Jeff Bezos: „E-Books sind für uns jetzt ein Multi-Milliarden-Geschäft“

Schneller, höher, weiter: Amazons Pressemitteilungen lesen sich oft wie Rekordmeldungen – die vierteljährlichen Geschäftsberichte erst recht. Genaue Zahlen zu einzelnen Bereichen gibt’s allerdings fast nie. Umso erstaunlicher die aktuelle Meldung zum vierten Quartal 2012: „Nach 5 Jahren [seit Einführung des Kindle-Readers] sind E-Books jetzt eine Multi-Milliarden-Dollar-Kategorie für uns und wachsen rasant – im letzten Jahr insgesamt etwa 70 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichneten wir bei den gedruckten Büchern im vergangenen Dezember mit fünf Prozent die geringste Wachstumsrate, seit dem wir vor 17 Jahren als Online-Händler an den Start gegangen sind.“

„Wir haben diesen Übergang erwartet“

Der Gesamtumsatz lag im vierten Quartal bei knapp 21 Mrd. Dollar, ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Durchaus beachtlich. Doch dass hier zugleich ganz freimütig ein Abflachen des Kerngeschäfts bekanntgegeben wurde, sorgte in der Branche für einiges Aufsehen – auch wenn Bezos hinzufügte: „Wir sehen hier den Übergang, den wir erwartet haben.“ Weitaus interessanter ist tatsächlich das ungebrochen starke Wachtsum im E-Book-Sektor. Bisher war die Erfolgsgeschichte elektronischer Bücher eng mit dem Siegeszug der klassischen Kindle-Reader verknüpft. Doch der neigt sich dem Ende zu, im Jahr 2012 gab es weltweit einen deutlichen Rückgang im E-Ink-Sektor. Amazon hat es also geschafft, den Kindle-Store von der ursprünglichen Geräteplattform zu entkoppeln, vor allem mit Hilfe der Kindle-App, die bereits sehr früh auch auf Apple-Tablets und Smartphones lief.

Kunden bleiben bei Amazon

Mittlerweile besitzt Amazon zudem einen strategischen Brückenkopf in der Android-Welt: jedes dritte Android-Tablet in den USA ist ein Kindle Fire. Genauso wichtig wie E-Books sind auf dem Fire natürlich die kostenlosen Streaming-Videos für Prime-Mitglieder, die den Multimedia-Umsatz zusätzlich anheizen. Ein Grund mehr, warum Jeff Bezos kein Blatt vor den Mund nehmen musste: Selbst wenn viele Kunden keine gedruckten Bücher mehr kaufen, sie konsumieren auch weiterhin Amazon-Produkte. Das sehen wohl auch die Anleger so. Nicht ganz zufällig errreichte die Amazon-Aktie gerade ihren historischen Höchststand.

Abb.: flickr/401 (K) 2013 (cc-by-sa)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".