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iPad killt iRex: Niederländischer E-Reader-Hersteller steht vor dem Konkurs

11 Jun 2010

irex e-reader DR800 pleitegeier.gifDer Pleitegeier kreist über iRex Technologies. Der E-Reader-Hersteller aus dem niederländischen Eindhoven brachte mit dem iLiad bereits 2006 ein E-Ink-Lesegerät auf den Markt. Zuletzt setzte man die Hoffnungen auf den neuen Touch-Screen-Reader DR800. Doch in den USA waren die Verkaufszahlen niedriger als erwartet. Nun könnte iRex das erste Unternehmen der noch jungen Branche sein, dass seine Pforten schließen muss – oder von einem Konkurrenten übernommen wird.

Mit dem Touch-Screen-Reader DR800 wollte iRex den amerikanischen Markt aufrollen

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Doch auch Early Adopters und Trendsettern geht es manchmal an den Kragen. Diese Erfahrung muss jetzt ausgerechnet das Philips-Spin-Off iRex Technologies machen. Bei der Entwicklung von E-Ink-Readern waren die Eindhovener ganz vorne dran. Als der erste iLiad-Reader mit E-Ink-Display im Jahr 2006 auf den Markt kam, war elektronisches Papier fast noch Science-Fiction. Etwas utopisch wirkten auf die meisten Kunden aber auch der Preis, den man für die ersten Lesegeräte zahlen musste, und Lesestoff war auch eher knapp. Das hat sich längst geändert, und im letzten Jahr wollte iRex mit dem DR800SG den US-Markt aufrollen – das 8-Zoll-Gerät brachte zum anvisierten Preis von 399 Dollar ein Wacom-Touch-Screen mit, drahtloses Netz (3G) sowie den direkten Zugang zu Barnes&Nobles E-Book-Store. Durch den Verkauf über die Einzelhandelskette BestBuy sollte der Verkauf zusätzlich angekurbelt werden. Leider spielte die amerikanische Zulassungsbehörde FCC nicht mit – das offizielle Prüfsiegel kam viel später als erwartet. Während Amazon zum Weihnachtsfest Verkaufsrekorde melden konnte, blieben die iRex-Geräte unter Verschluss.

iRex bietet Potential für Investoren – für 2011 ist ein E-Reader mit Farb-Display angekündigt

Dann brach auch schon das Jahr des Tablet-PCs an: Mit dem Beginn des iPad-Hypes schmolzen nicht nur die finanziellen Reserven von iRex dahin, sondern offenbar auch das Vertrauen der Banken. Diese Woche meldete das Financieele Dagblad, iRex Technologies habe bei den Gerichten einen Vergleichsverfahren beantrag. „Er is geen cash en de banken zijn voorzichtig in deze tijd (Es ist kein Geld da und die Banken sind zur Zeit vorsichtig)“, wurde iRex-Chef Hans Brons vom FD zitiert. Größter Gläubiger ist die Deutsche Bank. Mindestens 5 Millionen Euro sollen notwendig sein, um die Liquidität wieder herzustellen. Dem Vergleichsverwalter Martijn Kemps zufolge könnte das Geld von Investoren aus den USA oder aus Asien kommen. Potential dürfte iRex auf jeden Fall haben – sowohl der DR800SG wie auch das 10-Zoll-Gerät DR1000 sind vom Preis-Leistungsverhältnis her durchaus konkurrenzfähig. Außerdem hat iRex für 2011 einen E-Reader mit Farb-Display angekündigt – die Technik soll von PixelQi stammen.