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[Indie-Lounge] “Ich bin Selfpublisherin mit Leib und Seele” – Daniela Felbermayr im Interview

2 Dez 2014 0 Kommentare

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Passend zur Adventszeit besucht heute Daniela Felbermayr die Indie-Lounge. Ihr Roman „Zauberhafte Weihnachten“ stand mehrere Wochen auf Platz #1 der Kindle-Charts. Die junge Oberösterreicherin schreibt schon, seit sie im Alter von acht Jahren die mechanische Schreibmaschine ihres Großvaters entdeckt hat. Seit dieser Zeit gehört Literatur als fester Bestandteil zu ihrem Alltag. Inzwischen ist sie erfolgreiche Selfpublisherin mit schon elf, hauptsächlich romantischen Titeln, die als E-Book wie auch Print-On-Demand-Paperback schon viele tausend Leser erfreut haben.


“Am Anfang war das gemalte Kinderbuch”


Daniela, du wohnst in einer Kleinstadt in Österreich, aber deine Romane spielen in den USA. Wie kommt das?

Ich hatte immer schon einen unglaublichen Hang zu den USA. Bei uns Zuhause werden auch ganz traditionelle US-amerikanische Feste wie zum Beispiel Thanksgiving oder der 4. Juli gefeiert, sodass es für mich naheliegend war, dass auch meine Geschichten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten spielen werden. Außerdem muss ich sagen, dass meine Geschichten für mich einfach glaubwürdiger rüberkommen, wenn die Protagonistin ihren Traumprinz auf Umwegen in einer Weltmetropole trifft, als wenn das in einer kleinen Almgemeinde im Hintertupfinger Erzgebirge geschehen würde :)

Kannst du uns kurz deinen schriftstellerischen Werdegang skizzieren.

Wie gesagt, ganz am Anfang war das gemalte Kinderbuch! :) Lange Zeit habe ich aber nur für mich geschrieben und Weihnachten 2009 mal die Urform von „Ways of Life“ für meine beiden besten Freundinnen Karin und Monika als Buch drucken lassen. Ich hab dann irgendwann die Plattform „Bookrix“ entdeckt und dort einige meiner Geschichten hochgeladen. Im Oktober 2012 habe ich dann – ziemlich halbherzig – die Urform von „Bis wir uns Wiedersehen“ bei Bookrix hochgeladen und das Ganze auch gleich wieder vergessen, bis ich einige Monate später plötzlich eine Tantiemenabrechnung erhielt. Ich hatte heiße EUR 29,18 verdient und mich wirklich drüber gefreut. Als ich zu diesem Zeitpunkte bemerkte, dass es tatsächlich Leser für meine Geschichten gab, habe ich „Bis wir uns wiedersehen“ wieder aus dem Verkauf genommen, es überarbeitet und neuerlich hochgeladen – das war dann praktisch der Anstoß für mein schriftstellerisches Leben.


“Meine Protagonisten leiten micht, nicht umgekehrt”


Wie kommst du auf deine Ideen?

Das ist schwer zu sagen, die meisten sind einfach irgendwann da. Oft reicht es, wenn ich Wortfetzen oder ein bestimmtes „Stichwort“ mitbekomme, ein Bild sehe oder einen Song höre. Dann ist da in meinem Kopf das Konzept einer ganzen Geschichte, die ich praktisch nur um diesen einen „Auslöser“ herumbauen muss.

Schreibst du eher intuitiv oder nach einem klaren Konzept?

Ich bin das pure Chaos – also schreibe ich eher intuitiv :) Meine Figuren entwickeln eigentlich immer recht rasch eine gewisse Eigendynamik, sodass ich mit einem Konzept vermutlich baden gehen würde. Sobald ich im Schreiben drin bin, leiten meine Protagonisten mich, nicht umgekehrt!

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Mittlerweile ist das zu einem ausgewachsenen Zweitjob geworden. Also alles in allem sicherlich so an die 50 Stunden, je nachdem, ob ich an einem neuen Roman arbeite, ein Buch gerade veröffentlicht wurde und beworben werden will oder ich eine Geschichte überarbeiten muss. Ich hab mir aber ganz fest vorgenommen, in den Weihnachtsferien etwas kürzer zu treten, damit ich 2015 wieder mit tollen Geschichten für meine Leser aufwarten kann!

Was motiviert dich zum Schreiben?

Zum einen ist es für mich Entspannung pur. Beim Schreiben schalte ich ab und tauche in die Welt meiner Protagonisten ein. Außerdem ist es immer wieder sehr motivierend, Fanpost zu erhalten, E-Mails von Leserinnen, die mir mitteilen, wie sehr ihnen meine Geschichten gefallen haben und dass sie sich schon sehr auf Nachschub freuen.

Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autor einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes
Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Ich hätte mir niemals träumen lassen, als Autorin überhaupt so weit zu kommen, wie jetzt. Ich meine, für mich war die Nr. 1 in den Kindle-Charts schon etwas ganz Besonderes und somit hat sich ein großer Traum von mir eigentlich schon erfüllt. Alleine, wenn ich mir vorstelle, wie viele Leser ich mit meinen Büchern erreiche, ist das für mich immer noch fast unglaublich. Aber einen Plan gibt es nicht. Ich bin generell jemand, der die Dinge immer so auf sich zukommen lässt, wie sie passieren, und dann das Beste draus macht. Und außerdem kommt es ohnehin immer ganz anders, als man denkt. Also warte ich mal ab, was mein Autorendasein noch so alles für mich im petto hat und freue mich schon sehr darauf! :)


“Ohne Marketing-Aktionen geht es nicht”


Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Ich hab jetzt verdammt viel mehr zu arbeiten als vorher! * lach * Ich habe eine Menge großartiger Menschen, seien es Leser oder Autorenkollegen, kennengelernt, die ich nicht mehr missen möchte, und muss jetzt viel strukturierter in den Tag gehen, als zuvor. Aber ich denke, im Großen und Ganzen bin ich immer noch dieselbe, die ich gewesen bin, bevor meine Bücher veröffentlicht wurden. Gerade in meinem näheren Umfeld ist die – ich trau’s mir eigentlich selber gar nicht sagen – „Bekanntheit“ durch die Bücher überhaupt kein Thema. Das wird in keiner Weise als großartige Besonderheit gesehen oder so :)

Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten. Welche Faktoren darüber hinaus sind deiner Meinung nach für deinen Erfolg wichtig gewesen?

