Information wants to be free – Kulturflatrate als Wahlkampfthema?

Information wants to be free-Kulturflatrate als Wahlkampfthema_Bild_Pixelio_Rainer_Sturm.gifPünktlich zum Auftakt des Wahlkampfes kommt die Kulturflatrate wieder in die Schlagzeilen – die taz widmete heute diesem Thema eine ganze Seite. Die Grünen haben den Gedanken in ihr Wahlprogramm aufgenommen, die SPD will ihn „prüfen“. Was in TV und Rundfunk dank GEZ und GEMA schon funktioniert und von vielen Konsumenten gewünscht wird, stößt auf Produzentenseite jedoch auf vehementen Widerstand. Rein rechtlich wäre legales Filesharing aber möglich, sagt ein neues Gutachten.

„Information wants to be free“: Seit MP3 und Filesharing gibt es kein Zurück mehr

„Information wants to be free“: als Stewart Brands diese legendäre Einsicht auf der Hackers Conference im Jahr 1984 proklamierte, gab es weder World Wide Web noch Napster, Pirate Bay & Co. In vielen Bereichen der Kultur galt eher das gegenteilige Prinzip: „Information wants to be expensive“. Doch auf Heimcomputern und PCs hatte der Kampf bereits begonnen. Was mit „Freeware“ wie auch Raubkopien von Computerspielen begann, schwappte in den Neunziger Jahren auf Musik und Film über. Spätestens mit der Erfindung von MP3 und Filesharing gab es kein Zurück mehr. Die Debatte um freien Zugang zu Online-Content lässt sich, wie Meike Richter in der taz ganz richtig schreibt, ebensowenig stoppen wie man Zahnpasta zurück in die Tube drücken kann. Diese Einsicht teilen auch bereits die meisten Parteien im Bundestag. Laut Medienrechts-Blog Telemedicus seien nicht nur die Grünen, sondern auch SPD und Linke der Kulturflatrate gegenüber aufgeschlossen.

„Der größte Feind der Kreativen ist nicht der Filesharer, sondern das Unbekannt-Sein“

Was im Bereich von E-Books in Deutschland für viele Verlage undenkbar scheint, ist im Musikbereich schon weit verbreitet: etwa im Nokia Music Store. Für eine monatliche Abo-Gebühr lassen sich unbegrenzt MP3s herunterladen. Es bleibt natürlich die Frage, wem solch ein Projekt nützt: „Der größte Feind der Kreativen ist nicht der Filesharer, sondern das Unbekannt-Sein“, stellt Meike Richter in der taz fest. Jenseits von Bestsellern und Blockbustern ist bei Nokia für die Urheber nicht viel zu holen. Um möglichst vielen Künstlern ein Auskommen zu ermöglichen, müsste es also eine verbindliche Regelung auf staatlicher Ebene geben. Im Fernseh- und Rundfunkbereich funktioniert das schon seit Jahrzehnten. Ironischerweise verlief die Entwicklung im Fernsehen sogar umgekehrt – zumindest in Deutschland: erst gab es die GEZ-Flatrate für alle, dann kamen seit den Achtziger Jahren das werbefinanzierte Privatfernsehen und schließlich das Pay-TV. Warum sollte diese Form der Koexistenz nicht auch im Internet möglich sein?

Die Kulturflatrate als „logische Konsequenz der technologischen Revolution“ namens Internet

Juristische Gründe, die maßgeblich gegen die vollständige Legalisierung von Filesharing sprechen, gibt es offenbar nicht. Eine im Mai veröffentlichte Studie im Auftrag der Grünen stellte fest: Die Einführung der Content-Flatrate ist nicht nur rechtlich machbar, sondern im Interesse der Künstler sogar geboten. Sie verstoße „nicht gegen die Grundrechte der Schöpfer“, heißt es in dem Gutachten. Vielmehr erhielten die Kreativen so „einen angemessenen Ausgleich für die Vervielfältigung ihrer Werke“. EinePauschalvergütung für Up- und Downloads mache zwar Änderungen des nationalen und europäischen Rechts notwendig. Das jedoch sei die „logische Konsequenz der technologischen Revolution, die durch das Internet erfolgt ist“.

Bild: Pixelio/Rainer Sturm

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".