Im Bett mit Facebook: SPOL & BILD publizieren „Instant Articles“

facebook-instant-articles„Zahnarztsohn wird zum Mega-Verleger“, „Frisst Facebook das restliche Internet?“, „Clever oder Selbstmord?“ – die Twitter-Kommentare nach dem neuesten Content-Coup von Facebook-Chef Mark Zuckerberg klingen doch sehr nach Galgenhumor. Dass große Anbieter wie die New York Times, Guardian, BBC News oder Spiegel Online und Bild nach all den Diskussionen über Google-Snippets nun dem Social-Media-Riesen freiwillig ihre Artikel zum Einbetten zur Verfügung stellen, überrrascht auf den ersten Blick aber tatsächlich.

Facebook selbst wirbt für die „Instant Articles“ vor allem mit einem Argument: mehr Komfort. Die Zeitungs- und Magazinartikel würden nun „zehn mal schneller“ geladen werden. Schneller als was? „To date, however, these stories take an average of eight seconds to load, by far the slowest single content type on Facebook“, erklärt Michael Reckhow, Product Manager bei Facebook.

Außerdem gäbe es da eine Menge interaktiven Mehrwert: Photo-Zoom durch das Bewegen des Mobilgerätes, Auto-Play-Videos, die beim Scrollen durch den Text gestartet werden (Igitt!), interaktive Karten oder das Liken einzelner Textpassagen.

Am Ende geht’s aber natürlich vor allem um Geld. Denn die Verlage dürfen die eingebetten Werbeplätze selbst vermarkten, und erhalten auch die Nutzerdaten. Vergessen darf man natürlich ebensowenig: wo Facebook ist, sind die Leser. Und genau dort wollen die Publisher hin. „BILD muss immer da sein, wo unsere Leser und User sind. Das ist auf Papier so und das ist auch digital so“, begründet etwa Julian Reichelt, Chefredakteur BILD.de die neue Offensive.

Doch es geht interessanterweise gar nicht nur um Werbung. Man wolle zugleich ein „Bezahlmodell für journalistische Inhalte auf Facebook vorantreiben, bei dem BILD und andere Marken eigene Abonnements generieren können“, so Reichelt weiter. Nun also gemeinsam mit Facebook gegen die „Kostenloskultur“?

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".