Ich denke, es gehört eine gehörige Portion Glück dazu, weil die Konkurrenz heutzutage auch nicht schläft – und meine, dass ich mit „Zauberhafte Weihnachten“ einfach das perfekte Timing gehabt habe. Und natürlich eine großartige Leserschaft, die das Buch in den ersten Tagen gleich in Amazons Sichtbarkeit gehoben hat! Hilfreich sind natürlich auch Marketingaktionen, ohne die heutzutage fast gar nichts mehr geht.


“Die Investition ins Lektorat lohnt sich”


Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Auf alle Fälle in ein Korrektorat investieren. War es vor etwa einem Jahr noch kein Thema, dass auch Indie-Bücher professionell aufgemacht sind, so ist es heute unumgänglich, ein Buch mit einem perfekten Setup zu haben. Mir stellen sich immer die Nackenhaare auf, wenn ich Bücher sehe, deren Cover ein selbstgeschossenes Handyfoto ziert, dessen Titel in Comic Sans – neongrün – geschrieben ist, und bei denen auf den ersten Seiten bereits jede Menge Tipp- und Schreibfehler zu finden sind.
Und sich vor allem von Rückschlägen nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Ich war selber schon hin und wieder kurz davor aufzugeben, weil es einfach furchtbar zermürbend ist, wenn man sein Herzblut in eine Geschichte hängt, monatelang an ihr arbeitet und sie dann nach kurzer Zeit in der Amazon-Versenkung verschwindet. Aber wie heißt es so schön: „Hinfallen – Aufstehen – Krönchen richten – Weitermachen“ :)

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Ich habe eine großartige Korrektorin, die meine Texte korrigiert. Bezüglich der Cover habe ich das Glück, mit Photoshop sattelfest zu sein, sodass ich die selber erstellen kann. Bei den Geschichten selbst ist es ein ewiges an-sich-selbst-wachsen. Ich werkle oft Nächtelang an einzelnen Absätzen, bis ich sie „perfekt“ finde. Natürlich ist mir auch die Meinung von Lesern wichtig, die ich mir sehr zu Herzen nehme und nach Möglichkeit in meine Romane einfließen lasse.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Mit Wörtern konnte ich immer schon gut jonglieren :) Ich denke auch, man entwickelt sich von Roman zu Roman weiter und mich gruselts, wenn ich heute meinen Erstling lese und mich frage, wie ich so etwas nur habe veröffentlichen können :)

Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Stören tut mich gar nichts daran, sonst würde ich es nicht machen. Ich finde es hingegen toll, dass alle Entscheidungen von mir selbst getroffen werden können und ich niemandem Rechenschaft schuldig bin, warum ich was wie mache. Ich liebe diese Unabhängigkeit.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Eine Sekretärin * lach *


“Bin Selfpublisherin mit Leib und Seele”


Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken und womit (außer mit vielen Millionen ;-)?

Nein, definitiv nicht. Ich bin Selfpublisherin mit Leib und Seele und würde wohl bei keinem Verlag unterzeichnen. Wie schon erwähnt, die Unabhängigkeit, die ich als Selfpublisher habe, ist mit keinem Verlagslogo aufzuwerten.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Jetzt zur Weihnachtszeit definitiv „Zauberhafte Weihnachten“. Meine beiden Favoriten aus meinen anderen Romanen sind „Bride on Time“ und „Dear Robin“.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Zum Valentinstag wird es einen Kurzroman von mir geben, der den Titel „That Kiss next Door“ trägt und von Jess und Matt erzählt, die die besten Freunde und Nachbarn sind … und doch so viel mehr. Der nächste „große“ Roman erscheint dann im Frühjahr 2015, dort werden die Leser Cat und Nick kennenlernen, die zu ihrem großen Unglück gemeinsam ein verfallenes Farmhaus von Cats Großonkel erben und dazu verdonnert werden, es zu renovieren – ganz schön mühselig, wo die beiden sich überhaupt nicht riechen können und einander gegenseitig am liebsten auf den Mond schießen würden – zunächst :)

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Ich möchte jedem einzelnen von euch danken, dass es euch gibt. Ohne euch wären all diese tollen Dinge, die mir passiert sind, seit ich Selfpublisher geworden bin, nicht möglich. Ihr seid großartig! Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein großartiges neues Jahr. Auch 2015 werde ich versuchen, euch wieder mit genügend fesselndem Lesestoff für entspannte Stunden auf der Couch zu versorgen! :)

Daniela, ganz herzlichen Dank für deine Antworten. Wir freuen uns mit dir über deinen Erfolg und wünschen dir – nicht nur zu Weihnachten – immer einen Sack voll Ideen im Kopf für neue, mitreissende Geschichten.

Wer mehr über Daniela Felbermayr erfahren möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage besuchen: www.pink-powderpuff-books.com

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