihrer Marktmacht den Wettbewerb einzuschränken: „Amazon and Apple können zusammen einen Großteil des Buchmarktes beherrschen, und so mit ihren Meistbegünstigten-Klausenln effektiv das Preisniveau für die wichtigsten Bestseller bestimmen“, hieß es anlässlich der aktuellen kartellrechtlichen Ermittlungen. Der Verdacht ist also: abgesehen von Sonderangeboten zahlen E-Book-Leser in den USA insgesamt kräftig drauf. Nach Angaben des Staatsanwalts haben die Unternehmen mit Hachette Book Group, HarperCollins, Macmillan Publishers, Simon & Schuster sowie der Penguin Group „most-favored- nation clauses“ abgeschlossen. Vorbild für diese juristische Konstruktion sind bilaterale Handelsabkommen der USA mit Drittländern. Auf dem nationalen Markt sind solche Regelungen allerdings nicht grundsätzlich legal – deswegen müssen Apple und Amazon nun zu ihrer Firmenpolitik Stellung nehmen.

Bei E-Book-Formaten setzen Amazon & Apple auf „Closed Shop“-Modelle

Ganz neu sind solche Verdächtigungen allerdings nicht. Apple und Amazon waren schon immer etwas hemdsärmelig, wenn es um die Vorrangstellung auf dem Markt geht. Sowohl Kindle-Reader wie auch iPhone und iPad sind dem Closed-Shop-System verpflichtet: E-Book-Content, der für diese Geräte gekauft wurde, ist nur innerhalb des firmeneigenen „Ökosystems“ zu gebrauchen. Daran ändert selbst die Kindle-App nicht viel – denn andere E-Ink-Geräte bleiben natürlich außen vor, da Amazon den Branchenstandard epub nicht unterstützt. Die künstlichen Barrieren sind jedoch nur ein Teil der Strategie. Gerade Amazon hat den Lesern von Anfang an die abgeschottete Kindle-Welt mit haufenweisen Niedrigpreisen schmackhaft gemacht. Bei Hardcover-Preisen von oft über 20 Dollar griffen viele Leser gerne zur E-Alternative zum Schwellenpreis von 9,99 Dollar. Als in diesem Jahr Apple im Zeichen von iBooks & iPad ebenfalls zum E-Buchhändler wurde, versprachen sich viele Anbieter durch die neue Konkurrenz höhere Preise. Tatsächlich holte Steve Jobs die großen US-Verlage mit dem Versprechen besserer Gewinnmargen ins iBooks-Boot. Doch gerade bei den Bestsellern scheint diese Rechnung auf Dauer nicht aufzugehen. Als der General Attorney von Connecticut nun eine Reihe von E-Book-Titeln vergleichen ließ, kam heraus: die Preisschilder bei Amazon, Apple, Borders sowie Barnes & Noble sind identisch. Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob die Verlage überhaupt Interesse hätten, E-Books an andere Online-Händler noch günstiger abzugeben. Gerade bei den Bestsellern für 9,99 Dollar dürfte das wohl nicht der Fall sein…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".