Just call me Lucifer: „Teufel“ – diabolischer Fantasy-Thriller von Markus Tillmanns [Leseprobe]

Ein Komet auf Kollisionskurs? Ein Ufo mit Aliens an Bord? Nein, es ist … Luzifer! Das anfängliche Deep Impact Szenario dieses Fantasy-Thrillers wandelt sich zur Offenbarung mit Liveberichterstattung: in Markus Tillmanns „Teufel“ entpuppt sich das unbekannte Wesen aus dem All rasch als ein altbekanntes Unwesen. Der Flügelmann aus biblischen Zeiten landet nicht in der Wüste von Nevada, sondern vor dem Kölner Dom, und verkündet: „Ich bin das Ende. Ich bin Luzifer.“ Lokaljournalist Joschi Tabarie wittert den Scoop seines Lebens. Eilig werden Pressekonferenzen einberufen, Bundespräsident Gauck kündigt eine Rede an, Wladimir Putin zeigt sich Gesprächen gegenüber aufgeschlossen, im Vatikan hält man sich erstmal zurück. Auch Tabarie bleibt mißtrauisch: Was hat Luzifer vor? Wird die Welt wirklich zum Teufel gehen? Kann man den Plan des gefallenen Engels noch durchkreuzen? „Teufel“ ist Auftakt der Fantasy-Serie „Die Luzifer Chroniken“, und wurde kürzlich für die Nautilus-Shortlist nominiert. Unsere Leseprobe führt in das erste Kapitel, weitere Offenbarungen bietet die „Blick ins Buch“-Option im Kindle Shop…

