„iPad made in Japan“: Sharp steigt mit Multimedia-Tablets ins E-Reader-Geschäft ein

sharp-tablet-e-reader-xmdf-.gifSharp steigt ins E-Reader-Business ein – und setzt ähnlich wie Apple auf LCD-Technik & Touch-Screen. Die in Tokio vorgestellten Prototypen im Format 5,5 sowie 10,8 Zoll sollen bis Ende 2010 auf den Markt kommen, nicht nur in Japan, sondern auch in den USA. Dort wird der Mobilfunkanbieter Verizon für die drahtlose Verbindung ins Netz sorgen. Parallel zum E-Reader-Start kündigte Sharp eine multimedial erweiterte Version des in Japan populären E-Book-Formats XMDF an.

Bisher werden E-Books & Mangas in Japan vor allem auf dem Handy gelesen

„Transforming your E-Book-Life“ war das Motto bei der Vorstellung von Sharps E-Reader-Offensive. Das ist gar nicht mal übertrieben – denn bisher werden in Japan E-Books und Mangas vor allem auf Handys und mobilen Computern gelesen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das von Sharp für den Zaurus-PDA und andere Handhelds entwickelte Format XMDF. Genutzt wird das „Extended Mobile Document Format“ mittlerweile auf einer ganzen Palette von Geräten, vom PC-Desktops über Mobiltelefonen bis zum internetfähigen TV-Bildschirm. Ein firmeneigener E-Store bietet mittlerweile ca. 29.000 Titel japanischer Verlage an. Für die neuen Lese-Tablets wird das E-Book-Format nun multimedial erweitert: „The next-generation XMDF enables easy viewing of digital content including video and audio and allows automatic adjustment of the layout to match and meet publishers‘ needs“, erklärte das Unternehmen. Unklar ist bisher, ob Sharps E-Reader auch andere Formate wie epub oder PDF unterstützen werden. Das dürfte sich aber bis spätestens September herausstellen – dann werden die neuen E-Reader offiziell vorgestellt.

„The idea is to offer an iPad made in Japan“

Während Sharp mit dem 10-Zoll-Tablet eindeutig Neuland betritt, gibt es für die 5-Zoll-Variante bereits ein aktuelles Vorbild: das mit Android laufende IS01-Smartphone, vom Aussehen her eher eine Art Sub-Netbook. Obwohl beide Geräte von Sharp als „E-Reader“ bezeichnet werden, ist angesichts der Multimedia-Orientierung die Zielrichtung natürlich klar – es geht um den Tablet-Markt. „The idea is to offer an iPad made in Japan“, gab Sharp-Manager Masami Ohbatake bei der Präsentation in Tokio zu. Viel Feind, viel Ehr? Von Apples „Lesegerät“ dürften bis Ende des Jahres wohl schon mehr als zehn Millionen Geräte im Umlauf sein. „It won’t be easy for Sharp in the U.S. market,“ zitiert das WSJ ganz in diesem Sinne den Analysten Nobuo Kurahashi. Selbst wenn Sharps Technik für manche Inhalte vorteilhafter sein würde, seien Content-Anbieter in den USA wohl eher geneigt, auf die bereits am meisten verbreitete Plattform zu vertrauen, schätzt Kurahashi. Was Content-Deals auf dem nordamerikanischen Markt betrifft, hüllt sich Sharp bisher ohnehin noch in Schweigen. In Japan dagegen sollen die Verleger bereits Schlange stehen, um auf Sharps E-Reader präsent zu sein. Die Verhältnisse sind allerdings kaum zu vergleichen. Während E-Books und E-Mangas dort schon seit den Neunziger Jahren zum Alltagsgeschäft gehören, sind im Gegensatz zur US-Zeitungskrise die Auflagen der japanischen Blätter in den letzten Jahren nur um knapp sechs Prozent zurückgegangen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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