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Internet-Studie: Mehrheit der Surfer in Europa lehnt Paid Content ab

17 Aug 2009

EU-Studie-Mehrheit der Internet-Surfer in Europa lehnt Paid Content ab_Bild_Pixelio_Stihl024.gifBezahl-Angebote im Internet haben bei den Europäern keine Chance. Denn nur fünf Prozent der SurferInnen haben einer Studie der Europäischen Kommission zufolge in der letzten Zeit Geld für Online-Inhalte ausgegeben. Die Hälfte der Befragten gab sogar an, nicht einmal niedrigere Preise für Internet-Angebote könnten sie umstimmen. Der „Digital Competitiveness Report“ zeigt also vor allem eins: Paid-Content ist nicht mehr wettbewerbsfähig.

Paid Content funktioniert nur in virtuellen Nischen

Für die Befürworter von Bezahl-Inhalten kommt die Studie der europäischen Kommission zur Unzeit: nach dem britischen Verleger Rupert Murdoch hatten auch weitere prominente Medienmacher in den letzten Wochen die Branche aufgefordert, für ihre Inhalte in Zukunft abzukassieren. Financial Times-Chef Lionel Barber prognostizierte gegenüber dem „Guardian“ sogar, bis 2010 würden die meisten News-Portale dem Beispiel seiner Zeitung folgen und ihre Inhalte nur noch zahlenden Abonnenten liefern. Immerhin: Die FT hat immerhin mehr als 100.000 Online-Abos an den Mann bzw. die Frau bringen können. In Deutschland ist man allerdings nicht ganz so optimistisch: Springer-Chef Döpfner etwa hofft vor allem auf zahlungswillige mobile Surfer, die auf Bild.de & Co. vom iPhone zugreifen. Doch die Ergebnisse der Internet-Studie zeigen: mehr als eine Nische werden solche Angebote nicht besetzen können. Einige Surfer würden zumindest Paid Content zu niedrigeren Preise goutieren, doch andere Argumente wie ein verbessertes Angebot oder bessere Weitergabe- und Tauschmöglichkeiten überzeugten sogar nur ein Fünftel der Befragten.

Die Kultur-Flatrate gibt’s noch nicht, doch die Netzkultur ist vom Flatrate-Gedanken geprägt

Für einen „Mentalitätswandel“, wie ihn etwa Lionel Barber fordert, ist es längst zu spät. Es gibt zwar noch keine Kultur-Flatrate, doch die Netzkultur ist mittlerweile vom Flatrate-Gedanken geprägt. Die Studie der europäischen Kommission kommt zum Ergebnis: „Angebotene Inhalte verbinden die Surfer mit der Erwartung, dass sie umsonst sind oder ihre Kosten über ihre Flatrate-Internet-Verbindung abgegolten sind. Besonders die jüngeren User akzeptieren nur ‚All you can eat‘ im Austausch gegen eine Grundgebühr.“ Die „Digital Natives“ zwischen 15 und 25 haben sozusagen die „Kulturhoheit“ im Internet: niemand sonst nutzt das Netz so intensiv wie sie — drei Viertel von ihnen ist täglich online. Doch die Internet-Kultur betrifft letztlich alle Altersgruppen: mehr als die Hälfte der europäischen Haushalte verfügt bereits über einen Breitbandanschluß. Was natürlich auch bedeutet: die Hälfte der Haushalte zahlt zwar nicht für den Content, aber für den Zugang.

Bild: Pixelio/Stihl024