Markus Tillmanns: Teufel – Fantasy-Thriller

1. Kapitel „Offenbarung“
(…)
Luzifer

»… konnten wir den Kardinal noch nicht zu einer Stellungnahme bewegen. Es scheint ganz so, als wäre die Kirche durch die unfassbaren Ereignisse dieses Tages in eine Schockstarre verfallen. Ich höre soeben, wir haben jetzt eine Verbindung zu Polizeipräsident Albers. Verstehen Sie mich, Herr Albers? …«
Der Fernseher lief ununterbrochen. Li war es nur recht. Solange Onkel Jakob davor saß, war sie ungestört. Leider war Onkel Jakob schwerhörig und der Ton dröhnte durch das ganze Haus. Li hatte eben die Tür zugemacht, aber es half nichts.
Sie sah die Puppen auf ihrem Bett an. In der Mitte saß Emily. Emily war immer besonders ängstlich, weil sie keinen Fehler machen durfte. Heute war sie so leise gewesen, dass man sie überhaupt nicht gehört hatte.
»Brave Emily«, sagte Li und strich ihr über die Haare.
Dann schlug sie in das Puppengesicht, so dass Emily zur Seite aus dem Bett flog und ihre zwei Nachbarinnen mitriss. »Aber ihr müsst auch vorsichtig sein, hört ihr!« Li hatte den Zeigefinger erhoben. Sie passte immer gut auf, dass Emily nicht übermütig wurde. Es tat ihr nur leid um Sara und Lara, die jetzt mit heruntergefallen waren. »Kommt, Tante Li bringt euch zurück ins Bett.« Sie hob die beiden vom Boden und schob sie sanft unter die Bettdecke, bis nur noch die Köpfe herausschauten. Dann beugte sie sich herunter und flüsterte: »Ihr müsst nicht traurig sein. Ihr dürft bald mit Tante Li auf dem Stuhl fahren.« Da freuten sie sich wieder, denn es war schön auf dem Stuhl zu fahren. Eigentlich sollte nur Onkel Jakob auf dem Stuhl fahren, der Stuhl war nämlich nichts für kleine Mädchen. Onkel Jakob fuhr damit die Treppe hoch und runter, weil er auch nicht mehr der Jüngste war. Li durfte nicht mit dem Stuhl fahren, das gehörte sich nicht. Natürlich hielt sie sich daran, denn Onkel Jakob konnte sonst sehr böse werden. Und Li war ein braves Mädchen. Nur manchmal, sobald sie allein im Haus war, fuhr sie mit dem Stuhl auf und ab. Es war sehr schön, mit dem Stuhl auf und ab zu fahren. Fast so schön wie Karussell fahren. Wenn sie Onkel Jakobs Wagen in der Einfahrt hörte, stellte sie den Stuhl ab und lief in ihr Zimmer.
Da schlug sie dann ein Buch auf und tat so, als würde sie schon ganz lange darin blättern. Aber manchmal merkte Onkel Jakob trotzdem, dass sie mit dem Stuhl gefahren war. Dann hatte sie vergessen, dass der Stuhl erst unten gewesen war und Onkel Jakob merkte das.
»Liorith?« Das Brüllen riss sie aus den Gedanken.
»Ja?«
Sie hatte ganz laut zurückgerufen.
»Liorith?« Wenn der Onkel sie rief, rief er immer Liorith.
»Ja?«
»Liorith?« Der Onkel war zu schwerhörig und der Fernseher zu laut. Li lief zur Zimmertür und riss sie auf.
»Ja – aa!«
»Komm und bring mir mein Essen.«
So spät! Li sah auf die Uhr neben dem Bett. Der kleine Zeiger war auf der Acht und der große schon auf der Eins. Jetzt musste sie ganz schnell sein!
»Benehmt euch!«, raunte sie Sara und Lara und Mia und Pia zu. Aber wo war Emily? Oh nein, die hatte sie ganz auf dem Boden vergessen. Li lief um das Bett herum. Da lag Emily. Arme Emily! »Du brauchst nicht traurig sein! Morgen darfst du mit auf dem Stuhl fahren.« Sie hob die Puppe auf und legte sie zu Sara und Lara. Dann gab sie ihr einen Kuss auf die Stirn.
»Wie oft soll ich dich denn noch rufen?«
Onkel Jakob wurde böse. Es war nicht gut, wenn Onkel Jakob böse wurde. Li huschte zur Tür. »Ich komme!«
Da fiel ihr ein, dass die anderen bestimmt traurig waren, weil sie nur Emily geküsst hatte. Also musste sie doch zum Bett zurück. So ein Pech. Sie ging zu den schlafenden Puppen und küsste Sara, Lara, Mia und Pia auf die Stirn. Dann rannte sie die Treppe hinunter.
»… wissen nicht, wo der Fremde sich jetzt aufhält. Wir gehen aber davon aus, dass keine Bedrohung für die öffentliche Ordnung …«
Der Fernseher lief immer noch. Das war gut. Wenn Onkel Jakob fernschaute, wurde ihm nicht langweilig. Und wenn ihm nicht langweilig wurde, war er auch nicht böse, weil sein Essen so lange dauerte.
Li ging in die Küche und schnitt Brot ab. Zwei Scheiben. Sie mussten gleich dick sein und beide so mitteldick und nicht schief. Onkel Jakob mochte keine schiefen und keine dicken und keine dünnen Scheiben. Das gehörte sich nicht in einem ordentlichen Haushalt. Li schmierte Butter auf die Brote und belegte sie dann mit Blutwurst. Auf die Blutwurst gehörte extra viel Senf.
»Wo bleibst du denn?«
»Ich beeile mich ja.«
Li durfte nicht das Bier vergessen, das war das Wichtigste. Die Bierflasche machte, dass Onkel Jakob zufrieden war. Und aus dem Mund stank, wenn er sie zu Bett brachte. Falls sie Glück hatte, war noch welches hier, sonst musste sie in den Keller und das würde viel zu lange dauern. Sie öffnete den Kühlschrank. Glück gehabt, eine letzte Flasche! Li nahm sie in die linke und den Teller mit den Broten in die rechte Hand. Dann drückte sie mit dem Kopf die Tür zu. Jetzt schnell zu Onkel Jakob.
»… erreichen uns widersprüchliche Reaktionen aus aller Welt. Während der Botschafter des Iran jede Zusammenarbeit mit dem Fremden kategorisch ablehnt, zeigte sich Russlands Präsident Putin offen für eine …«
Der Onkel saß im Wohnzimmer in seinem Sessel, die Füße unter Tante Semas alter Strickdecke auf dem einen Höckerchen. Das andere stand neben dem Sitz und diente als Ablage.
Li schlich sich von hinten heran und schob den Teller darauf. Daneben stand ein fast leer getrunkenes Glas. Da fiel die Fernbedienung herunter. Sie hielt den Atem an.
»Pass doch auf!«
»… Bundespräsident Gauck hat für 20:00 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt, die wir natürlich live übertragen …«
Gott sei Dank, Onkel Jakob war immer noch vom Fernsehen abgelenkt. Li stellte die Bierflasche neben den Teller und hob die Fernbedienung auf. Sie legte sie dem Onkel in die Hand, die aus dem Sessel guckte. Aber der Onkel wollte sie nicht und warf sie achtlos aufs Höckerchen.
Wenn er jetzt nichts mehr brauchte, durfte sie nach oben und spielen.
»… sollten nicht vergessen, dass der Bundespräsident von Hause aus Pfarrer ist. Wir dürfen also gespannt sein auf die Reaktion aus dem Schloss Bellevue …«
Der Onkel sah heute nur fern. Li freute sich. Es war irgendetwas passiert, was für Erwachsene wichtig war. Deswegen konnte sie den ganzen Abend machen, was sie wollte. Sie hatte gerade die Tür erreicht.
»Li?«
Die Klinke schon in der Hand drehte sie sich noch einmal um.
»Weißt du überhaupt, was das bedeutet?«
Sie schüttelte den Kopf. Dann fiel ihr auf, dass er sie ja hinter dem Rücken nicht sah. »Nein, Onkel Jakob.«
»Es ist der Herrgott. Der Herrgott kommt. Es ist das erste Zeichen.«
Das war wichtig. Li wusste, wenn der Herrgott kommt, würde alles gut. Aber der Herrgott bestrafte auch die bösen Menschen. Und sie hatte Angst um Emily. Emily war eigentlich ein braves Mädchen, nur manchmal hatte sie wirklich, wirklich böse Gedanken.
»Dann kommt das Paradies?«, fragte Li.
»Dann kommt das Reich des Herrn«, antwortete Onkel Jakob. »Warst du denn auch brav, mein Kind?«
»Ja, Onkel Jakob.«
»Lüg´ nicht! Du bist zu spät.«
Li zuckte zusammen. »Ja, Onkel Jakob.«
»… während aus dem Vatikan immer noch kein Wort herausdringt, erreicht uns eine Agenturmeldung, nach der ein Sprecher der Pius-Bruderschaft zum Heiligen Kreuzzug gegen Luzifer aufgerufen hat …«
»Ist gut, Kind, du kannst jetzt gehen.«
»Ja, Onkel Jakob.«
Li schlich hinaus und schloss die Tür hinter sich sorgfältig wieder. Sie ging zur Treppe und sah im Vorbeigehen auf den Stuhl des Onkels. Warte nur, morgen …! Wenn dann nicht schon das Reich des Herrn war.

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Copyright Cover & Leseprobe: Markus Tillmanns
Publikation mit frdl. Genehmigung des Autors.


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E-Book (Kindle Shop) 0,99 Cent
Taschenbuch (Createspace) 9,99 Euro

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".