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Kannibalisierung à l’américaine: US-Buchhandel verzeichnet 9 Prozent minus bei Print

6 Jan 2012

„E-Books essen Print auf“? Vielleicht ist ja doch was dran. In den USA verzeichnete Nielsen BookScan für 2011 jedenfalls ein beinahe zweistelliges Minus bei gedruckter Lektüre. Mit minus neun Prozent hat sich der Rückgang im traditionellen Buchhandel gegenüber 2010 sogar verdoppelt, berichtet das Branchenportal Publishers Weekly. In absoluten Zahlen wurden noch 640 Millionen Bücher aus Papier verkauft, gegenüber 702 Millionen im Vorjahr. Eine spezielle Rolle beim Abwärtstrend 2011 dürfte natürlich auch die Pleite der Buchhandelskette Borders gespielt haben – mit der Schließung hunderter Filialen ging die Verkaufsfläche deutlich zurück.

„Immer mehr Konsumenten wechseln zum E-Book“

Das Siechtum des gedruckten Buches zieht sich durch alle Kategorien und Formate. Besonders betroffen ist allerdings der Bereich Belletristik, genauer gesagt „adult fiction“. Dort ging es mit minus 17 Prozent im vergangenen Jahr besonders steil bergab. Der Grund scheint klar zu sein: „more and more consumers turned to e-books for their fiction fix“, schreibt Publishers Weekly. Durch den Erfolg von Lese-Tablets wie Kindle Fire und Nook haben in diesem Bereich offenbar E-Book-Anbieter wie Amazon oder Barnes&Noble im Jahr 2011 besonders viele Leser abwerben können. 2010 wurde dagegen noch ein Rückgang um lediglich 7 Prozent verzeichnet. Auch im Bereich Kinder- und Jugendbuch („Juvenile fiction“) macht sich die Konkurrenz von E-Ink und Touch-Screen immer stärker bemerkbar. Hier ist gedruckte Lektüre mit einem Minus von fünf Prozent auf dem Rückmarsch.

Belletristik-Taschenbücher besonders betroffen

Besonders stark ist die Konkurrenz zwischen digital und gedruckt im Bereich der einfachen Taschenbuchausgaben, die ohnehin preislich oft mit E-Books gleichauf liegen. Der Absatz bei den in den USA „mass market paperback“ genannten Schmöker brach 2011 gleich um 23 Prozent ein. Aufwändiger gestaltete und teurere Paperbacks, die im selben Format und mit identischer Paginierung wie Hardcover-Versionen verkauft werden, verloren dagegen mit sechs Prozent minus deutlich weniger, gleiches gilt für den Hardcover-Bereich selbst. Was dem Buchmarkt insgesamt in den nächsten Jahren noch drohen könnte, zeigt ein Blick auf die US-Musikbranche. Dort sank laut Nielsen SoundScan im vergangenen Jahr der Anteil von CDs erstmals unter die magische 50 Prozent-Grenze. Der Verkauf von digitalen Alben und einzelnen Tracks per Download lag im vergangenen Jahr nämlich bereits bei 50,3 Prozent.

Abb.: flickr/vlasta2