Tablet mit taz-Screen: Alternative Tageszeitung jetzt via iBooks im Einzelverkauf

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Die taz erobert das iPad: die aktuelle Ausgabe der alternativen Tageszeitung lässt sich jetzt zum Preis von 99 Cent bei iBooks shoppen. Schon seit Sommer 2009 gibt es im Rahmen des „Digi-Abos“ eine elektronische Ausgabe der taz im epub-Format, die man auf E-Readern und via Stanza auch auf dem iPhone lesen kann. Neu ist jedoch der Einzelverkauf. Die Digi-Taz in Apples virtueller Buchhandlung kommt vorerst noch mit gewissen Einschränkungen – die meisten Bilder etwa fehlen. So liest sich die digitale taz auf dem Tablet tatsächlich eher wie ein Buch.

Die taz als mediale Avantgarde: beim E-Paper ist die alternative Tageszeitung Spitzenreiter

Die taz hat immer mit der medialen Avantgarde geliebäugelt, sei es mit der forschen Einführung eines digitalen Redaktionssystems schon Mitte der Achtziger, sei es mit dem frühen Webauftritt der “digitaz” Mitte der Neunziger. Auch beim E-Paper ist man ganz vorn: Ab zehn Euro bekommt man ein digitales Abo in verschiedenen Formaten, seit letztem Jahr sogar als epub für den E-Reader. Mehr als 1800 zahlende Abonnenten soll es mittlerweile geben. AbonnentInnen haben dabei die Wahl zwischen vier verschiedenen Digital-Abos. Denn neben der epub-Version gibt’s das Blatt mit der Tazze auf der Titelseite per Download oder auf Wunsch auch per E-Mail-Attachment als PDF, HTML oder TXT-Datei.

Wo bleiben die Bilder? Bisher ist die iPad-Version eine ziemliche Bleiwüste

Ohne Abo lief allerdings bisher gar nichts. Mit der iPad-Version der taz hat sich das nun endlich geändert. Ähnlich wie konkurrierende Tageszeitungen kann man die taz auf Apples Tablet auch im Einzelverkauf bekommen. Doch während andere Blätter eine eigene App anbieten, nutzt die taz Apples iPad-Buchhandlung iBooks als digitalen Kiosk. Nach dem Kauf ordnet sich die taz einfach in das Bücherregal ein und lässt sich wie ein E-Book lesen. Inklusvie animiertem Umblättern. Keine andere Zeitung gehorcht bisher so wie die taz den Fingern auf dem Touchpad. Je nach Ausgabe kann das Buch mit tazze bis zu 600 Seiten haben, denn auch regelmäßige Beilagen wie etwa Le Monde diplomatique sind mit dabei. Bisher auf weiteres bleibt die iBooks-taz aber eine ziemliche Bleiwüste. Denn bis auf den Tom-Comic und andere Karikaturen fehlen sämtliche Bilder der gedruckten Ausgabe. Anders als bei der epub-Ausgabe des Digi-Abos gab es in den ersten iPad-Ausgaben auch noch keine Faksimiles der einzelnen Seiten. Dafür sind 99 Cent dann doch wieder ziemlich teuer, auch wenn die alternative Tageszeitung nun in die entlegensten Winkel der Republik gelangt. Ärgerlich ist auch der zwangsweise DRM-Schutz. Im Unterschied zum normalen epub bleibt die iPad-taz an das iPad gebunden. Sympathischerweise hat die Tageszeitung beim normalen Digi-Abo auf jeglichen Kopierschutz verzichtet – doch Apples Tablet ist eben ein „Closed Shop“-System.

Die iPad-Version der taz stürmt die Verkaufscharts des iBook-Stores

Die beste ipad-Alternative zur taz ist somit die taz selbst – und zwar im Rahmen des Digi-Abos, das es ja bereits zum Preis von zehn iBooks-Einzelausgaben gibt. Wer auf dem iPad einen PDF-Viewer installiert, kann die alternative Tageszeitung bequem im Originallayout lesen. Das Scrollen und Zoomen auf dem Touch-Screen des Tablets ist schließlich äußerst komfortabel. Noch besser wäre natürlich eine iPad-App, die solch eine zoombare Ansicht des Originallayouts mit einer reinen Textansicht verbindet. Allerdings hat die Lösung mit dem PDF-Viewer auch durchaus Vorteile – die Daten liegen auf dem taz-Server, und das Geld für das Abo landet vollständig bei der taz, während beim Kauf über iBooks ein Drittel von Apple abgeschöpft wird. Wie ein Blick auf den taz-Hausblog zeigt, ist diese Tatsache für die taz-Community nicht gerade ein Grund zum Jubeln. Bisher liegen die Verkaufszahlen laut taz im „unteren dreistelligen Bereich“. Das reichte aber immerhin aus, um die taz an die Spitze der deutschen iBooks-Charts zu katapultieren.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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