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Deutsche E-Book-Version von Harry Potter ab Oktober erhältlich?

23 Jun 2011 Ansgar Warner 2 Kommentare

Der Harry-Potter-Countdown ist beendet: in einer Videobotschaft hat J K Rowling heute den Start der E-Book-Ausgabe angekündigt. Die elektronische Version wird ab Oktober exklusiv auf Pottermore.com erhältlich sein, u.a. auch in einer deutschen Übersetzung. Die E-Books sind DRM-frei und stehen in verschiedenen Formaten zur Verfügung, inklusive Kindle. Auch digitale Audiobook-Formate wird man auf Pottermore herunterladen können. Außerdem soll die Website als Social Reading-Plattform für die weltweite Fangemeinde dienen. Nach und nach werden dort auch Online-Versionen der Romane verfügbar sein, den Anfang macht ab Oktober Band 1. Ab 31. Juli können ausgewählte Nutzer bereits die Betaversion von Pottermore ausprobieren. Für die deutsche Lesercommunity wird es eine sprachlich angepasste Version geben.

“An Online Reading experience unlike any other”

Heute um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit war das magische Geheimnis gelüftet. J K Rowling verkündete via Youtube-Video: “I’m thrilled to say that I’m now in the position to give you something unique. An online reading experience unlike any other. It’s called Pottermore.” Hinter Pottermore verbirgt sich eine Social-Reading-Plattform, die zugleich der Vermarktung von E-Book- und Audio-Book-Ausgaben der Harry-Potter-Romane dient. Bereits die Ankündigung des J K Rowling-Announcements hatte zuvor wilde Spekulationen in der Community ausgelöst. Das Spektrum reichte vom Online-Rollenspiel für MMORPG-Freunde bis zum virtuellen Harry-Potter-Lexikon. Ein bisschen haben sie alle recht behalten, denn Pottermore soll den Lesern offenbar viel kreativen Freiraum bieten: “Pottermore will be the place where fans of any age can share, participate in and rediscover the stories.” Außerdem will J K Rowling die Fan-Gemeinde mit Wissenswertem aus dem Potter-Universum versorgen, das sie bisher zurückgehalten hat. Pottermore wird also nicht nur ein Fan-Forum gemischt mit Social-Reading-Elementen sein, sondern noch ein bisschen mehr. Der Weg geht auf Pottermore eindeutig weg vom bloßen Text in Richtung Interaktivität und Online-Gaming.

Fans können Harry Potter online lesen

Besonders interessant ist die Tatsache, dass im Zentrum von Pottermore medial aufgepeppte Online-Versionen der Romane selbst stehen, die nach und nach zugänglich gemacht werden, und das sogar kostenlos. Beim Start im Oktober wird zunächst Band Eins enthüllt. Für ausgewählte Beta-Tester öffnet sich der Vorhang sogar schon Ende Juli. Pottermore wird der Community die Möglichkeit bieten, die gesamte Serie Schritt für Schritt gemeinsam neu zu entdecken -- jeder Band soll sogenannte “interaktive Momente” enthalten. Nach Print-Buch und Kino-Film wird es damit noch einmal eine zeitlich gestreckte Dramaturgie geben, die mediale Aufmerksamkeit schafft. Gleichzeitig dient die Nutzung der Social-Reading-Plattform als ideales Incentive, die E-Book- oder Audiobook-Versionen zu erwerben (positive Auswirkungen auf den Print-Verkauf sind natürlich auch nicht ausgeschlossen). Das gesamte Konzept von Pottermore ist ein kluger Schachzug, der sukkzessive auch der E-Book-Piraterie den Wind aus den Segeln nehmen könnte. Denn kaum eine Serie dürfte öfter in illegalen Tauschforen auftauchen als Harry Potter. Passend dazu verzichtet J K Rowling nun offenbar auch auf DRM -- die E-Books werden lediglich ein digitales Wasserzeichen haben und somit auf einer großen Anzahl von E-Readern lesbar sein.

Bedeutet Pottermore Direktpublishing ohne Verlag?

Harry Potter ist längst ein globales Phänomen -- das zeigt auch die polyglotte Aufmachung von Pottermore. Die Plattform wird vom Start weg fast in einem halben Dutzend Sprachen zugänglich sein: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch. Die E-Book- sowie digitalen Audiobook-Versionen werden ebenfalls in zahlreichen Sprachen erhältlich sein. Über Preise ist bisher noch nichts bekannt, da E-Books wie Audiobooks exklusiv auf Pottermore verkauft werden, hat J K Rowling relativ freie Hand bei der Preisgestaltung. Bei der Realisierung von Pottermore sind neben Sony auch die Verlage Bloomsbury und Scholastic mit im Boot -- dort erscheinen die britischen und us-amerikanischen Print-Versionen von Harry Potter. Sie werden zwar an den E-Book-Einnahmen beteiligt, die Autorin selbst behält jedoch die Kontrolle. Wenn es tatsächlich bei dieser Form von Direktpublishing bleibt, könnte das Modell am Ende wohl für J K Rowling noch weitaus mehr Geld einbringen als die auf einen Wert von 100 Millionen Euro geschätzten E-Book-Rechte an Harry Potter.

O-Ton des Announcements:

“I’m thrilled to say that I’m now in the position to give you something unique. An online reading experience unlike any other. It’s called Pottermore. It’s the same story, with a few crucial additions. The most important one is you. Just as the experience of reading requires that the imagination of the author and the reader work together to create a story, so Pottermore will be built in part by you, the reader.

The digital generation will be able to enjoy a safe, unique online reading experience built around the Harry Potter books. Pottermore will be the place where fans of any age can share, participate in and rediscover the stories. It will also be the exclusive place to purchase digital audio books, and, for the first time, ebooks of the Harry Potter series.”

2 Kommentare »

  • Thomas Kress schrieb:

    Auch erwähnenswert: die E-Books werden frei von digitalen Rechteverwaltungs-Mechanismen (DRM) angeboten und dadurch auf verschiedenen Geräten verwendbar sein. LG

  • Romy schrieb:

    Hallo!

    Wie kann ich d. E-Books lesen. Dazu brauche ich doch bestimmt ein besonderes Programm oder?

    MfG
    Romy