Parbleu, iPad ohne iBooks! Apples neues Tablet könnte in Frankreich ohne E-Book-Store starten

Apple-App-Store-Frankreich-.gifVon wegen „Lesen wie Gott in Frankreich“: wenn das iPad im März im Land von Baguette, Camembert und Rotwein an den Start geht, könnte eine wichtige Zutat fehlen: iBooks, Apples vielzitierter neuer E-Book-Store. Grund dafür sind offenbar stockende Lizenzverhandlungen mit den französischen Verlagen. Ähnlich reserviert sind die Franzosen gegenüber Amazon – aktuelle Kindle-Books en francais sind bisher kaum zu haben.

Lizenzrechtliche Probleme könnten für ein E-Book-Vakuum auf dem iPad sorgen


Böse Zungen hatten schon bei der Präsentation des iPads behauptet, mit dem Start von iBooks könne es noch ein bisschen dauern – schließlich fehle die iBooks-App selbst bei einigen von Apples offiziellen PR-Fotos auf dem dort abgebildeten Desktop. Allerdings hatte Steve Jobs auf dem Tablet-Event den großen Content-Deal mit fünf wichtigen US-Verlagen verkündet. Zumindest in den USA ist damit für genügend Lesestoff gesorgt. In Europa sieht es nicht ganz so entspannt aus. Während in Deutschland hinter den Kulissen eifrig verhandelt wird, scheint sich in Frankreich bereits ein E-Book-Vakuum auf Apples neuestem Gadget anzubahnen. Der E-Leseblog ActuaLitté will von Brancheninsidern erfahren haben, dass ein iPad-Start mit iBooks noch im März eher zweifelhaft sei. « Wenn der iPad mit reduzierten Funktionsumfang herauskommt, liegt das vor allem an Lizenz-Problemen. Allerdings wird Apple France selbst wohl auch erst kurz vor dem Start Gewißheit darüber haben“.

Kein Pardon: Amazons Kindle wird von französischen Verlagen fast vollständig boykottiert


Für die französischen Leser wäre ein iPad ohne aktuelle französischsprachige Bestseller wohl keine Überraschung – ähnliches kennen sie schon vom Kindle. Bisher haben nämlich alle wichtigen Verlagshäuser Amazons Lesegerät vollständig boykottiert. Grund dafür ist sowohl Amazons Niedrigpreis-Politik wie auch eine ungünstige Gewinnbeteiligung: „Die den Verlagen von Amazon auferlegten Geschäftsbedingungen sind sind inakzeptable, so etwas wollen wir in Frankreich nicht“, zitierte diese Woche Le Monde Patrick Gambache, bei Flammarion zuständig für elektronische Lektüre. Außerdem hat man bei unseren französischen Nachbarn große Angst vor Datenpiraterie. Vorbedingung für alle Verhandlungen mit den Amerikanern war es deshalb, dass die Daten auf verlagseigenen Servern bleiben sollten.

Widerstand gegen den Global Player: Die französischen Buchhändler wollen ein Pendant zu Libreka gründen


Ähnlich Amazon-feindlich eingestellt sind die französischen Buchhändler: „Amazon will mit allen Mitteln die Wertschöpfungskette im Buchbereich zerstören, und uns aus dem Markt mit elektronischen Büchern verdrängen“, so Guillaume Husson vom Zentralverband des französischen Buchhandels gegenüber Le Monde. Um ihre eigene Position im digitalen E-Book-Business zu stärken, will man noch in diesem Jahr eine gemeinsame Buchhandelsplattform gründen – eine Art französisches Pendant zu Libreka. Außerhalb von Amazon und iBooks dürfte es also trotzdem genügend E-Bouquins geben – letzlich sogar direkt von Apple: denn auch im französischen App Store gibt es bereits zehntausende E-Book-Anwendungen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".