iPod-Moment für E-Books? Cool-E-Reader geht an den Start

Er ist bunt, er sieht aus wie ein etwas zu groß geratener iPod, und er ist unschlagbar günstig: der Cool-E-Reader von Interead kann jetzt auch in Deutschland online gekauft werden. Vorausgesetzt, man hat eine Kreditkarte. Das Gerät bietet für 225 Euro (plus 15 Euro Versandkosten) ein 6 Zoll E-Ink Display mit 8 Graustufen, 1 Gigabyte Speicher und einem Akku der für 8000 mal umblättern reichen soll. Standardformate wie epub– sowie PDF werden unterstützt. Das Display des nur 178 Gramm schweren Gadgets ist schwarz-weiß, das Chassis kommt dafür in acht Apple-mäßigen Farben daher. Interead-Gründer Neil Jones sprach bei der Markteinführung vom „iPod-Moment“ der E-Reader-Branche, denn das Gerät sei das erste, dass sich nicht nur an Techies, sondern an das ganz normale Publikum richten würde. Doch wie cool ist der Cool-ER wirklich?

Wie cool ist ein Gerät ohne WLAN-Fähigkeit und ohne Standard-Kopfhörer-Anschluss

Die Kritiker etwa von Crunchgear schossen aber schnell zurück: ein Gerät ohne WLAN-Fähigkeit, das zum MP3 hören nicht einmal einen Standard-Kopfhöreranschluß hat, sei ja gar nicht sooo cool. Das Synchronisieren zwischen PC bzw. Mac und dem Cool-ER sei zwar nicht sehr kompliziert, doch zum „ipod“-Moment gehöre auch eine Software nach der Machart von iTunes. Immerhin gibt es bereits einen eigenen E-Bookstore von Interead. Besitzer eines Cool-E-Readers können hier mit Preisnachlässen von 25% rechnen. Für Europa ist das gar nicht schlecht, in den USA bleiben die Niedrigpreise der E-Books für den Amazon Kindle weiter unerreicht. (Dafür ist der Cool-ER allerdings auch mehr als 100 Dollar günstiger.) In vielen Fällen sind englischsprachige E-Books offenbar auch auf der Sony-Verkaufsplattform für etwas weniger Geld zu haben.

Wer in der E-Book-Branche iTunes sagt, muss aber auch App Store sagen…

Wer iTunes sagt, muss natürlich auch App Store sagen. Die oft kostenlosen Minianwendungen für iPhone und iPod haben zum Erfolg der Apple-Geräte maßgeblich beigetragen. Dem Magazin Wired zufolge arbeitet Interead mit Software-Entwicklern zusammen, um ähnliche Apps auch auf dem Cool-ER zu ermöglichen. Auch ein App Store für den Cool-ER ist offenbar in Planung. Fragt sich nur, wie die Killer-Applikation aussehen soll bei einem Gerät, das kein Touch-Screen hat, nur per USB-Kabel kommunizieren kann und dessen Schwarz-Weiß-Display zwar sehr scharf, aber dafür auch sehr langsam ist. Vernichtende Kritik kam via Youtube auch von New York Times-Rezensent David Pogue: das Gerät sei trotz aller lobenswerter Ambitionen insgesamt nicht „cool-ER“, sondern „clumsi-ER“, „techi-ER“ and „lam-ER“. Allerdings verglich Pogue das Gadget mit dem Amazon Kindle. Zum angeblichen „ipod“-Moment fällt mir noch etwas ganz anderes ein: der einfachste iPod Touch mit 8 Gigabyte ist schon jetzt (ohne Versandkosten) für unter 200 Euro zu haben…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".