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Je Ladenhüter, desto billiger: OnlyIndie experimentiert mit dynamischem E-Book-Pricing

16 Mai 2012 1 Kommentar

Was ist der wahre Wert eines E-Books? Gute Frage. Bisher probieren Verlage und Autoren alles mögliche aus, von der Low-Price-Strategie bis zur Quasi-Strafsteuer zugunsten der Gutenberg-Galaxis. Ganz mutige experimentieren mit Kostenlos-Strategien, im Kindle-Store etwa sind temporäre Null-Cent-Promotions mittlerweile an der Tagesordnung. Crowdfunding-Ansätze dagegen überlassen es zu 100 Prozent dem Leser, was er bezahlen möchte. Der auf Independent-Literatur spezialisierte US-Store Only Indie delegiert die Preisfindung jetzt ganz einfach an einen ausgeklügelten Algorithmus. Ausgangspunkt ist dabei die Nachfrage. Jedes E-Book startet bei null Cent. Doch nach 15 kostenlosen Downloads steigt der Preis für jedes verkaufte Buch automatisch um einen Cent. Und steigt und steigt, bis er den vorher festgelegten Verkaufspreis erreicht hat. Dieser liegt zwischen 2 Dollar und maximal 7,98 Dollar.

So lange sich ein E-Book regelmäßig verkauft, bleibt es bei dem vom Autor festgesetzten Preis. Sobald die Nachfrage nachlässt, sinkt der Preis Cent für Cent wieder in Richtung Gratis. Dadurch wird der betreffende Titel natürlich deutlich attraktiver für potentielle Leser, und ein neuer Zyklus beginnt. Die Tantiemen für Autoren sind bei Only Indie nach dem jeweiligen Preis gestaffelt. Werden Bücher unterhalb der 2-Euro-Schwelle verkauft, fließen 50 Prozent an den Urheber, darüber sind es 75 Prozent. Damit liegen die Erlöse sogar noch über den Tantiemen, die man über Amazons Kindle Direkt Publishing-Programm erzielen kann. Auszahlungen finden zwei Mal pro Monat via PayPal statt – auch das ist deutlich kulanter als bei anderen Anbietern. Über ein „Opt-In“-Verfahren können die Käufer ihre Adreß-Daten auch an den Autor weitergeben, was diesem bei der weiteren Vermarktung hilft. Angeboten werden die E-Books in den Formaten epub, mobi sowie PDF.

Der vor wenigen Tagen gestartete E-Store von Only Indie hat zur Zeit knapp über 30 Titel im Angebot, davon sind noch 11 kostenlos, haben sich also weniger als 15 mal verkauft. 20 Titel dagegen liegen zwischen einem Cent und 80 Cent, was wiederum 16 bis 105 verkauften Exemplaren entspricht. Theoretisch dürfte das Marketing-Modell von Only Indie auch in Deutschland funktionieren – allerdings nur, wenn Autoren ihre Bücher exklusiv auf einer vergleichbaren Plattform mit dynamischem Pricing anbieten würden. Ansonsten wäre eine plötzliche Preissenkung oder Preiserhöhung an einem Ort gegenüber festen Preisen bei anderen Anbietern ein Verstoß gegen die Buchpreisbindung.

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