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Jail-Break, DVD-Rip & DRM-Crack legal: US-Bürgerrechtler erkämpfen Ausnahmeregelungen beim Kopierschutz

27 Jul 2010 Ansgar Warner 3 Kommentare

electronic_frontier_foundation1Jubel bei US-Bürgerrechtlern: Die Electronic Frontier Foundation konnte erneut Ausnahmeregelungen in punkto Kopierschutz erkämpfen.So gehört zur angemessenen Nutzung eines iPhones in den USA nun der sogennante „Jailbreak“, also das Aufheben von Software-Sperren. Bisher war dies laut „Digital Millennium Copyright Act“ illegal. Apple-User sind jetzt nicht mehr an einen Netz-Provider gebunden, zudem können sie Software von Drittanbietern installieren, die nicht im App-Store angeboten wird. Erleichterungen gibt es auch für E-Book-Leser: die Aktivierung der Vorlesefunktion gehört zum „Fair Use“, bestehende Sperren dürfen umgangen werden.

Kopierschutz à la DMCA: die Tonerpatrone bleibt leer, das Garagentor bleibt zu

Zu den edelsten Pflichten des Librarian of Congress gehört nicht nur die Ernennung des Poeta Lauratus. In regelmäßigen Abständen verkündet der vom Präsidenten eingesetzte Chef der Parlamentsbibliothek auch aktuelle Entscheidungen zum Urheberrecht. Seit 1998 der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) in Kraft trat, werden Beschwerden aus der Bevölkerung gesammelt und alle drei Jahre einem Kontrollgremium zur Entscheidung vorgelegt. Wird glaubhaft gemacht, dass die Kopierschutz-Bestimmungen die normale Nutzung eines Mediums deutlich beeinträchtigen, können sogenannte „Exemptions“, also Ausnahmen, verkündet werden. Diese Exemptions betrafen in der Vergangenheit eine breite Palette von Anwendungsfeldern, von alternativen Tonerkartuschen für Drucker über Ersatz-Fernbedienungen für Garagentore bis zu Kopierschutz von DVDs oder E-Books. Kein Wunder: denn tatsächlich werden die US-Bürger in ihrem Alltag auf Schritt und Tritt von den Auswirkungen der rigiden Kopierschutzbestimmungen verfolgt, die noch unter der Clinton-Regierung vom US-Kongreß verabschiedet wurden.

“Sperren auf Handys haben nur wenig mit Kopierschutz zu tun“

Zu den vehementesten Gegnern des DMCA gehört die 1990 gegründete Cyber-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Dementsprechend groß war nun auch der Jubel, als den Einwänden gegen das DMCA auf breiter Front stattgegeben wurde: “Wir sind begeistert, dass wir Jailbreaker, Entsperrer und auch Videokünstler von den überbordenden Auswirkungen dieses Gesetzen befreien konnten“, so EFF-Sprecherin Jennifer Granick. “Das Copyright Office erkennt an, dass die Sperren auf Mobiltelefonen vor allem die Kunden an einen bestimmen Netzbetreiber binden sollen, und nur wenig mit Kopierschutz zu tun haben.“ Ebenso profitieren Video-Künstler, die Videoschnippsel von DVDs für Remix-Kunstwerke nutzen und auf Plattformen wie Youtube veröffentlichen: “Nonkommerzielle Videos sind eine wichtige Online-Kunstform. Die kreativen Montagekünstler müssen jetzt keine Angst mehr haben, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, obwohl ihre Werke eigentlich dem Fair Use entsprechen.“ Auch zur Gewinnung von Ausschnitten für Dokumentarfilme und zu Bildungszwecken ist das Rippen von DVDs in den USA nun ausnahmsweise erlaubt.

Lesen und lesen lassen: Text-to-Speech bei E-Books

Von einer speziellen Ausnahme beim Kopierschutz profitieren auch die Nutzer von E-Books. Gerade für Blinde und Sehbehinderte ist es wichtig, über eine automatische Vorlesefunktion zu verfügen. Technisch ist das kein Problem, die Qualität computergenerierter Stimmen ist mittlerweile ziemlich gut. Als erstes Lesegerät bot Amazons Kindle Reader zweitweise sogar eine standardmäßige Text-to-Speech-Funktion, sie wurde nach einem Urheberrechtsstreit mit Hörbuchproduzenten allerdings stark eingeschränkt. Viele E-Book-Formate enthalten mittlerweile eingebaute Sperren, die das Vorlesen verhindern. Bereits 2003 und 2006 hatte das Copyright Office entschieden, dass man zum Zweck der Aktivierung einer Vorlesefunktion den Kopierschutz von E-Books umgehen darf. Diese Ausnahmeregelung wurde nun erneut bestätigt. Leichter haben dürften es zukünftig übrigens auch E-Book-Leser, die ein iPad nutzen: denn nach einem Jailbreak sind sie nicht mehr auf App Store oder iBooks-Angebote angewiesen. Sowohl alternative E-Reader-Programme wie auch DRM-freie elektronische Bücher können nach der Entsperrung problemlos auf das Gerät übertragen werden. Einziges Manko: eine komfortable Jailbreak-App für Apples Tablet gibt’s noch nicht.

3 Kommentare »

  • liplop schrieb:

    Ich fand deinen Beitrag sehr interessant Danke :)…

  • newstube.de schrieb:

    Jail-Break & DVD-Rip legal: US-Bürgerrechtler erkämpfen Ausnahmeregelung bei Kopierschutz…

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Vorläufig gilt die Entscheidung des Copyright Office nicht in den ganzen USA. Bei Teleread konnte man zum Thema Jailbreak/DMCA lesen: “Lawyer Nilay Patel reminds us that even if the decision was binding, at the moment it is only valid in the 5th circuit states of Louisiana, Mississippi, and Texas—it’s going to take a review by the Supreme Court to make it the law of the land (or not). The case represents a “split in the circuits”—a disagreement between two or more of the US’s regional appeals courts circuits—and thus the sort of thing the Supreme Court is supposed to resolve.”