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Interstellare Mission ohne Wiederkehr: David Vandyke, Raumschiff Conquest [Leseprobe]

15 Apr 2017 0 Kommentare

16_04_raumschiff conquest-coverWir schreiben das Jahr 2115: Fast vier Jahrzehnte lang befand sich Admiral Henrich J. Absen im Tiefschlaf – zusammen der übrigen Besatzung der „Conquest“, des mächtigsten Großkampfschiffs der Erdflotte. Nun liegt das Ziel der Reise direkt vor ihm – ein fernes Sonnensystem, 36 Lichtjahre von der Erde entfernt. Doch gibt es die Erde überhaupt noch? Die feindliche Flotte der außerirdischen „Meme“ hat das Sol-System rein rechnreisch längst erreicht, die große Entfernung verhindert allerdings die direkte Kommunikation – denn die jüngsten Meldungen von der Heimatfront sind 36 Jahre alt. Die Lichtgeschwindigkeit ist in David Vandykes Sci-Fi-Serie „Stellar Conquest“ nämlich auch im 22. Jahrhundert noch eine absolute Grenze – mit dramatischen Folgen. So bleibt der 30.000 köpfigen Besatzung der Conquest nur eins übrig: die vor vierzig Jahren geplante Mission durchführen. Und das heißt: im Blindflug den Kampf in der Tiefe des Raums aufnehmen, ein fremdes Sonnensystem erobern – und so vielleicht eine zweite Heimat für die Menschheit zu sichern.


David Vandyke, Raumschiff Conquest (Stellar-Conquest-Serie 1)

1. Kapitel

„Wecken Sie sie auf.“ Admiral Henrich J. Absen saß steif in seinem Schutzsessel und spürte, wie sich dieser perfekt an jede Bewegung anpasste. Er wirkte rau, ernst und bleich. Im „Sessel“ Zuversicht auszustrahlen war für jeden Kommandanten eines Schiffs wichtig. Da ihm die vom Feind übernommene Biotechnologie des Sessels nie besonders gefallen hatte, musste er sich dazu zwingen, nicht zu zappeln. Der Sessel erinnerte ihn zu sehr an den Stasis-Kokon, in dem er soeben vierzig Jahre verbracht hatte.
Wenigstens gehörte er zu den Ersten, die aufgeweckt worden waren: erst das biomedizinische Personal, dann die Offiziere und anderes wichtiges Personal nach Dienstgrad, und schließlich der Rest der Tausenden von Besatzungsmitgliedern.
Und dann gab es noch eine Million Kolonisten, die tief im Rumpf der Conquest in der Stasis schliefen. Aber sie würden dort bleiben, bis die Schlacht vorbei war.
„Aye, aye, Sir“, antwortete Doc Horton, die BioMed-Offizierin im Brückendienst. Sie sprach laut in die Bordsprechanlage, während sie ihre Worte zugleich über eine im Hirn implantierte Datenverbindung sendete. „BioMed-Leitung, hier ist die Brücke. Der Skipper sagt: Wecken Sie sie auf.“
Skipper. Das Wort, das sich Absen durch den Kopf gehen ließ, fühlte sich passend an. Er war jetzt ein Dreisterne-Admiral der Erdflotte, in einer vom Commonwealth abgeleiteten Dienstgradstruktur, aber er weigerte sich, einen Kapitän zu wählen, der sein Flaggschiff ‑ das massive Großkampfschiff EFS Conquest ‑ sowie die Kampfgruppe kommandierte, zu der die Conquest bald werden würde.
Manche nannten ihn deshalb arrogant, aber als der erfahrenste hochdekorierte Befehlshaber – überlebende Befehlshaber – hatte er diese Option. Wir haben die Angriffe der Meme auf die Erde jedes Mal zurückgeworfen, dachte er, aber zu welchem Preis? So viele gute Freunde sind tot.
Er blickte sich auf der Brücke um und war stolz auf seine sorgfältig ausgewählte Crew. Diese Überlebenden zahlreicher brutaler Angriffe der Außerirdischen auf das irdische Sonnensystem arbeiteten nun perfekt zusammen. Zumindest hatten sie es vor den vierzig Jahren der Stasis getan. Die meisten waren erst vor einigen Stunden wieder geweckt worden.
Natürlich hatten sie alle während der Reise ein Jahr dauernde Schichten gearbeitet, aber bei einer Besatzung von 30.000 auf dem Milliarden von Tonnen schweren Schiff stellte das keine Belastung dar.
„Nachrichtendienst, haben Sie Informationen über das Erdsystem?“ Absen wusste, dass alle diese Frage im Kopf hatten: Existiert meine Heimat noch?
Der wachhabende Offizier des Nachrichtendiensts antwortete: „Jawohl, Sir. Das kam gerade von der Analyseabteilung.“
„Senden Sie es an alle Stationen“, befahl Absen.
Die Mitglieder der Brückenbesatzung, die nicht mit wichtigen Aufgaben ausgelastet waren, lasen eifrig den kurzen Auszug auf ihren Bildschirmen:

 
LAGEBERICHT, ZUSAMMENFASSUNG: Sonnensystem am 25.5.2079 sicher. Feindliche Kampfgruppe entdeckt. Erreicht Erde in ca. einunddreißig (31) Jahren (Ankunftsdatum ?. ?. 2110) Geschätzte Stärke übertrifft vierundsechzig (64) Zerstörer. Militärisch-industrielle Berechnungen geben Abwehr durch Erdflotte eine Erfolgschance von dreiundvierzig (43) Prozent.
 
Es folgte ein ausführlicher Bericht voller Anhänge, aber für die meisten reichte die Zusammenfassung. Als ihnen die hässliche Wahrheit klar wurde, hüllte sich die Brücke in Schweigen.
Die Conquest und die Kampfgruppe, die sie darstellte, war sechsunddreißig Lichtjahre von zu Hause entfernt. Da nichts bekannt war, was die Lichtgeschwindigkeit übertraf, waren die Informationen von der Erde definitionsgemäß sechsunddreißig Jahre alt.
Die Anzeige auf der Brücke zeigte den 9. April 2115. Demnach hatte die feindliche Flotte das Sonnensystem bereits vor fünf Jahren angegriffen, irgendwann im Jahr 2110. Alle daheim könnten tot sein, oder hirnlose Wesen, die von den Meme absorbiert worden waren.
Eine Überlebenschance von dreiundvierzig Prozent. Vierundsechzig Zerstörer, dachte Absen entsetzt. Zerstörer – aber nicht im traditionellen Sinn eines Begleitschiffs in Flotten der Menschen. Der Name stammte aus von den Meme erbeuteten Informationen: „Zerstörer“ bezeichnete einfach dessen Funktion. Die Meme-Zerstörer waren riesige Schiffe, so mächtig wie sein eigenes Großkampfschiff, das selbst das größte und beste Kriegsschiff darstellte, welches die Erdflotte je produziert hatte.
Das beste Schiff vor vierzig Jahren, erinnerte er sich. Vier weitere Jahrzehnte der Entwicklung müssen zu enorm mächtigen Schiffen geführt haben.
Das hoffte er wirklich.

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Autor & Copyright: David Vandyke

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David Vandyke, Raumschiff Conquest (Stellar-Conquest-Serie 1)
E-Book (Kindle Shop) 3,99 Euro

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