Kann man denn davon leben

Kann man denn davon leben? Slow Budget Funding trifft Speed Publishing

Kann man denn davon leben? Die in punkto Selbständigkeit allgegenwärtige Frage steht bei Silvia Holzingers und Peter Haas‘ Ratgeber (Untertitel: „Erfolgreiche Eigenvermarktung und Internetökonomie“) sogar schon im Titel. Und Peter und Silvia geben zugleich eine handfeste Antwort. Denn nicht nur das Buch selbst findet sein Publikum sehr gut ohne Verlag, sowohl digital wie auch gedruckt (>> 2. Auflage jetzt lieferbar). Die eigentliche Domäne des Berliner Autoren-Duos ist der Dokumentarfilm. Dort haben sie das Prinzip Selbstvermarktung ebenfalls erfolgreich praktiziert – ganz ohne Filmförderung oder Verleih. „Wir haben aus der Not ein Prinzip entdeckt“, so Haas gegenüber E-Book-News. Schon vor einigen Jahren drehten die beiden einen Doku-Streifen über den Grandfather-Nerd Joseph Weizenbaum. Es gab zwar einen Return-On-Investment, aber nicht unmittelbar: „Weil das Geld langsam, über einen langen Zeitraum zurückfloss, haben wir das ganze ‘Slow Budget-Funding’ genannt. Denn uns ging es ja darum, nicht nur Geld zurückzubekommen, sondern Geld zu haben für das nächste Projekt“.

„Wir haben es einfach gemacht“

Zentrale Rolle beim selbst organisierten Vertrieb spielten die neuen Medien: „Wir hätten den Film nie zeigen können, wenn wir nicht das Internet gehabt hätten, um auf uns aufmerksam zu machen. In klassischer Weise hätten wir Rebel at Work weder bewerben noch zeigen können. Wir haben ihn dann als digitales Kino in der Hochschule angepriesen und über den DVD-Verkauf vermarktet.“ Die langsamen, aber stetigen Rückflüsse aus dem Slow-Budget-Funding haben anschließend den Dreh eines neuen Documentarys ermöglicht, inklusive aufwändiger Recherchen und zahlreicher Auslandsaufenthalte. Derzeit touren die beiden mit „Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie“ durch die Off-Kino-Szene der Republik. Noch vor der Post-Production des aktuellen Streifens brachten die Filmemacher ihre Erfahrungen mit dem Slow Budget-Prinzip in Buchform. Ganz so weit weg von der bisherigen Arbeit sei das selbst verlegte Buch gar nicht, findet Peter Haas: „Durch die neuen Medien sind immer wieder Lücken da, die wir schnell besetzen können, wie jetzt mit E-Book und Self-Publishing. Da herrscht bei vielen eine gewisse Unsicherheit: was wird werden? Vier Wochen später sind wir fertig und haben es gemacht.“

Pitch & Co.: Tipps zur Eigenvermarktung

Wie bisher auch stecken die beiden dabei allerdings einen wichtigen Teil ihrer Arbeitszeit in Vermarktung und Vertrieb: „Der Anteil der Eigenvermarktung, Community-Arbeit oder Werbung in eigener Sache gegenüber der eigentlichen Kreation ist insgesamt vielleicht drei zu eins“, gibt Haas zu bedenken. Wie wichtig bei der Eigenvermarktung dann die richtige Strategie ist, zeigen die beiden in „Kann man denn davon leben“ mit Tipps zum Sales-Pitch und zu Honorarverhandlungen. Besondere Aufmerksamkeit schenken die Autoren aber auch der Rolle der Crowd: „Das Community-Building hat großen Raum in unserem Buch“, so Silvia Holzinger gegenüber E-Book-News. „Wie baut man eine Community auf, wie pflegt man eine Community? Wem gehört eigentlich eine Community? Wir haben bei unserer Arbeit die Erfahrung gemacht, dass die Community ein sehr flüchtiges Wesen ist. Community ist nicht mit Stammkundschaft gleichzusetzen.“

„Man kann davon leben, aber…“

Die Erstauflage von 500 Printbooks war bereits nach einem Jahr ausverkauft. Nun ist „Kann man denn davon leben“ via ebooknews press wieder lieferbar. Tipp: Wer direkt beim neuen Verlags-Label von E-Book-News bestellt, erhält gratis die Film-DVD „Weizenbaum – Rebel at Work“ dazu. Weiterhin lieferbar ist natürlich auch die E-Book-Version, sie gibt’s direkt auf der Buch-Webseite von Peter Haas und Silvia Holzinger. Ach ja, und kann man denn nun davon leben? Wer eine ehrliche Antwort auf die Frage sucht, wird sie hier finden – die beiden Autoren zeigen nicht nur, wie es geht, sondern auch, wie gut, denn das gerne verschwiegene Thema Geld wird sehr offen behandelt. „Wir leben von unserer Kreativarbeit, und das schon seit etwa acht Jahren. Man kann also davon leben, aber es ist ein harter Weg“, so Haas gegenüber E-Book-News. Gleichzeitig hat das Leben als selbständiger Kulturarbeiter aber auch angenehme Seiten – schließlich kann man genau das machen, was man will. Oder nicht? Zumindest hat man die Freiheit, alles auszuprobieren, meint Silvia Holzinger: „Wenn’s gelingt, ist es gut und schön, wenn’s nicht gelingt, dann muss man sich eben etwas neues ausdenken.“

Peter Haas & Silvia Holzinger,
Kann man denn davon leben? Erfolgreiche Eigenvermarktung und Internetökonomie
Taschenbuch (ebooknews press) 17,90 Euro
E-Book (epub/mobi/PDF) 8 Euro

Über Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „Kann man denn davon leben? Slow Budget Funding trifft Speed Publishing

  1. Ach, das ist so herzallerliebst.
    Es erinnert mich an meine eigenen Erfolge.
    Der Schlüsselsatz ist: „Vier Wochen später sind wir fertig und haben es gemacht.“
    Das geht mir ähnlich. Mein Erfolg war/ist Zufall gepaart mit „Schau’n mer mal“.

  2. Danke! Wir haben uns sehr über den Artikel gefreut!
    Jemand wollte wissen, wieviele Bücher wir insgesamt verkauft haben:

    Also ca. 1250 Bücher wurden verkauft, knapp 500 Print, ca. 500 als direkte PDF-e-books, der Rest bei amazon, was aber uns nicht viel bringt. Der Großteil des Umsatzes, der etwa 13.000 EUR erreicht hat, kommt tatsächlich vom PrintBook. Hier hat die Koop mit boesner.de sicherlich sehr geholfen!
    Also liebe eBook-Gemeinde: Vergesst das gute alte PrintBook nicht! Es kann sich lohnen.

    liebe Grüsse von Peter und Silvia,
    direkt aus dem Labor für Relevanz-verstärkende Massnahmen…

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